Ice Tigers: Fünf Tore, aber keine Punkte

Zittersieg gegen HuskiesZittersieg gegen Huskies
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Eishockey kurios im Duell der Tölzer Trainer-Generationen. Altmeister Hans Zach hatte am Ende die Nase vorne gegen seinen früheren Düsseldorfer Zögling Andreas Brockmann, obwohl es lange Zeit anders aussah. Anders als gewohnt verlief auch die Partie der Sinupret Ice Tigers gegen die Hannover Scorpions, hatte man die Gäste aus Niedersachsen als Perfektionisten Zachscher Defensivkünste in Erinnerung.

Diese Kunst zeigten sie nicht einmal ansatzweise, besonders im ersten Drittel standen die Scorpions-Verteidiger oftmals nur Spalier für die Nürnberger Angreifer. Zwar hatte Herperger schon nach 18 Sekunden eine todsichere Einschussgelegenheit, aber das schönere und vor allem effektivere Eishockey zeigten zunächst die Ice Tigers. Grygiel und Fical brachten diese Überlegenheit auch auf den Spielberichtsbogen - 2:0 hieß es nach 20 Minuten.

Im Mittelabschnitt ging der offene Schlagabtausch erst richtig los: Zunächst vergaß Adam Mitchell bei einem Solo die Scheibe mitzunehmen, aber kurz darauf war Dzieduszycki zur Stelle und markierte den Anschlusstreffer. Die Antwort der Ice Tigers ließ nicht lange auf sich warten. Periards Knaller in Überzahl wurde von Schiedsrichter Jablukow zwar noch per Videobeweis aberkannt, aber nur Sekunden später überraschte Shane Peacock Hannovers neuen Keeper Dimitri Pätzold fast von der Mittellinie.

Es ging hin und her mit Chancen auf beiden Seiten fast im Sekundentakt. Dolak konnte in Überzahl erneut verkürzen, nachdem Cassivi zuvor gegen Reiss noch grandios einen Gegentreffer verhinderte. Danach hätten Carter in Unterzahl und Polaczek jeweils mit einem Solo den alten Abstand wieder herstellen können, aber Pätzold war zur Stelle. Polaczek wurde von Köppchen dabei allerdings gefoult, so dass Jablukow auf Penalty entschied. Scott King traf souverän - 4:2. Dass Andre Savage, der seit Wochen angeschlagen zum Schläger greift, bei einem weiteren Solo den fünften Treffer verpasste, sollte sich später rächen. Erneut Dzieduszycki und Herperger, der 26 Sekunden vor der zweiten Pausensirene einen Schuss von Ackeström abfälschte, konnten tatsächlich ausgleichen und die Partie vor den letzten 20 Minuten wieder offen gestalten.

Jetzt wurde vor beiden Toren zunächst etwas besser gearbeitet, aber als Jablukow drei Scorpions hintereinander auf die Strafbank schickte, konnten die Ice Tigers erneut in Führung gehen. Carter lauerte bei doppelter Überzahl am langen Eck und wurde von King perfekt bedient. Eine Weile sah es danach aus als könnte die Führung diesmal ausreichen, aber "katastrophale, individuelle Fehler", so Trainer Brockmann, brachten die Ice Tigers um den Lohn. Nicht nur dass Tino Boos den Ausgleich erzielen konnte, Sascha Goc war es vorbehalten den Schlusspunkt zu setzen, als er vor dem Tor völlig allein gelassen wurde.

"Wir haben nach den Anfangsminuten im ersten Drittel viel Druck gemacht und gut gespielt. Im zweiten war es ein offenes Spiel, aber wir hatten Chancen sowohl das 3:0 als auch das 5:2 zu machen. Danach haben wir aufgehört und die Defensive brutal vernachlässigt. Da waren katastrophale individuelle Fehler dabei", haderte Andreas Brockmann nach der Partie.

Wie unnötig diese Niederlage war, werde "ich erst später richtig realisieren und mich noch mehr ärgern als jetzt". "Ich kritisiere nie Spieler in der Öffentlichkeit, aber wir haben Spieler dabei, die waren in den letzten drei Spielen bei sechs Gegentreffern auf dem Eis. Das Abwehrverhalten fängt bei den Stürmern an, Cassivi war heute ein armes Schwein", so Brockmann weiter.

Neben den individuellen Fehlern machte Brockmann auch eine Spur "Überheblichkeit" aus, "anders kann man das nicht erklären". "Man redet immer von Charakter, aber jetzt wird sich zeigen, wie es wirklich um den Charakter der Mannschaft bestellt ist", erwartet Brockmann eine Reaktion beim letzten Spiel vor der Deutschland-Cup Pause in Duisburg.

Hans Zach sah "das bisher beste Auswärtsspiel" seiner Mannschaft in Hinsicht auf "Tempo, Druck und Spielwitz". "Wir haben das Spiel mit unglaublicher Moral gedreht und am Ende mit Glück das Siegtor gemacht", so Zach in seiner gewohnt trockenen Art.

Tore:
1:0 (06.50) Grygiel (King, Ancicka)
2:0 (10.59) Fical (Savage, Swanson) 5:4
2:1 (24.41) Dzieduszycki (Köppchen, Boos)
3:1 (25.53) Peacock (Cassivi, Carter) 5:4
3:2 (28.22) Dolak (Reiss, Vikingstad) 5:4
4:2 (33.40) King (Penalty)
4:3 (36.28) Dzieduszycki (Mitchell, Boos)
4:4 (39.34) Herperger (Ackeström, Schneider) 5:4
5:4 (47.58) Carter (King, Periard) 5:3
5:5 (54.12) Boos (Dzieduszycki, Mondt)
6:5 (56.01) Goc (Boos, Mitchell)

Strafen: Nürnberg 10 min. - Hannover 12 min.
Zuschauer: 3267
Schiedsrichter: Jablukow


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