Haie: Noch viel Klärungsbedarf

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Freunde des Eishockeysports sind schon merkwürdige Menschen. Bei schönstem Sonnenschein halten sie sich in kalten Eishallen auf, um ihre neuen Teams zu begutachten und Fotos zu schießen, ziehen dicke Trikots an und holen sogar den einen oder anderen Schal aus dem Schrank, wenn es zu den ersten Testspielen geht.
Eishockeyjournalisten sind ähnlich bekloppt: Die treffen sich jeweils Anfang August zu Saison-Eröffnungs-Pressekonferenzen und wünschen einander zur Begrüßung ein "frohes neues Jahr", schließlich beginnt die neue Spielzeit jetzt, und nicht etwa Anfang Januar, wenn das übrige Volk Silvester feiert. So ein Blödsinn, mitten in der Saison ein neues Jahr zu beginnen.
Bei den Kölner Haien stellten sich Sportkoordinator Rodion Pauels und Trainer Hans Zach den Fragen der Presse, und Zach präsentierte sich dabei in glänzender Frühform. Denn die KEC-Pressekonferenz entwickelte sich schnell zu einer Hans-Zach-Pressekonferenz. Er sei "einer der ruhigsten Trainer der Liga" erklärte Zach, der keinen Nachteil durch die neue DEL-Regelung erwartet, nachdem das Gebaren der Verantwortlichen auf den Spielerbänken künftig aufmerksamer von den Schiedsrichtern verfolgt werden soll. Zach beklagte sich bitter über eine Aussage von Stefan Trainer, Mitglied das DEL-Schiedsrichterausschusses, der via "Eishockey News" erklärt habe, manche DEL-Coaches hätten Hans Zach auf einer Sitzung für sein Verhalten hinter der Bande gerügt. "Das ist eine Lüge, die Sitzung war vollkommen harmonisch", erklärte Zach. Auch das Thema "Bundestrainer" kam nochmals auf den Tisch, Zach erhofft von seinem Ausscheiden aus der Doppelfunktion eine Erleichterung für den KEC. "Es hieß immer, ich würde Spieler mit Versprechungen für die Nationalmannschaft zum KEC locken. Das hat es nicht ein einziges Mal gegeben, die Spieler haben doch alle Agenten, die bestimmen, wo ihre Klienten spielen."
Offensichtlich gab und gibt es immer noch vieles aus der vergangenen Saison aufzuarbeiten, die aktuelle Situation bei den Haien geriet dadurch ein wenig in den Hintergrund. Dabei interessiert sich das zahlende Publikum doch viel mehr für die Frage, mit welchen sportlichen Erwartungen und welchem Personal ihr Team in die neue Saison gehen kann. Das neue Team wird wohl in seiner jetzigen Aufstellung in die neue Saison gehen, denn niemand kann derzeit sagen, ob Nationalverteidiger Dennis Seidenberg im Fall eines NHL-Lockouts zu den Haien kommt bzw. kommen darf. "Sein Status ist ungeklärt, wegen einer NHL-Klausel ist die Situation sehr vertrackt", erklärte Rodion Pauels. "Finanziell wäre seine Verpflichtung machbar." Sollte Dennis Seidenberg nicht für die Haie spielen können, will man noch einen ausländischen Verteidiger holen. Doch auch hier gestaltet sich die Suche schwierig. "In den Scouting Reports stehen nur positive Floskeln über die Spieler, da kann man nicht ersehen, ob er charakterlich in unser Team passen würde oder nicht", erklärte Hans Zach. Andere Trainer/Manager in der DEL umgehen dieses Problem, indem sie im Frühjahr stets nach Übersee fliegen, um sich selbst ein Bild von den Kandidaten zu machen, so hat eben jeder seinen eigenen Stil.
Fazit: Es gibt vor der Saison noch auf allen Ebenen Klärungsbedarf beim KEC. Darüber wird sich niemand Gedanken machen, wenn der sportliche Erfolg da ist. Sollte der Saisonstart allerdings misslingen, könnte den Kölnern eine unruhige Saison ins Haus stehen, zumal die lokale Presse weitaus kritischer wirkt als in den vergangenen Jahren. (Alexander Brandt - Foto: D. Meier)