Hockeyweb-Leser fragen Gerhard LichtneckerNachgehakt

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Herr Lichtnecker,warum werden in der DEL keine Schiedsrichter - Entscheidungen auf den Videowürfeln wiederholt?

 „Bei klaren Sachen haben wir kein Problem, diese noch einmal im Stadion zu zeigen. Wenn man aber strittige Szenen einspielt, schafft man dadurch eher eine hitzige Atmosphäre. Wir im Schiedsrichterausschuss haben uns darauf geeinigt, dass wir das eigentlich nicht haben wollen, solange keine Fachkraft, also zum Beispiel ein Beobachter, mit im im Regieraum ist. Dadurch versuchen wir, unsere Schiedsrichter auch ein Stück zu schützen. Ich kann mich an internationale Spiele erinnern, bei denen nicht eindeutige Szenen eingespielt wurden, was dann zu einem Riesentheater geführt hat.“

Wieso lehnt ein Schiedsrichter die Forderung nach einem Videobeweis immer mal wieder ab?

„Besonders bei kniffligen Situationen raten wir immer wieder, das Video anzusehen. Auch dann, wenn sich der Schiedsrichter sicher ist. Als Beispiel: Der Schiedsrichter hat eine gute Position auf dem Eis und ist sich seiner Entscheidung sicher. Vor dem Tor war aber eine Situation, die für die Zuschauer sicher nicht auf Anhieb zu erkennen war. Und wenn dann noch ein Spieler, egal von welcher Mannschaft, um einen Videobeweis bittet, ist es immer besser, sich die zwei Minuten einfach zu nehmen. Schaut er sich die Szene noch mal an, sind Spieler, Offizielle und Fans zufrieden. Wenn da einer auf stur schaltet, dann kann es sein, dass er einen Fehler macht. Dann hat er die Fans sicher erst mal gegen sich.“

Warum tragen die Schiedsrichter keine Namen auf dem Trikot?

„Das hatten wir früher. Als ich selbst noch aktiver Schiedsrichter war, waren die Namen auf dem Trikot. Weil aber die persönlichen Angriffe immer mehr wurden, hat man sich entschlossen, die Namen nicht mehr auf dem Trikot zu tragen. Auch international sind keine Namen auf den Trikots. Da haben wir uns angepasst. Und die meisten wissen ja sowieso, wer der Schiedsrichter auf dem Eis ist.“

In anderen Sportarten, wie zum Beispiel im American Football, haben die Schiedsrichter Headsets und verkünden darüber die Strafen selbst und kommentieren diese sogar zum Teil. Wäre das auch in der DEL denkbar?

„Das gibt es zum Beispiel in der NHL und hat sich dort anscheinend recht gut bewährt. Letztlich ist das aber eine Sache, die in Deutschland an der uneinheitlichen Technik und nicht zuletzt am Geld scheitern würde. Grundsätzlich aber eine gute Sache, die wir unterstützen würden.“

Im ersten Teil des Interviews kam ein Videoportal zur Sprache. Wäre es nicht eine gute Idee, wöchentlich ein bis drei kommentierte Szenen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

„Ja, das könnte ich mir in einem gewissen Rahmen durchaus auch interessant für die Fans vorstellen. Wir scheuen uns da auch nicht, Fehler zuzugeben. Im Moment ist so etwas aber aus Zeitgründen unsererseits überhaupt nicht zu realisieren. So etwas müsste man, vielleicht mit einem Partner wie Hockeyweb, vor der Saison vorbereiten und planen. Etwa eine Ecke ,Regelkunde' und da immer mal wieder Videos einstreuen.“

Wie wird die Leistung von Schiedsrichtern bewertet?

„Die Beobachter haben einen Beobachtungsbogen. Auf dem sind zehn verschiedene Kriterien. Zu diesen zehn Überbegriffen gibt es 170 Unterpunkte mit ,gut' oder ,schwach' zu bewerten. Bei den Hauptschiedsrichtern gibt es zusätzlich eine Strafenselektion, in der jede Strafe in vier Punkte eingeteilt wird. Das geht von ,sehr gute Strafe' bis ,unnötiger Pfiff'. Geht natürlich auch andersrum für nicht gegebene Strafen. Alles zusammengefasst ergibt einen Beobachtungsbericht, in dem der Schiedsrichter maximal 100 Punkte erreichen kann. Der Durchschnitt liegt bei circa 75 bis 80 Punkten, unsere Spitzenleute liegen bei circa 88 Punkten. Die Punkte bekommt der Schiedsrichter nicht mitgeteilt, sondern nur die Wertigkeit der Beobachtung. Die ist gegliedert in sehr gut, gut, befriedigend und schwach.“

Im dritten Teil des Interviews wurde das Angebot an z.B. Fantalks gemacht, dass Schiedsrichter dort teilnehmen und mitdiskutieren würden. An wen muss man sich wenden, wenn man einen Schiedsrichter zum Fantalk einladen will?

„Am einfachsten ist es, wenn die Anfragen über die Kontaktadresse auf hockeyref.de oder die der DEL-Ligaleitung gesendet werden. Die werden auf alle Fälle an mich bzw. an Holger Gerstberger, der unser Medienbeauftragter ist, weitergeleitet. “


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