Groß, stark, NHL-erfahrenTeamcheck: Thomas Sabo Ice Tigers

Die Thomas Sabo Ice Tigers in der DEL-Saison 2015/16: Hinten von links: Mannschaftsärzte Dr. Thomas Hirn, Dr. Thomas Schneider, Physiotherapeut Thomas Schinko, Kyle Klubertanz, