Immer am LimitTeamcheck: Schwenninger Wild Wings

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Meisterlich war die vergangene Saison für die Schwenninger Wild Wings nicht gerade. Das Team aus dem Schwarzwald wurde Letzter der Deutschen Eishockey-Liga. Meisterlich hingegen ist die Neubesetzung der Trainerposition. Kaum ein Trainer kann eine solche Ansammlung von deutschen Meistertiteln aufweisen wie Helmut de Raaf. Elf Mal wurde der heute 53-Jährige als Torhüter Deutscher Meister. Fast noch wichtiger für seine aktuelle Tätigkeit: Als Trainer der Jungadler Mannheim stand de Raaf satte zehnmal ganz oben in der Deutschen Nachwuchsliga.

Und dennoch betritt der dreifache Olympia-Teilnehmer in dieser Saison Neuland. Zwar übernahm er vor 2004 auch schon einmal für kurze Zeit die Adler in der DEL, aber de facto ist der Traditionsclub aus Schwenningen seine erste echte Cheftrainerposition in der DEL. Zwei Jahre lang war er Co-Trainer beim EHC Red Bull München. „Das waren gute Lehrjahre für mich“, sagt de Raaf. „Ich konnte mit erfahrenen Trainern wie Don Jackson und Pierre Page arbeiten. Dabei war es wichtig für mich zu sehen, wie diese Trainer mit den Spielern umgehen. Das ist im Vergleich zu Jugendlichen, die ich lange Jahre betreut habe, etwas ganz anderes. Außerdem habe ich Einblick in die Organisation eines Clubs gewinnen können. Für diese Gelegenheit bin ich sehr dankbar.“

Von München ging es nach Schwenningen. Von einem ambitionierten Team zu einem Club, der mit einem kleinen Etat haushalten muss. Zu einem Club, der einen Umbruch im Kader vollzieht und gleich 16 neue Spieler verpflichtete. Angesichts des schwachen Abschneidens der Vorsaison sicher keine schlechte Idee. Aber warum hat sich Helmut de Raaf dafür entschieden? „Weil es eine Herausforderung ist“, sagt der ehemalige Torhüter. „Und weil ich Herausforderungen liebe.“

Und er ist schon mitten drin in dieser Herausforderung. „Die Vorbereitung lief gut. Ich bin sehr zufrieden“, sagt der Wild-Wings-Coach. Sechs Wochen lang steht er mit seinem Team nun schon auf dem Eis. Fünf Duelle gab es mit Schweizer Teams, drei davon konnte Schwenningen gewinnen. Dazu gab es einen Sieg gegen Zweitliga-Neuling Freiburg. „Wir haben ganz bewusst gegen kein DEL-Team getestet.“

Angesichts der vielen Neuen „waren die ersten Woche sicher komisch. Da war ich wohl einer der wenigen, der schon alle Namen kannte“, nimmt es de Raaf mit einem Lächeln. Das hat sich nun geändert. „Es passt in der Mannschaft. Das hat die Vorbereitung gezeigt.“ Das Team hat zusammengefunden. Die Mischung aus vielen erfahrenen, aber auch jungen Spielern hat die Hierarchie-Bildung einfach gemacht. „Das ging schnell – und ist auch immens wichtig“, so de Raaf, der auf die Erfahrung seines Kapitäns Sascha Goc und der drei Assistenten Matt Pelech, Simon Danner und Yan Stastny setzt. „Gerade einen Mann wie Yan können wir sehr gut gebrauchen. Es gab eine lange Tryout-Phase, weil er oft verletzt war. Aber als klar war, dass alles okay ist, wollten wir ihn unbedingt haben.“

Erfahrung und Klasse verspricht auch der finnische Stürmer Jukka Voutilainen, der nun aber aus familiären Gründen auf unbestimmte Zeit ausfällt. „Wir geben ihm alle Zeit der Welt und stehen im ständigen Kontakt mit ihm.“ Noch wurde er nicht bei der DEL lizenziert, damit im Fall der Fälle die Möglichkeit besteht, noch zu reagieren. Jeder bei den Wild Wings hofft, dass das nicht nötig wird. Denn sowohl in Finnlands als auch in Schwedens Top-Liga hat der 35-Jährige schon gespielt und wurde in beiden Ligen Meister.

Im Tor hat de Raaf mit Dimitri Pätzold und dem Kanadier Joey MacDonald zwei starke Alternativen. „Wir gehen mit keiner festen Nummer eins in die Saison, sondern entscheiden von Woche zu Woche, wer spielt.“ Dazu kommt noch der junge Marco Wölfl.

In der Defensive sind nur zwei Spieler aus der Vorsaison geblieben: Robert Brown und – natürlich – Lokalmatador Sascha Goc. Mit Hannu Pikkarainen, Jiri Hunkes und Matt Pelech kamen erfahrene Abwehrspieler aus dem Ausland hinzu, Benedikt Brückner hat sich in der DEL bewiesen. Dazu noch die Talente Alex Trivellato und Tim Bender.

Im Sturm haben die Wild Wings mit Ashton Rome, Philipp Schlager, Jonah Hynes sowie den letztjährigen Förderlizenzspielern Steven Billich und Nikolas Linsenmaier immerhin ein Quintett gehalten. Der Rest ist neu: Damien Fleury, Andrée Hult und Yan Stastny spielten zuletzt in Schweden. Toni Ritter (München), Patrick Pohl (Hamburg) und Daniel Schmölz (Köln) haben schon DEL-Erfahrung, sollen sich selbst weiterentwickeln, aber eben auch das Team voranbringen. Marcel Kurth kam aus Heilbronn zur Mannschaft.

Das Ziel? „Wir alle spielen, um so lange wie möglich zu spielen.“ Klar ist also, das Minimalziel heißt Platz zehn. Etwas anderes ist aktuell ja auch kaum möglich. Dem Coach merkt man an, dass er seinem Team rundherum zutraut, dieses Ziel auch zu erreichen. „Das haben der Club und vor allem auch unsere tollen Fans verdient.“ Der kleine Etat erhebt die Schwenninger Wild Wings sicher nicht in den Kreis der ambitionierten Teams. Aber auch Leidenschaft kann Bäume versetzen. Und die will de Raaf vermitteln. „Wir spielen mit Tempo, haben aber sich auch noch Baustellen. Es geht um Konstanz.“ Oder anders ausgedrückt: „Wir müssen am Limit spielen.“