Heimklatsche zum AbschiedIngolstadt – Krefeld 2:7

Lesedauer: ca. 4 Minuten

„Ich weiß nicht, wie Krefeld uns noch schlagen will“, zeigte sich ERC-Keeper Markus Janka nach dem 2:1 bei den Seidenstädtern selbstbewusst und wünschte dem Gegner für dessen Sechsstunden-Tour an die Donau „viel Spaß!“. Und Spaß hatten sie dann auch, die Pinguine. Vielleicht noch nicht während der Anreise, aber sicher auf der Heimfahrt. 7:2 bezwang das Team von Cheftrainer Rick Adduono die Panther – was für eine Klatsche für die Gastgeber, die sicher nicht mit so einem Abgang gerechnet hatten. Doch am Ende war klar: „Krefeld war besser“, erkannte Ingolstadts Sportdirektor Jim Boni.

Noch alles offen

Schon zu Beginn der Partie waren es die Gäste, die den Puck beherrschten – jedoch zunächst ohne Torchance. Francois Methot schoss als erster auf Markus Janka, aber nicht der 34-jährige Center, sondern Teamkollege Kevin Clark brachte die Pinguine in Führung (6.). Nach den ersten Strafen gegen beide Mannschaften kam dann auch der ERC besser ins Spiel und einige Male gefährlich vor Tomas Duba. In Überzahl schafften es die Panther jedoch nicht, weiter Druck aufzubauen. Stattdessen hatten die Krefelder, unter anderem durch einen Angriff von Daniel Pietta in Unterzahl, immer wieder das 2:0 auf dem Schläger. Doch was die Seidenstädter versäumten, nutzten die Ingolstädter nach einem Konter und glichen aus. Torschütze: Thomas Greilinger (16.). Somit war die Partie zur Pause wieder offen.

Pinguine feiern Torfestival

Die Panther wurden bissiger in einem immer hitziger werdenden Play-off-Match, so dass auch die nächsten Strafen nicht lange auf sich warten ließen. Diesmal waren es Kyle Sonnenburg und Sinan Akdag, die für Krefeld in die Kühlbox mussten und damit Ingolstadts Derek Hahn den Weg zum 2:1 ebneten (24.). Die Panther und ihre Fans jubelten – nicht ahnend, was für eine Torflut bald auf sie einbrechen würde. Nach acht Minuten voller Kampfgeist auf beiden Seiten fuhr Daniel Pietta alleine auf Markus Janka zu, was Jeff Likens nicht zuließ und den KEV-Stürmer zu Fall brachte: Penalty! Zunächst noch unklar, ob die Scheibe die Torlinie überquert hatte oder nicht, entschieden die Unparteiischen nach einem Videobeweis schließlich auf Tor (32.) – ein Ausgleichstreffer, der das Krefelder Torfeuerwerk zündete.

Denn innerhalb der nächsten fünf Minuten schossen sich die Pinguine so auf Markus Janka ein, dass ihm Hören und Sehen hätte vergehen können. Erst traf Francois Methot zum 3:2 (33.), nur 23 Sekunden später lupfte Boris Blank die Scheibe in hohem Bogen in das Ingolstädter Tor. „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle“, forderten die KEV-Fans ihr Team auf und die Jungs folgten. Tomas Kurka sorgte für den fünften Treffer der Pinguine (35.), bevor nach einem weiteren Konter der Puck schon wieder über die Ingolstädter Torlinie rutschte. Schütze des 6:2: Kevin Clark zum Zweiten (37.)

„Servus“ Ian Gordon

Die Heimmannschaft war nun völlig von der Rolle und erkannte, dass der Traum Halbfinale wohl geplatzt sei. Im Schlussabschnitt passierte, bis auf ein paar weitere Strafen (einschließlich einer zehnminütigen Disziplinarstrafe gegen Kevin Clark), nicht mehr viel. Während im Mitteldrittel noch die Fäuste flogen, liefen die letzten 20 Minuten weitgehend diszipliniert ab und endeten – nach dem 7:2 durch Daniel Pietta in Überzahl (55.) – mit einem ehrwürdigen „Servus“. Denn nicht nur die Panther verabschiedeten sich am Samstag aus den Play-offs, ERC-Torhüter Ian Gordon beendet nach dieser Saison seine Karriere. „Ian Gordon“ forderten sowohl die Panther- als auch die KEV-Fans. Und so durfte der 37-jährige Deutschkanadier, der drei Jahre lang den Ingolstädter Kasten hütete, noch einmal auflaufen. „Respekt“, freute sich der Goalie über die nette Geste auf den Rängen. Am Spielstand änderte sich in den letzten beiden Minuten nichts mehr.

Weitere Stimmen zum Spiel:

Herberts Vasiljevs (Krefeld Pinguine):

„Es war heute ein enges Spiel. Beide Mannschaften haben positiv angefangen. Doch so viele Tore in so kurzer Zeit zu verkraften, war für Ingolstadt schwierig. Und wir haben nichts mehr anbrennen lassen. Wir wollten den Sack schon am Donnerstag zumachen, was nicht geklappt hat. Aber denken bringt nichts, wir spielen einfach. Es wird auch gegen Berlin nicht einfacher, im Gegenteil. Doch wir sind immer noch das Überraschungsteam, das mit Siegeswillen und Auswärtsstärke weitergekommen ist. Ich denke unser Vorteil ist, dass uns keiner auf der Rechnung hatte.

Patrick Hager (ERC Ingolstadt):

„Wir waren 2:1 vorne, doch im zweiten Drittel waren wir eine zeitlang im Tiefschlaf und haben Fehler gemacht. Natürlich macht diese Fehler keiner absichtlich, aber in den Play-offs sind solche Kleinigkeiten eben entscheidend. Jetzt im Nachhinein ist es auch schwierig, das Ganze genauer zu analysieren. Und für ein allgemeines Saison-Fazit ist es noch zu früh. Sicher hatten wir höhere Erwartungen, auch in den Play-offs. Aber wir haben die Serie verloren und müssen jetzt erst einmal runterkommen.“

Daniel Pietta (Krefeld Pinguine):

„Nach dem 2:2 waren die Panther von der Rolle und wir haben einfach dreckige Tore gemacht. Bislang haben wir uns nur mit Ingolstadt beschäftigt, doch nun warten die Berliner, deren Stärken und Schwächen wir jetzt herausfinden müssen. Die Stärke unserer Mannschaft ist jedenfalls, dass sie bereit ist. Sie gibt alles und kämpft sich durch jede Situation. Der Charakter des Teams stimmt einfach.“

Jim Boni (Sportdirektor, ERC Ingolstadt):

„Nach diesen drei Toren innerhalb einer Minute waren die Jungs geschockt. Zuvor hatten sie ja noch 2:1 geführt. Nach dem 2:2 haben sie dann aber nur noch kraftlos agiert. Natürlich hatten sie auch diesmal wieder genügend Torchancen, die nicht genutzt wurden. Das 3:1 wäre so gesehen der Knackpunkt gewesen. Es ist aber keine Schande, gegen ein Überraschungsteam wie Krefeld zu verlieren. Doch jetzt brauche ich erst einmal drei bis vier Tage Abstand.“


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