Heimatlied und HüttengaudiDas Eisbären-Lied der Puhdys

Die Puhdys und Jürgen Drews (Dritter von rechts), der das Lied einige Jahre später eine eigene Coverversion davon aufnahm. (Foto: Imago)Die Puhdys und Jürgen Drews (Dritter von rechts), der das Lied einige Jahre später eine eigene Coverversion davon aufnahm. (Foto: Imago)
Lesedauer: ca. 8 Minuten

Dieser Text erschien am 14.März 2016 im Berliner Tagesspiegel. Autor und Freund der Hockeyweb-Redaktion Claus Vetter hat ihn uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die Sportredaktion des Tagesspiegels informiert in ihrem Live-Blog über alle Themen rund um die Eisbären Berlin. Ihr findet den Live-Blog hier! (Link)

Der Moment hat etwas Warmes und Einfaches. Er wärmt einfach. „Unser Leben wär’ so leer ohne Bärn. Wir haben die Eisbären so gern.“ 14.000 Menschen stehen auf, klatschen, singen ihre Hymne, die getragen von krachendem E-Gitarrensound auf ihren Refrain-Höhepunkt zusteuert. „Hey, wir wollen die Eisbären sehn’!“ Der Text holpert altmodisch, doch gerade deshalb ist seine Eindringlichkeit bestechend. Woche für Woche tritt der Eisbären-Zuschauer-Chor auf, gibt es das Ritual in der Arena in Friedrichshain. Vor jedem Heimspiel des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In 20 Jahren wurde der Song der Puhdys zum Markenzeichen der Eisbären. In 17 Sprachen wurde er übersetzt, Dynamo Moskau hat ihn zuerst als Klubhymne geklaut, bevor andere ihn kopierten. In England, Russland, Holland, überall. Klubs wollten das Lied kaufen und umdichten – Schalke und Borussia Dortmund waren darunter. Und für die Puhdys ist das Eisbären-Lied ihr größter Hit nach der Wende geworden. Auf ihrer Abschiedstournee spielten sie es als Zugabe.

So ganz verstehen kann der Manager der Alt-Rocker das Phänomen dieses Lieds nicht. Rolf Henning sagt: An sich war der Song nur eine kleine Auftragsarbeit, Dieter Birr, Puhdys-Frontmann mit dem Künstlernamen „Maschine“ hat sie auf dem Weg von Magdeburg nach Berlin im Bus komponiert. Hat ja auch die Faszination des Flüchtigen, der Text: „Jeder denkt, was jeder hier weiß, ohohohohoh, so bärenstark und voll Energie, ohohohohoh, so war’n sie, so war’n die Eisbären noch nie.“ Doch aus diesem Nebenbei-Produkt wurde die populärste Sporthymne des Landes. Ein Langzeit-Hit, der sich auch ein Stück von den Eisbären emanzipiert hat und dessen viele Coverversionen von Kitzbühel bis Mallorca das Partyvolk grölen lassen.

Der Weg dahin war lang. Fast wäre das Lied nicht erschienen, wäre die Idee von 1996 nicht zu so einem Erfolg geworden.

Damals kam der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Eisbären, Rudi Simon, mit seinem Berliner Nachbarn Dieter Birr ins Gespräch. „Wollen wir da nicht mal etwas versuchen?“, hat Simon gesagt. So eine Art Klubhymne schwebe ihm vor, ein Markenzeichen, wie es andere Vereine auch hätten. Maschine ging zu seinem Manager. „Die Puhdys waren nicht so sportaffin“, erzählt Rolf Henning. Das Gespräch verlief in etwa so: „Eisbären, was machen die denn?“ Henning: Eishockey. So mit dem Schläger und Puck.“ Maschine: „Sind die populär?“ Henning: „Ja, du musst dir das mal anschauen, was da los ist im Wellblechpalast.“ Machte Maschine. Und war begeistert. Der „Spirit“ der Fans, die Stimmung, die Action der Krach, all das habe ihn angesteckt, erinnert sich Martin Müller, damals Generalbevollmächtigter der Eisbären. „Ist ja Wahnsinn“, habe Maschine ihm gesagt.

