Im Verzweiflungsmodus auf der Suche nach den zusätzlichen zehn ProzentWiedererstarkter ERC Ingolstadt

Panther-Neuzugang Ville Koistinen leistete beim Siegtreffer von Brett Olson die Vorarbeit. (ISPFD / IPD UG / hockeyweb)Panther-Neuzugang Ville Koistinen leistete beim Siegtreffer von Brett Olson die Vorarbeit. (ISPFD / IPD UG / hockeyweb)
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Das Spiel des ERC Ingolstadt gegen Wolfsburg, das erste im Jahr 2018, verlief zunächst wie schon so viele in dieser Spielzeit. Einem starken ersten Drittel, in dem die Panther großen Aufwand betrieben, sich Chancen erarbeiteten, körperlich sehr präsent waren und durch ein Powerplay-Tor von David Elsner verdient in Führung gingen, folgte ein Mittelabschnitt, in dem der Gegner allmählich das Zepter übernahm. Mit ein zwei guten Situationen brachten sich die Grizzlys zurück ins Spiel, glichen aus durch einen sehenswerten Alleingang von Marcel Ohmann, bei dem jedoch auch ERC-Schlussmann Jochen Reimer nicht ganz glücklich aussah. Kurz darauf nagelte Wolfsburgs Tyson Mulock die Scheibe halbrechter Position an die Latte, später traf Alexander Weiß noch den Pfosten des Ingolstädter Tores. Der entscheidende Unterschied zeigte sich im Schlussdrittel, in dem die Panther zwar weiterhin gehörig Feuer von den Niedersachsen bekamen, aber standhaft bleiben, keinen Gegentreffer mehr zuließen und selbst ein paar Gegenangriffe starteten. In der Schlussminute hätten sie mit ein bisschen Glück um ein Haar noch den Siegtreffer mit einer Dreifach-Chance noch erzwungen, aber es blieb letztlich bei der Punkteteilung nach sechzig Minuten. Ein solches Spiel hätten die Panther 2017 verloren, so aber bescherte Brett Olson den Schanzern noch den zweiten Punkt nach nur 39 Sekunden in der Overtime.

Den Assist zum Siegtreffer, seinen zweiten an diesem Abend, gab Neuzugang Ville Koistinen. Erst 47 Stunden zuvor in Ingolstadt angekommen, präsentierte er sich gleich in blendender Verfassung: Herausragendes Skating, einfache Pässe, sehr gutes Körperspiel und ein beinah waffenscheinpflichtiger Schuss. Er selbst gab sich nach diesem überragenden Debüt bescheiden: "Ich bin erst seit kurzem hier, kenne meine Mitspieler noch nicht und habe noch nie in der Liga gespielt - insofern habe ich versucht, mein Spiel einfach zu halten und immer hinter den gegnerischen Stürmern zu bleiben. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte, denn die Tabelle ist so eng, dass wir im Moment jeden Punkt brauchen können." Er könnte der Schlüssel sein, mit dem Panther diese bislang so verkorkste Saison noch positiv zu Ende bringen können. Koistinen kennt den neuen Trainer Doug Shedden von seinen Stationen in Finnland und der Schweiz und hat gemeinsam mit ihm die Bronzemedaille bei der Eishockey-WM 2008 gewonnen, als Shedden die Leijona trainierte. Insofern musste Koistinen auch nicht lange überlegen, als die Anfrage kam: "Als Larry (Mitchell) und Doug mich angerufen haben, musste ich mich schnell entscheiden. Die Chance, in ein neues Land und in eine neue Liga zu wechseln, noch dazu in eine Organisation wie den ERC Ingolstadt, das fühlte sich sofort wie eine gute Option an und ich dachte: Das probiere ich!"

Ein neuer Geist beim ERC - auch dank eines routinierten Debütanten

Von den Qualitäten des 35jährigen Finnen ist Doug Shedden überzeugt: "Er wird uns in den nächsten Wochen besser machen. Ich kenne die Liga zwar noch nicht so gut, aber ich bin sicher, dass man in Deutschland selten einen besseren Skater gesehen hat. Und er stand eine Woche nicht mehr auf dem Eis. Ich müsste vermutlich drei Wochen trainieren, um annähernd in eine solche Form zu kommen." Überhaupt gab sich Shedden sehr locker, ohne dabei den Ernst der Lage zu übersehen: "Wir sind hier im Verzweiflungsmodus und wissen, dass wir im Moment punkten müssen, egal wie und egal gegen wen. Wir haben jetzt einige Spiele gegen Top4-Teams, noch dazu zwei Derbys gegen München und Nürnberg, danach werden wir wissen, wo wir mit dieser Mannschaft stehen." Die Frage nach den taktischen Änderungen, die er in den letzten beiden Wochen vorgenommen hat, parierte er schlagfertig: "Das werde ich Euch nicht sagen, denn dann schreibt ihr drüber und dann wissen es alle. Aber Ihr könnt mir glauben, dass ich nach 25 Jahren als Coach und 2000 Spielen ein bisschen was gesehen habe, was es zu verbessern gibt. Es sind vor allem die kleinen Dinge, die wir richtig machen müssen. Wichtig ist dabei die Unterstützung der Video-Caoaches, die beim Gegner Schwächen entdecken, die wir für uns nutzen wollen. Nur so können wir die letzten zehn Prozent freisetzen, die wir brauchen, um zu punkten, denn Punkte sind in unserer Situation einfach lebenswichtig."

Es ist also ein neuer Geist beim ERC Ingolstadt eingekehrt in einer von Nebenschauplätzen geprägten Saison, in der die Mannschaft nun den dritten Übungsleiter hat. Dennoch sagt Jochen Reimer: "Vor ein, zwei Monaten haben wir Wege gefunden, Spiele zu verlieren, mit Doug Shedden finden wir Wege, Spiele zu gewinnen. Er ist ein sehr erfahrener Trainer, der mit viel Autorität hier angetreten ist und neuen Schwung und frischen Wind reingebracht hat. Bei ihm kann man sich sicher sein, dass seine Anweisungen auf dem Eis umgesetzt werden."

Das wird auch in den kommenden Spielen nötig sein, denn am Freitag geht es nach Nürnberg, bevor am Sonntag der Meister die etwa 55 Kilometer aus der Landeshaupstadt anreist. Die Spiele sind so wichtig, weil sie entscheiden, wohin der Weg der Panther in den nächsten Wochen führt: Derzeit haben sie drei Punkte Vorsprung auf Platz elf und vier Punkte Rückstand auf die Iserlohn Roosters, die auf Platz sechs stehen und damit direkt für die Play-offs qualifiziert wären.