Hauptsache gewonnenMannheim – Wolfsburg 3:2

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Chancen hatten die Gastgeber vor allem im ersten Drittel für zwei Spiele und gefühlt mindestens acht Tore, aber entweder scheiterten sie an Wolfsburgs Torhüter Sebastian Vogl, an der vielbeinigen Grizzlys-Abwehr oder an sich selbst. Die Adler zeigten schöne Kombinationen, schlossen auch relativ schnell ab, aber das Nachsetzen, der finale Zug zum Tor, war zu selten zu sehen. Wie das auszusehen hat, zeigte die erste Reihe der Wolfsburger um Matt Dzieduszycki, in diesem Fall im ersten Powerplay des Abends mit Norm Milley und Brent Aubin. Die Wolfsburger umkreisten zwar mit viel Dampf das Tor von Dennis Endras und trotz einiger guter Schüsse gelang ihnen kein Treffer. Das funktionierte erst als „Diesel“ einem Schuss hinterherging, eine Unstimmigkeit zwischen einem Adler und Dennis Endras ausnutzte und die Scheibe ins Tor stocherte – „Garbage Goal“ Nummer eins für ihn an diesem Abend in der sechsten Minute. Die Adler zeigten sich erst mal unbeeindruckt, aber mit Fortdauer des Drittels und zahlreichen vergebenen Chancen, spürte man förmlich, wie einige Adler-Spieler anfingen nachzudenken, an die Play-offs des letzten Jahres zum Beispiel. Fortan spielten die Adler mit zwei Gesichtern. Neben den oben beschriebenen guten Spielzügen kamen sie im Spielaufbau mit der Spielweise der Wolfsburger oft nicht zurecht. Diese griffen früh mit allen Spielern an, blockierten vor allem die Mitte des Spielfelds und störten damit die neu erlangte Spielkultur der Adler in puncto Spielaufbau empfindlich. Anstatt auf die dadurch freien Zonen des Eises auszuweichen, wurde der Puck einige Male dahin gespielt, wo sich die meisten Spieler aufhielten oder der scheibenführende Spieler hatte auf der Suche nach dem Mitspieler zu lange den Puck und zu wenig Speed, die Folge waren viele Puckverluste und damit einige überfallartige Angriffe der Grizzlies.

Zum Glück für die Adler ist aber im Moment wohl nur die Reihe um Dzieduszycki in der Lage, den richtigen Druck aufs gegnerische Tor zu entwickeln, will heißen die Scheibe Richtung Tor, dann  im Pulk hinterher und um jeden Millimeter kämpfen – turbulente Szenen dieser Art gab es genug vor Dennis Endras durch diese Reihe gestern Abend. Die restlichen Formationen beschäftigten die Adler wohl, aber richtig gefährlich waren sie nicht.

In der 27. Minute erlösten sich die Adler dann selbst. Zwei Adler-Spieler bildeten vor Sebastian Vogl mit ihren Gegenspielern zusammen einen Pulk, der dem Grizzlys-Torhüter jegliche Sicht nahm, Marcus Kink nutzte das und traf auf Zuspiel von Dennis Reul von der blauen Linie. Zehn Minuten später wurde der unbedingte geradlinige Zug zum Tor erneut belohnt. Marcus Kink tankte sich in der neutralen Zone zwischen zwei Gegnern durch und konnte nur regelwidrig gestoppt werden.

Den fälligen Penalty versenkte er in bester Jochen-Hecht-Manier: kurz antäuschen, überziehen und solange warten, bis der reagierende Torhüter fast flach auf dem Boden liegt und dann hoch einschießen. Bleibt zu erwähnen, dass der immer besser agierende Simone Gamache durch seine Spielübersicht beide Tore mit einleitete. Er sorgt in der „Mit-Volldampf-geradeaus-Reihe“ Kink / Buchwieser für den belebenden spielerischen Moment. Lange hielt die 2:1-Führung jedoch nicht. In der 40. Minute erzielte wiederum Dzieduszycki den Ausgleich. Ein Treffer mit Ansage. Die Adler konnten den Puck nicht klären, agierten für Minuten wie in Schockstarre, die Grizzlys bildeten den von den Adlern zugelassenen üblichen Verkehr vor dem Tor von Dennis Endras, aus dem heraus erzielte Diesel sein zweites „Garbage Goal“ des Abends.

Das letzte Drittel wurde geprägt von dem Motto: wir machen den ersten Fehler nicht, man neutralisierte sich bei fünf gegen fünf. Da half den Adlern das vierte und letzte Powerplay des Abends. Jochen Hecht erzielte per Direktabnahme auf  Zuspiel von Mike Vernace den Game Winner zum 3:2. Verdient oder nicht, wird in ein paar Tagen niemand mehr interessieren, fürs Ego der Adler Spieler, die das Play-off-Aus der letzten Saison mitgestalteten, ist dieser Sieg mindestens genauso wertvoll, wie die drei Punkte für den Platz in der Tabelle.


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