„Halbfinale, Halbfinale, hey, hey!“Nürnberg jubelt, Iserlohn blickt zurück

Lesedauer: ca. 4 Minuten

3:2 (1:0; 2:0; 0:2) bezwangen die Franken am Samstag vor heimischer Kulisse (7.339 Zuschauer) die Iserlohn Roosters, die sich nun in die Sommerpause verabschieden. Des einen Freud, des anderen Leid. So lässt Roosters-Coach Jari Pasanen die Saison schon jetzt Revue passieren, während die „Eistiger“ weiter ihre Krallen wetzen. Doch für wen?

„Wir gewinnen heute.“ Da war sich Ice-Tigers-Fan Oliver sicher. Bis auf das Auftaktspiel am Seilersee hatte der 34-Jährige jede Viertelfinalpartie der Nürnberger vor Ort besucht. Da war es selbstverständlich, dass er beim sechsten Duell mit den Sauerländern nicht fehlen durfte. Endlich „den Sack zumachen!“ Das erwartete der gebürtige Schwabacher von der Mannschaft. Denn so schön ein Arenabesuch für ihn ist: „Ein früherer Halbfinaleinzug am Donnerstag wäre mir lieber gewesen“, gesteht er. Es sollte nicht sein. Stattdessen durften er und seine Fankollegen ihr Team daheim ins Halbfinale peitschen und am Ende feiern.

„Danke Fans“

„Halbfinale, Halbfinale, hey, hey!“, hallte es von den Rängen. Martin Jiranek ist mehr als erleichtert. „Das war ein toller Abend für uns“, atmet er auf. Seine angespannte und ernste Miene hat sich in ein freudiges Lächeln verwandelt. Sehr groß sei der Druck in den letzten Tagen gewesen, erklärt der Nürnberger Sportdirektor. Kein Wunder. Denn auf diesen Erfolgsmoment mussten die Ice Tigers lange warten. Wie ein Fluch lag das Scheitern im Viertelfinale oder dessen Nichterreichen auf dem Verein. Umso größer ist die Freude und Erleichterung nun, nach der Vizemeister-Saison 2007 wieder das Halbfinale erreicht zu haben. Endlich! „Nach so langer Zeit. Das genießen wir jetzt“, freut sich Jiranek, der sich beim Nürnberger Publikum für dessen Unterstützung mit einer Rolle vorwärts und rückwärts auf dem Eis bedankte.

Auch das Team drehte schließlich seine Ehrenrunde, obwohl diese nicht geplant war. „Eigentlich wollten wir sie gar nicht machen“, erklärt Patrick Reimer aus einem einfachen Grund: „Wir wollen noch nicht feiern. Wir haben noch einiges vor“, lautet seine Ansage. Letztendlich ließen es sich die Ice Tigers dann aber nicht nehmen, ihren Fans „dankeschön“ zu sagen. „Sie haben auswärts schon unglaublich Stimmung gemacht. Und hier war es in den Play-offs eine herrliche Kulisse.“ Doch Reimer betont erneut: „Die Reise ist noch nicht zu Ende. Und das war nicht die letzte Ehrenrunde.“                                                                                                               

Abschied tut weh

Ihren letzten Saisonauftritt hatten dagegen die Roosters, die nicht nur beim Gegner einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. „Hut ab vor dieser Mannschaft“, lobt Jari Pasanen seine Truppe, die am Ende noch einmal zeigte, dass sie nicht aufgibt. 3:0 hatten die Gastgeber bis zur 43. Spielminute geführt, als Brooks Macek Keeper Tyler Beskorowany überwinden konnte. Die Roosters-Fans jubelten. Als dann 26 Sekunden vor Schluss der Mann mit der Nummer 17 erneut traf, wurde es noch einmal spannend – zu spannend für die Nürnberger. Während das Heimpublikum um den Sieg bangte, fingen die Sauerländer noch einmal an, zu hoffen. „Ja, das war ein kleiner Nackenschlag“, erinnert sich Ice Tiger Patrick Reimer. Denn am Ende „hat nicht viel gefehlt“, bedauert Jari Pasanen, der mit seinem Team nach dem jüngsten Heimerfolg den Serienausgleich angestrebt hatte. Vergebens.

Ja, „es tut weh“, vor allem nach so einer „tollen Saison“, gesteht Iserlohns Cheftrainer. „Ich glaube, die meisten Experten haben uns nicht mal in den Top Ten gesehen. Dann sind wir Dritter geworden. Da machst du dir natürlich Hoffnungen in den Play-offs, musst aber noch fehlerfreier und defensiv besser spielen. Das hat Nürnberg besser gemacht“, ist der Coach ehrlich. Das Samstagsspiel sei letztendlich auch nicht entscheidend gewesen. „Die Serie haben wir in Spiel drei zu Hause verloren.“

München oder Wolfsburg?

Bedauern in Iserlohn, Warten in Nürnberg – auf den nächsten Gegner! Denn der steht noch nicht fest. Erst das siebte Viertelfinal-Duell zwischen Berlin und Köln am Montag entscheidet, mit wem sich die Franken duellieren müssen. Schaffen es die Eisbären ins Halbfinale, geht es gegen DEL-Hauptrundenmeister München. Gewinnt jedoch Köln die Serie, heißt es: Revanche! Denn mit Wolfsburg haben die Nürnberger noch mindestens eine Rechnung offen. Aber wie heißt es so schön im Play-off-Jargon? Wer Meister werden will, muss jeden schlagen. (Da freut sich das Phrasenschwein.) Also: Auf geht’s!

Endstand der Serie:

Iserlohn 2, Nürnberg 4

Spiel 1: Iserlohn – Nürnberg 4:0
Spiel 2: Nürnberg – Iserlohn 4:2
Spiel 3: Iserlohn – Nürnberg 1:4
Spiel 4: Nürnberg – Iserlohn 7:1
Spiel 5: Iserlohn – Nürnberg 4:2
Spiel 6: Nürnberg – Iserlohn 3:2

Das sechste Spiel im Überblick:

Tore: 1:0 (19.) Pföderl (Foster, Steckel), 2:0 (25.) Foster (Reimer, Reinprecht), 3:0 (33.) Pföderl (Heatley, Beskorowany), 3:1 (43.) Macek (Bassen), 3:2 (60.) Macek (SH1, EA)

Strafen: Nürnberg 8, Iserlohn 10 + Penalty

Schiedsrichter: Rohatsch, Schimm

Zuschauer: 7.339