Hoi Südtirol! Die Invasion der Eishockey-FansDolomitencup 2016

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Nürnberg, 13 Grad, es regnet. Der fränkische Sommer hatte mal wieder eine Pause eingelegt. Doch das kümmerte uns am Freitag nur wenig. Denn auf Stefan, Nick und mich wartete das sonnige Egna. 30 Grad hatten die Wetterpropheten vorhergesagt. Und tatsächlich: Nachdem wir den Brenner passiert hatten, kam die Sonne heraus und ein strahlend blauer Himmel machte sich über uns breit. Verrückt, wenn man bedenkt, dass wir auf dem Weg zu einem Eishockey-Turnier waren, dem wir immer mehr entgegenfieberten.

Endlich geht’s los!

Besonders einer konnte seine Eishockey-Entzugserscheinungen nicht mehr verbergen: Nick. In der Neumarkter Würtharena angekommen, rieb er sich die Hände und konnte es kaum noch erwarten. Dabei waren die Ice Tigers erst am Samstag an der Reihe. Doch der österreichische Rekordmeister aus Klagenfurt und die Augsburger Panther spielen schließlich auch die schnellste und schönste Mannschaftssportart der Welt – Letztere an diesem Abend aber wesentlich besser. Fast das komplette Match über beherrschten die Schwaben die Kärntner. Und „a weng gaschdich“ – sprich ein wenig garstig  – ging es dabei auch zu. Während also mein Sitznachbar jeden Bandencheck und Panther-Neuzugang Evan Trupp feierte, machte ich mich auf die Suche nach ein paar Klagenfurter Fans.

Ein „Wikinger“ aus Villach                

Die Augsburger waren ja auf der Tribüne nicht zu übersehen. Gut 800 AEV-Anhänger belagerten die Würtharena. Der Klagenfurter Fanclub „Vikings“ dagegen hatte sich erst für Sonntag angekündigt. Ein abtrünniger„Wikinger“ namens Wolfgang war aber schon am Freitag angereist, um die Augsburger spielen zu sehen. Die Fuggerstädter? Wieso das denn? „Vor vier Jahren hatten die Panther und die Ice Tigers ihr Trainingslager in Kärnten“, erzählte der 37-Jährige. Die Nürnberger habe er damals in Klagenfurt getroffen, „die Augsburger waren allerdings in Villach.“ Der Adlerhorst – Feindesland für einen KAC-Fan. Umso mehr musste ich lachen, als er mir seinen Wohn- und Arbeitsort verriet: Villach. „Ja, das ist schlimm genug“, jammerte Wolfgang. Dass mit Mike Stewart ein ehemaliger VSV-Coach hinter der Augsburger Bande stand, hatte er vergessen.

4:1 besiegten die Schwaben im Auftakt-Match die Österreicher. Für Wolfgang nicht überraschend: Denn „der Ligaunterschied war einfach zu deutlich.“ Dazu hatten die Augsburger ja bereits zwei Dolomitencup-Siege in der Tasche und waren heiß auf den dritten – „unser einziger Titel“, scherzte Pantherfan Tobias (38) aus Dillingen. Doch abwarten: Schließlich musste zuvor noch der Samstagssieger bezwungen werden. Nürnberg oder Brünn? Wer sollte es sein? „Ich wünsche mir Nürnberg. Ein Derby ist immer gut“, hoffe AEV-Fan Florian, dessen Wunsch am Ende in Erfüllung gehen sollte.

Nürnberg, Neumarkt und zurück

Einige Tage schon schwitzten die Ice Tigers in ihrem Trainingslager unter der Südtiroler Sonne. Am Samstag wurde dann endlich gespielt. Neben Augsburg und Klagenfurt war es auch für Nürnberg die erste Testpartie der Saison. Da durften die „üblichen Verdächtigen“ natürlich nicht fehlen. Mit dem Bus waren „Hunter“ und Co. angereist, um den aktuellen Kader anzufeuern. Während der Nürnberger mit den belgischen Wurzeln noch nicht so recht wusste, wie er die Neuzugänge einschätzen soll, hatte der 24-jährige Sven schon einen ersten Eindruck: „Die Reihe mit Dupuis und Kozek gefällt mir gut“, erklärte der Ice-Tigers-Fan, der von Neumarkt schwärmte: „Es ist traumhaft hier und die Halle ist so gemütlich“.