Martin Müller, der Generalbevollmächtigte, wollte das Lied plötzlich nicht

Wenige Tage später war eine erste Demo-Version des Eisbären-Songs fertig – und Martin Müller wollte das ganze kippen. 50.000 Mark sollte die Auftragsarbeit kosten. Der Klub war noch kein Unternehmen eines Milliardärs aus den USA. Müller sagt: „Es war ja immer angespannt bei uns. Wie sollten wir das refinanzieren? Aus heutiger Sicht war das mit dem Song richtig, ohne Wenn und Aber, doch wenn Du davor stehst.“

Martin Müller hörte sich mit Maschine und Manager Henning das Demo an und fand „die Nummer auf Anhieb stark“. Fehlten nur noch die Stadiongeräusche, die Fans im Hintergrund. Es gab einen Aufruf und prompt kamen 400 Fans an einem Mittwochnachmittag in den Wellblechpalast und sangen mit – den Refrain. An sich ist das Lied vor allem Refrain, sagt Henning. „Und zwar so einer, den man beim ersten Mal mitsingen kann.“

Das ist wichtig, wichtig ist aber auch der Bezug der Fans zum Stück. „Es ist unser Lied“, sagt Eventprofi Volker Goede. Er arbeitet bei den Heimspielen seit Jahren am Entertainment rund um das Spiel. Die Nummer spielen die Eisbären inzwischen zwei Mal am Spieltag, vor dem Spiel und meist bei der Ehrenrunde. Goede sagt: „Die Hymne ist maßgeblich an unserem Erfolg beteiligt und hat uns auch überregional viel Zuspruch gebracht.“

Das Lied ist gewandert. Von Berlin in den „Party- und Diskoalltag“, wie Goede sagt – und zurück. 1997 haben es die Puhdys mit Vollplayback im Wellblechpalast vorgestellt, vor einem Heimspiel. Der damalige Manager Lorenz Funk hatte etwas dagegen. „Eishockeyspieler sind wie Rennpferde“, sagte er damals zu Martin Müller. „Die wollen sofort raus und spielen.“ Die Puhdys durften dann aber auch spielen, die Resonanz war an sich gut, aber auch nicht überwältigend. Eine Klubhymne wurde das „Eisbären-Lied“ erst mit Verspätung.

Drei, vier Jahre nach der Premiere im Wellblechpalast: Rolf Henning ist im Skiurlaub in Tirol, sitzt abends in der Hütte und auf einmal läuft das Eisbären-Lied. „Alle Leute singen mit auf der Hütte, nur wen ich nicht höre, ist Maschine.“ Henning wusste: Das ist ein Hit. Irgendeine Band hatte die Nummer gecovert, das war aber auch schon egal. Die Puhdys nahmen den Song, der sich bis dahin gut im unteren fünfstelligen Bereich verkauft hatte, auf ihr neues Album. Zuvor hatten die Eisbären um die 30.000 Tonträger mit dem Stück verkauft, die Puhdys 20.000. Das war nicht schlecht, aber nun „begann der Run“, sagt Henning.

Schalke, Dortmund, zwei Eishockeyklubs, zwei aus dem Basketball, zwei aus dem Handball und noch ein Fußballklub aus London: „Die alle wollten das Lied kaufen.“ Die Puhdys hätten es jedoch umdichten müssen. Doch in Dortmund auf dem Rasen stehen und dann pfeifen ein paar Zuschauer und du kannst die Nummer vergessen? Die Puhdys diskutierten es, Maschine sagte: „Machen wir einen Ausverkauf? Oder lassen wir es da, wo es ist. In Berlin?“

Borussia Dortmund und Schalke 04 holten sich einen Korb

Das Lied blieb also in Berlin und wurde erfolgreicher denn je. Auch wenn es sich längst von den Eisbären emanzipiert hatte. Nicht jeder, der es im Bierkönig auf Mallorca grölt, weiß, wer die Eisbären sind. Nicht einmal Jürgen Drews wusste das, als er vor ein paar Jahren das Stück mit den Puhdys neu aufnahm. Der Schlagerbarde sagte auf einer Pressekonferenz, dass er es toll finde, dass die Puhdys ein Lied für vom Aussterben bedrohte Tiere geschrieben hätten. Bevor Drews zu peinlich wurde, pfiff ihn Maschine zurück: „Nee Jürgen, das war anders.“ Heute gehört das Eisbären-Lied auch fest zum Repertoire von Drews. Die Puhdys verdienen daran als Autoren, an vielen anderen Versionen allerdings nicht. Sie haben es aufgeben, nach den Versionen zu fahnden. „Das wären Anwaltskosten ohne Ende“, sagt ihr Manager. Was soll es also, sollen sie doch von Amsterdam bis Moskau glücklich werden mit ihren Derivaten. Das Original schlägt alle.

Warum nur ist das Lied 20 Jahre lang so erfolgreich? Rolf Henning glaubt, dass alles gepasst hat. Der Text taugt „A zum Hit und kommt B bei den Fans an“. Und ist „C nicht nach dem zehnmal spielen im Stadion abgewählt worden“. So etwas passiert mit vielen gut gemeinten Sporthymnen, Fans sind sensibel, ein Song muss sie mitnehmen, muss in ihr Gefühl passen. Die Puhdys wissen das. Ihre Hansa-Rostock-Hymne „FC Hansa Rostock“ hat immerhin regional überlebt, das Lied für den 1. FC Union kam nicht so weit. Dabei hatte Maschine damals bei der Präsentation der Nummer im Stadion An der Alten Försterei gesagt: „Hansa Rostock und die Eisbären, das waren Auftragsarbeiten. Union war uns eine Herzensangelegenheit.“

Die Stadionhymne für den 1. FC Union funktionierte nicht - die Fans pfiffen

Die Union-Hymne wurde einmal gespielt und verschwand dann. Der Test vor den Fans fiel durch, es gab Pfiffe im Stadion. Das war’s. „Wir hatten nicht nachgedacht Union und Dynamo – wir hatten gar keine Chance“, sagt Manager Henning. Dynamo hieß der Vorgängerverein der Eisbären – er spielt allerdings im Puhdys-Stück keine Rolle. Dynamo hätte es wohl auch kaum bis zum Ballermann geschafft. Trotzdem sei in Berlin auch mal eine andere Hymne für die Eisbären im Gespräch gewesen, sagt Müller. „Es gab viele Ideen, oft kam einer mit einer neuen an.“ Es sei immer mal wieder vorsichtig versucht worden, eine neue Hymne unters Volk zu bringen. „Einmal wurden sogar zwei Produzenten beauftragt.“

Das Eisbären-Lied nicht mehr spielen? Undenkbar. Volker Goede sagt: „Nein, das steht nicht zur Debatte. Die Hymne kann man nicht ablösen, das sind wir. Die ist zu stark.“ Zum 20. Jubiläum der Veröffentlichung der Single soll das Lied bei den Eisbären mit einem Motto-Spieltag gefeiert werden, etwa mit verschiedene Versionen einem Spieltag im Zeichen der „Könige auf dem ewigen Eis“, wie es im Lied auch heißt. Man sei da noch in den Planungen, sagt Goede.

Den Eisbären hilft die Puhdys–Nummer weiter, Hertha BSC hilft die Frank-Zander-Nummer nicht weiter. „Nur nach Hause (geh’n wir nicht)“, „Stern des Südens“ beim FC Bayern oder Lotto King Karl beim HSV – alles stark an den Klub gebundene Berühmtheiten. Das Eisbären-Lied hat ein bisschen Heimatgefühl in die schicke neue Zeit in der Arena am Ostbahnhof transportiert. Rolf Henning sagt: „Der Wellblechpalast war schon etwas Besonderes. Heute sind die Eisbären ein Event.“ Er geht jetzt trotzdem lieber in die neue Arena, sagt er. Vier Minuten und 19 Sekunden Heimatgefühl reichen, so lang ist das Eisbären-Lied.

Der Publikumsliebling verlängert
T.J. Trevelyan bleibt ein Augsburger Panther

​Der Publikumsliebling bleibt an Bord: Stürmer T.J. Trevelyan geht auch in der Saison 2020-2021 für die Augsburger Panther in der Deutschen Eishockey Liga auf Toreja...

Hadraschek und Pfaffengut verlängern um zwei Jahre
Deutsches Duo bleibt bei den Schwenninger Wild Wings

​Die Schwenninger Wild Wings haben mit den deutschen Stürmern Maximilian Hadraschek und Daniel Pfaffengut verlängert. ...

U20-Nationaltorhüter verlässt die Hannover Scorpions
Adler Mannheim vergeben Förderlizenz von Florian Mnich an VER Selb

Florian Mnich wird ab sofort für den VER Selb in der Oberliga auflaufen. Der 20-jährige Schlussmann erhält eine Förderlizenz für den Drittligisten. Gleichzeitig wurd...

