Holger Gerstberger im Hockeyweb-Interview

DEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in MannheimDEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in Mannheim
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Auch in der vergangenen Saison waren sie wieder einmal Mittelpunkt der Kritik: Die Schiedsrichter der DEL. Vor allem US-Profi Rick Looker musste sich von vielen Seiten Vorwürfe gefallen lassen, bei der Weltmeisterschaft überzeugte immerhin Richard Schütz, der sogar das Finale leiten durfte, während Looker auch in Riga für Proteste sorgte. Holger Gerstberger, Schiedsrichter-Beauftragter der DEL, nimmt zur Diskussion um Looker, Schütz und die Schiedsrichter allgemein Stellung.

Hockeyweb: "Richard Schütz durfte bei der WM das Finale leiten, warum war er bei den DEL-Finalspielen nicht am Start?"

Gerstberger: "Bei der Nominierung für die

Play-offs bzw. die Finalspiele zählt

selbstverständlich das Leistungsprinzip.

Aus diesem Grund war Richard Schütz einer

der Kandidaten für die Finalspiele. Zu

berücksichtigen sind aber auch andere

Kriterien, u.a. der Wohnort. Aufgrund der

Finalpaarung Berlin-Düsseldorf war der Wohnort

leider das K.O. Kriterium für Herrn Schütz

(wohnt in Berlin). Da Sie bekanntermaßen

sehr aufmerksam Spielpaarungen und

Schiedsrichteransetzungen (auch in anderen

Sportarten) verfolgen, kennen Sie die

Diskussion um Neutralität, etc. Wir wollen

bei einer Schiedsrichteransetzung derartige

Diskussionen vermeiden."



Hockeyweb: "Profi-Schiedsrichter Rick Looker

wurde zuletzt heftig kritisiert. Wie beurteilen

Sie seine Leistung in der

DEL und bei der WM?"



Gerstberger: "Herr Looker hat in der abgelaufenen

DEL Saison insgesamt einen sehr guten Job gemacht.

Auch seine Leistung in dem entscheidenden

Halbfinalspiel zwischen Düsseldorf und Köln

war gut, seine Entscheidungen waren korrekt.

Bei der Strafe gegen Lewandowski hat er absolut

richtig entschieden. Über Sinn und Unsinn

dieser Regel bzw. der Auslegung der Regel können

wir gerne diskutieren, nicht aber über die korrekt

ausgesprochene Strafe. Leider hat die Unkenntnis

des komplexen Regelwerks und speziell zu dieser

Regel eine Diskussion über Rick Looker

angezettelt, die nicht fair und vor allem

nicht korrekt ist."



Hockeyweb: "Die Kritik kam aber vor allem von

Spielern und Trainern, die sich mit dem Regelwerk

doch eigentlich bestens auskennen müssten"?



Gerstberger: "Generell ist jedem Schiedsrichter und

den Verantwortlichen aus dem Schiedsrichterbereich

bekannt, dass mit Ausübung eines solchen Amtes

Entscheidungen getroffen werden müssen, die nicht

immer zu Begeisterungsstürmen führen.

Während die Mannschaften, Spieler, Trainer usw.

an diesem Spiel mit dem Ziel teilnehmen, mit allen

erlaubten (und Manchmal auch unerlaubten) Mitteln

zu gewinnen, ist es Aufgabe der Schiedsrichter,

dafür Sorge zu tragen, dass die Regeln von den

Beteiligten eingehalten werden. Das sind doch schon

einmal unterschiedliche Voraussetzungen der

Beteiligten. Und genau hier setzt die Diskussion

über gute oder schlechte Schiedsrichterleistungen ein.

Der eine sagt, der Schiedsrichter war schlecht, der

andere hat vielleicht eine andere Meinung (auch wenn

diese nicht kommuniziert wird). Und natürlich machen

Schiedsrichter leider auch Fehler. Häufig ist diese

Diskussion aber der Versuch, von eigenen Fehlern

abzulenken und Einfluss auf Schiedsrichter zu nehmen.

Dies ist nicht nur eine Vermutung meinerseits,

sondern auch eine klare Aussage von renommierten

Trainern und Spielern. Fragen Sie mal nach. Und ist

ein Spieler, der am Tor vorbei schiesst, automatisch

ein schlechter Spieler? Nein, aber der Referee, der

eine vermeintliche Fehlentscheidung getroffen hat,

ist ein schlechter Schiedsrichter. Aber Eines sollte

allen Beteiligten klar sein und deren Handeln bestimmen:

Die Schiedsrichter verdienen Respekt und Akzeptanz für

die Arbeit, die sie leisten. Und davon sind wir leider

noch ein ganzes Stück weit entfernt."



Interview: Alexander Brandt