Highchecker oder Tiefflieger?

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Erik Coles Check gegen Arvids Rekis bewegt die Eishockeynation

Vor Beginn der Play offs machte Schiedsrichter-Obmann Holger Gerstberger noch einmal deutlich, dass es in der Entscheidungsrunde um die deutsche Meisterschaft in der DEL nicht mehr der Kompetenz ausländischer Referees aus Russland, Schweden, Tschechien oder der Schweiz bedarf, die zuvor noch in der Punkterrunde im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms zum Einsatz kamen: „Unsere Schiedsrichter bringen alle Fähigkeiten mit!“, betonte Gerstberger nachdrücklich und schloss vorsorglich auch noch NHL-Referees aus.

In vielen Eisstadien sieht man das inzwischen einmal mehr etwas differenzierter als Gerstberger. Nicht etwa die Durchführungsbestimmung für über die Bande geschossene Pucks sorgte dieser Tage für reichlich Gesprächsstoff, was bei der recht individuellen Auslegung durch die Spielleiter häufig genug Veranlassung böte, sondern die Frage wann ein Check fair oder unfair ist. Wohingegen im realen Leben der Unschuldsgrundsatz ein schützenswertes Rechtsgut darstellt, kehrt man diesen Ansatz im deutschen Eishockey derweil nicht nur in einem Punkt um.

Kürzlich reklamierte Hans Zach nach Spiel 2 in Ingolstadt, welches seine Haie gerade mit 0:4 verloren hatten, eine nichtgegebene Spieldauer- oder gar Matchstrafe gegen die Panther. Anlass war ein vergleichsweise harmloser Check eines Ingolstädters gegen einen seiner Schützlinge, der den Ex-Nationaltrainer zur Weißglut brachte und die Leistung von Schiedsrichter Dimmers in Zweifel ziehen ließ. „Schlechter Verlierer.“, dachte man hier noch und schüttelte den Kopf über den grantelnden Tölzer. Laut Zach hieß die ausgegebene Direktive dazumal:

Egal ob Absicht oder nicht – Checks gegen den Kopf und Nacken werden mindestens mit 2 plus 10 Strafminuten, bei Verletzungsfolge mit Spieldauer oder gar Matchstrafe geahndet. Ein Exempel statuierte die DEL am bekannt hitzköpfigen Nürnberger Tomas Martinec, der sich am Hamburger Clayton Young mit einem Stockcheck gegen den Kopf rächte und für sechs Spiele gesperrt wurde. Ein damit vergleichbares Delikt war aber weder in Ingolstadt noch im aktuellsten Fall auszumachen:

Am Gründonnerstag erregte eine Aktion des Berliners Erik Cole die Gemüter. Was war passiert? Kurz vor Ende des ersten Drittels in Spiel 4 der Serie zwischen dem EHC Eisbären Berlin und den Augsburger Panthern lief AEV-Verteidiger Arvids Rekis, verfolgt von EHC-Verteidiger Micki Dupont, mit dem Puck am Schläger Richtung Berliner Drittel. Der Panther-Spieler passte die Hartgummischeibe in leicht geduckter Haltung ins gegnerische Drittel und verfolgte selbstvergessen deren Weg.

Indessen rauschte von der Seite Erik Cole heran und checkte den Augsburger hart aber regelkonform (Arme angelegt, Schläger unten). Bedauerlicher Weise fiel Rekis unkontrolliert aufs Eis und zog sich hierbei eine Gehirnerschütterung zu. Dann jedoch beginnt der Skandal: Hauptschiedsrichter Oswald hatte offensichtlich (wieder einmal) nichts davon mitbekommen und musste erst seine Linesmen konsultieren, um sich vom Geschehen in Kenntnis setzen zu lassen. In der Folge, vermutlich von den heftigst reklamierenden Panthern und deren lautstarken Fans beeindruckt, ließ sich Oswald von erst gar keiner Strafe gegen Cole auf 2 Minuten, über die Zwischenstufe 5+Spieldauer schließlich bis zur Matchstrafe aufschaukeln. Ohne Zweifel war Coles Check heftig, allerdings zielte dieser weder auf den Kopf des Letten, noch traf er ihn, wie es Gerstbergers Kollege im Amt Herr Trainer ausgemacht haben wollte. Der unterstellte Cole gar, eine Verletzung Rekis´ billigend in Kauf genommen zu haben. Erstaunliche Beurteilungsgabe!

Erik Cole ist bekannt als harter aber fairer Checker. Er ist einer jener Spielertypen, die dem Gegner „unter die Haut gehen“ und deshalb unbequem sind. Für Cole war es nicht einfach, sich auf die softere europäische Regelauslegung einzustellen, wie er bereits im Januar gegenüber einer US-amerikanischen Zeitung einräumte: „Hier gibt es einige Jungs, die wirklich gut Schlittschuh laufen können, aber es ist nicht annährend so physisch wie in der NHL. Du kannst drei Spiele spielen, die nicht sehr physisch sind und dann kommt ein Team, welches wirklich checkt und ich kann ´mein Spiel' spielen“. Sollte Cole für seine Aktion über einen längeren Zeitraum in der entscheidenden Saisonphase gesperrt werden, würde das einen möglichen nächsten Playoff-Gegner sicher freuen. 

 Die hiesige Schiedsrichterzunft hat ein Problem mit Coles Spielweise, damit war der Stürmer in der zurückliegenden Punkterunde mehrfach konfrontiert. Oft genug bewerteten die Schiedsrichter nicht die Aktion des Stürmers, sondern deren Ergebnis. So auch diesmal. Nichts desto Trotz ließ sich Cole nicht verbiegen: „Ich versuche so viele Leute wie möglich zu checken, damit ich ´drin´ bleibe.“, wird er im heimatlichen Blatt zitiert. Dass Coles Gegenspieler dagegen nach Duellen mit ihm selten Strafen kassieren, darüber beklagt sich der Eisbären-Stürmer nicht. Dabei hängen oft zwei Gegenspieler an ihm, um seinen immensen Aktionsradius einzuengen. Gegenüber Haken und Halten lassen deutsche Schiedsrichter weit mehr Toleranz walten, obwohl auch diese Verfehlungen konsequenter bestraft werden sollten, da sie ein Eishockeyspiel weit unattraktiver machen als ein sauber gesetzter Hit.

 Wie auch immer. Es wird interessant sein, welche Entscheidung die DEL trifft, wenn der „Fall Cole“ verhandelt wird. Sollte das angedrohte Strafmaß von vier Spielen Sperre aber Bestätigung finden, dann böte es sich an, die DEL-Gesellschafter versammelten sich gleich in der nächsten Woche, um darüber zu befinden, ob Körperkontakt ganz verboten wird. Und wenn man schon mal beisammen sitzt, wäre es sicher eine Überlegung wert, die „verletzungsträchtige“ Hartgummischeibe namens Puck durch einen in jedweder Hinsicht umweltfreundlichen Schwamm zu ersetzen. „Eishockey light – Made in Germany“ wäre perfekt - die Vertreter der DIN-Kommission würde es freuen!

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