Hamburg Freezers: Sportlich im Soll, doch die Zukunft ist ungewiss

Hamburg Freezers „frieren Pinguine ein“Hamburg Freezers „frieren Pinguine ein“
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Trotz zweier Niederlagen in den letzten beiden Spielen behaupten die Hamburg Freezers nach wie vor den dritten Platz in der DEL. Zwar ist der Vorsprung auf den Neunten ein wenig geschmolzen, das Team besitzt allerdings soviel Potential, dass das Erreichen der Playoffs kein Thema sein dürfte.



Trotzdem machte sich in den letzten Wochen sowohl in der Mannschaft als auch bei den Fans eine gewisse Unruhe breit. Es wurde zwar nie offiziell bestätigt, aber es scheint festzustehen, dass der Kapitän und langjährige Leistungsträger Andrew Schneider die Waterkant in Richtung Düsseldorf verlassen wird. Trainer Dave King, der selbst immer noch in Mannheim als Nachfolger des zurückgetretenen Bill Stewart gehandelt wird (Nachwuchscoach Helmut de Raaf trainiert das DEL-Team vorerst nur bis zum Ende der Saison), verriet kürzlich der kanadischen Zeitung „Globe and Mail“: „Eine Reihe meiner Spieler hat bereits für nächste Saison bei anderen Teams unterschrieben. So etwas habe ich noch nicht erlebt. In der NHL wäre das undenkbar.“ Um welche Spieler es sich dabei handelt, konnte oder wollte er allerdings nicht sagen. Sicher ist auf jeden Fall, dass die personellen Planungen der Freezers, im Gegensatz zu vielen DEL-Rivalen, noch nicht sehr weit gediehen sind. Zwar wird Manager Boris Capla nicht müde zu verkünden, dass er den Großteil seiner Mannschaft behalten und einen erneuten Umbruch vermeiden wolle. Gebunden hat er allerdings erst acht Spieler, wobei die Stützen Purdie und Lambert trotz eines Zweijahresvertrages dem Vernehmen nach Hamburg verlassen möchten. Andere Leistungsträger (wie Shane Peacock) haben entweder noch gar kein oder (wie Paul Manning) ein ihrer Meinung nach völlig unzureichendes Angebot erhalten. Peter Abstreiter wird in der halben DEL als Neuzugang gehandelt, während dem zuverlässigen zweiten Mann im Tor, Christian Künast, Heimweh in den Süden nachgesagt wird.



Kein Wunder, dass die Fans in großer Sorge über die Zukunft der Freezers sind, die gerade begonnen haben, Eishockey in der Hamburger Sportwelt als feste Größe neben Fußball und Handball zu etablieren. Und jeder fragt sich natürlich, wie es sein kann, dass etwa die DEG reihenweise Top-Spieler verpflichten kann, während in Hamburg offenbar der große Sparkurs proklamiert wird. Offiziell wurde zu Beginn der Saison vom Management der Freezers verkündet, dass man mit einem Zuschauerschnitt von 9500 kalkulieren würde. Tatsächlich werden es bald (alle restlichen Heimspiele sind ausverkauft!) über 11000 sein, und ein Hauptsponsor hat sich nach langer Suche auch gefunden. Trotzdem wird an allen Ecken und Enden gespart: Zu den Auswärtsspielen reist man nach Möglichkeit mit der Bahn statt mit dem Flugzeug, die Spieler müssen ihre Wohnung selbst bezahlen und erhalten noch dazu drastisch reduzierte Vertragsangebote.



Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln und das Management erklärt den finanziellen Bereich zur geheimen Kommandosache. Kein Wunder, dass die Spekulationen kein Ende nehmen: Was verbirgt sich hinter den 2,7 Mio. Euro Verwaltungskosten? Will Anschutz, der Eigner der Freezers und der Berliner Eisbären, nach verlustreichen Jahren in München, Berlin und Hamburg endlich Gewinne sehen? Schließlich ist das Eishockey für die Amerikaner ein knallhartes Geschäft. Werden die Freezers am Ende gar zugunsten der Eisbären, die in Berlin eine ähnliche Multifunktionshalle erhalten wie sie in Hamburg entstanden ist, geopfert? Es wäre schade, wenn die gerade erwachte Eishockeybegeisterung im Norden Deutschlands ein jähes Ende finden würde, nur weil das amerikanische Management andere Strategien verfolgt. Auch im Interesse der gesamten DEL sollten die Freezers alles daran setzten, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu erhalten und das mühsam aufgebaute Vertrauen der Fans nicht zu enttäuschen. (an)