Ein Privileg, dass Martin Ekrt das ganze Jahr über genießen darf. Seit 2011 ist er als Trainer des HC Neumarkt tätig – zunächst als Nachwuchscoach, mittlerweile als Wild-Goose-Cheftrainer. Einem Teil des fränkischen Publikums dürfte der 44-Jährige noch bekannt sein. Neben drei Spielzeiten in Höchstadt lief er Mitte der 90er Jahre unter anderem mit Martin Jiranek für Nürnberg auf. Und der Kontakt zum jetzigen Sportdirektor ist nicht abgerissen. „Martin sehe ich meistens einmal im Jahr. Entweder bei der WM oder jetzt hier beim Cup“, erzählte der Deutsch-Tscheche. Ex-Ice-Tiger Roland Ramoser trifft er sogar regelmäßig. „Er wohnt ja in Ritten. Das ist hier um die Ecke.“ Ekrt schwelgt in Erinnerungen. „Es war einfach die schönste Zeit.“ Nürnberg, Höchstadt, Regensburg, Dresden – den Großteil seiner Spielerkarriere verbrachte der Ex-Stürmer in Deutschland. Und genau dort möchte er auch wieder hin. Wer weiß? Die ehemaligen Neumarkter Trainer Rob Wilson und Mike Flanagan, die aktuell hinter der Ice-Tigers-Bande stehen, machten es ihm ja bereits vor.

Tschechischer Titelkandidat auf Abwegen

Seine Eishockey-Jugend verbrachte Ekrt übrigens im tschechischen Brünn, das als viertes Team am diesjährigen Dolomitencup teilnahm. Da war es nur selbstverständlich, dass er während des Turniers die Kometa-Truppe betreute. Als Titelkandidat startet der Klub in die tschechische Extraliga-Saison. Umso verwunderlicher war es, dass Brno nach zwei Niederlagen den letzten Platz des Cups belegte. Der 2:3-Pleite gegen Nürnberg vom Samstag folgte ein weiteres 2:3 im kleinen Finale gegen Klagenfurt, das nach dem schwachen Turnierauftakt noch den dritten Platz ergatterte.

Heiß, also wirklich heiß, ging es am Sonntag aber nicht nur in der Würtharena her. Die Außentemperaturen trieben die Eishockey-Urlauber und mich regelrecht in die Eishalle. Während ich meinen Sonnenbrand kühlte, erlebten die Fans den Showdown des 11. Dolomitencups, der nach dem 4:2-Triumph und dritten Cup-Sieg der Augsburger Panther zu Ende ging.

Vorbereitung in Endlosschleife  

Das schwäbische DEL-Team hatte damit allen Grund zum Feiern. Doch auch die Veranstalter des Dolomitencups durften tief durchatmen und stolz auf sich sein. Denn trotz jahrelanger Erfahrung und einer gewissen Routine birgt die Turniervorbereitung einige Herausforderungen. Welche Teams sagen zu, welche nicht? „Manche Klubs wissen im Mai noch nicht, ob sie kommen können“, erklärte Christian Bassani, der damit auf die Teilnehmer der Champions Hockey League anspricht. „Die Vereine können nicht planen, da der Spielplan und die Gegner in der CHL noch nicht feststehen.“ Ein Problem, dass es mit Augsburg nicht gibt. Die Panther hatten sich schon im Herbst für den diesjährigen Dolomitencup angekündigt. Dass damit im Neumarkter Hotel Andreas Hofer kein Zimmer mehr frei sein würde, war mir bewusst. Die Hotelreservierung der Klubs übernimmt ebenfalls der Veranstalter, was ein Verein wohl nicht wusste und sich daher selbst auf die Suche machte. Das Ergebnis: eine Doppelbuchung. Christian Bassani und seine Cup-Kollegen konnten den „Supergau“ aber noch abwenden.

Ja, langweilig wird es den Verantwortlichen nie. Und kaum ist das Turnier-Wochenende vorbei, geht es auch schon wieder mit der nächsten Vorbereitung los. Denn: Nach dem Cup ist vor dem Cup (fünf Euro ins Phrasenschwein)!                                                      

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