In Hamburg sagt man TschüssWut, Trauer, Enttäuschung

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Es wirkt wie ein schlechter Aprilschmerz, kam vollkommen überraschend. Doch seit gestern Vormittag ist es offiziell: Die AEG setzt nach 14 Jahren nicht mehr auf den Verein der Hansestadt, sondern konzentriert sich in Zukunft nur noch auf die weitaus erfolgreicheren Rekordmeister Berliner Eisbären. Zwei Teams in der selben Liga seien wirtschaftlich nicht mehr tragbar.

„Wir haben die letzten fünf Jahre sehr gewissenhaft nach einer Lösung gesucht. Nach einem Partner, der fähig ist das Team zu übernehmen, zu tragen und das Ganze gut zu managen. Leider haben wir niemanden gefunden“, so Tom Miserendino, President & CEO der AEG Europe. Bei dem Team, den Spielern, aber auch bei den Fans macht sich Fassungslosigkeit breit. Mit Trikots, Fahnen und Schals ausgerüstet kamen über 100 Anhänger gestern zu der Arena. Mit Gesängen versuchten sie für Aufmerksamkeit zu sorgen, wollten zeigen, dass sie hinter dem Team stehen.

„Man weiß von Anfang an was es bedeutet, mit zwei Teams in der DEL zu spielen. Es hat die letzten Jahre auch funktioniert. Warum jetzt nicht mehr?“, fragt sich Sladjana. Sie selbst geht inzwischen schon fünf Jahre lang zu allen Heimspielen - die Dauerkarte für die kommende Saison ist bereits gekauft. Und jetzt? „Hamburg ist eine Weltstadt, aber wenn es um den Sport hier geht entwickelt sie sich zunehmend zu einem Dorf. Das ist sehr schade“.

Obwohl die Hoffnung, einen neuen Investor zu finden, sehr unwahrscheinliche ist, merkt man eines deutlich: Hamburg gibt nicht auf. Doch die Zeit rennt: Fünf Tage bleiben den Freezers nun noch. Fünf Tage einen geeigneten Investor zu finden. Fünf Tage den Sport hier in Hamburg am Leben zu erhalten. Doch selbst Uwe Frommhold, Geschäftsführer der Hamburg Freezers, sieht da wenig Chancen: „Also es wäre fatal wenn ich nein sage, aber die Hoffnung liegt bei einem Prozent. Ich weiß, dass Tom und alle andere Kollegen von der AEG nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt für dieses eine Prozent genau so arbeiten wie wir“.

Ist Eishockey nun die nächste Sportart, die nach Handball und Volleyball in Hamburg nicht mehr erstklassig vertreten ist?

Dabei entwickelte sich der Verein in den letzten Jahren so gut. In der Saison 2015/2016 konnte sogar ein Zuschauerdurchschnitt von 9.000 Menschen pro Spiel vermerkt werden. In der Barclaycard Arena, im Wohnzimmer der Freezers, war Eishockey angekommen. Doch nun muss Hamburg sich gegen Berlin geschlagen geben. „Ich denke, das haben die Eisbären zum einen ihren Erfolgen zu verdanken, die sie in der Vergangenheit feiern konnten und ihrer langjährigen Tradition. Außerdem ist Berlin die Hauptstadt. Das muss man auch bedenken“, gesteht Steven, der selbst seit vielen Jahren Eishockey spielt, sich ein. Ähnlich sieht es auch Miljan, der wie Sladjana seit fünf Jahren von dem Sport in den Bann gezogen wird: „Ich bin schockiert. Für die Mitarbeiter, die Spieler und Fans ist es sehr schade. Ich kann die Begründung nicht nachvollziehen. Die Geldmittel sind vorhanden. Warum jetzt das Aus für uns?“.

Fragen auf die es aktuell keine Antworten gibt. Die nächsten Tage werden nun zeigen, ob der Verein es schafft einen neuen Investor zu finden. Doch man darf sich auch nichts vormachen: Mit den Freezers wird das nächste große Sportteam aus der Barclaycard Arena verschwinden. Sport, der für so viele schöne Momente und Emotionen gesorgt haben.

„Wir haben es geschafft durch sehr viel harte Arbeit auch am Markt den Verlust des HSV Handballs mehr oder weniger auszugleichen. Wir werden uns jetzt zusammensetzten, auch mit den Kollegen der AEG, unsere Strategien überprüfen und uns vielleicht eine andere Ausrichtung suchen. Ich bin ehrlich zuversichtlich, dass uns das gelingen wird. Die Arena ist profitable und wird es auch blieben“, so Frommhold. Schade ist es vor allem für die Hamburger, die ihr Team sehr vermissen werden. Tschüss Freezers, es war schön mit euch!

(Julia Henys)

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