Hockeyweb präsentiert die Highlights aus Woche 17!
Die Top 10 der DEL im Video

Tolle Verteidigungsaktionen, wahnsinnige Paraden und natürlich schöne Tore gibt es bei uns wöchentlich in den Top 10 Highlights der DEL zu sehen....

Der Schwede ersetzt Dimitri Pätzold
Oskar Östlund wird neuer Torhüter der Krefeld Pinguine

Die Krefeld Pinguine haben eine Veränderung auf der Torhüterposition vorgenommen. Aus privaten Gründen kehrt Dimitri Pätzold zu seiner Familie nach Bayern zurück....

Eishockey und Basketball am selben Tag
DEL-Spiel zwischen Eisbären Berlin und Adler Mannheim vorverlegt

Das Meisterschaftsspiel zwischen den Eisbären Berlin und den Adler Mannheim (16.02.20) wird bereits um 13.15 Uhr stattfinden. Ursprüngliche Bullyzeit war 14.00 Uhr....

25-jähriger Stürmer kommt zur nächsten Saison
Grizzlys Wolfsburg verpflichten Phil Hungerecker

Die Grizzlys Wolfsburg arbeiten frühzeitig am Kader für die kommende Spielzeit: Mit Stürmer Phil Hungerecker (25) wird ein gebürtiger Niedersachse zurück in die Nähe...

Starker Endras mit Shutout bei 4:0-Sieg
Mannheim erkämpft Sieg gegen Augsburg

Adler Mannheim gewinnen Heimspiel gegen Augsburg mit 4:0 und bleiben an Spitzenreiter Red Bull München dran. Nicolas Krämmer erzielt ein Tor und bereitet zwei weiter...

Mannheimer Revanche
Deutliche Niederlage für die Krefeld Pinguine

​In der DEL kassierten die Krefeld Pinguine eine deutliche 1:6 (0:2, 0:3, 1:1)-Niederlage gegen die Adler Mannheim. ...

Ersatz für Ville Koistinen
Steven Seigo wechselt zum ERC Ingolstadt

Der 29-Jährige Kanadier kommt vom finnischen Erstligisten Vaasan Sport an die Donau und verfügt bereits über DEL-Erfahrung....

Erlöse für Eltern-Kind-Projekt e.V.
Planegger Freiluftderby Männer gegen Frauen geht in dritte Runde

​Kann ein Eishockeyspiel spannend sein, bei dem die Nummer 1 schon vor dem Spiel feststeht? Für das dritte Derby zwischen dem dem Frauen-Bundesligisten ESC Planegg u...

Finne kehrt in sein Heimatland zurück
Ville Koistinen verlässt den ERC Ingolstadt

Der ERC Ingolstadt und Ville Koistinen haben sich in beidseitigem Einvernehmen auf eine sofortige Vertragsauflösung geeinigt....

DEL Hauptrunde

Donnerstag 23.01.2020
Kölner Haie Köln
- : -
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
Freitag 24.01.2020
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
Fischtown Pinguins Bremerhaven
Krefeld Pinguine Krefeld
- : -
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Augsburger Panther Augsburg
- : -
Düsseldorfer EG Düsseldorf
Iserlohn Roosters Iserlohn
- : -
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Straubing Tigers Straubing
- : -
Adler Mannheim Mannheim
EHC Red Bull München München
- : -
Eisbären Berlin Berlin
Sonntag 26.01.2020
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
- : -
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Düsseldorfer EG Düsseldorf
- : -
Iserlohn Roosters Iserlohn
Fischtown Pinguins Bremerhaven
- : -
Krefeld Pinguine Krefeld
Adler Mannheim Mannheim
- : -
Kölner Haie Köln
Augsburger Panther Augsburg
- : -
Straubing Tigers Straubing
Eisbären Berlin Berlin
- : -
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
- : -
EHC Red Bull München München
Jetzt die Hockeyweb-App laden!
lll▷ Mit Top Quoten auf die DEL wetten!
DEL Wetten bei den besten Wettanbietern

Aktuelle Online Eishockey DEL Sportwetten News mit Quoten & Tipps. Den besten Eishockey DEL Wettbonus suchen & finden
Aktuelle Wettangebote für die DEL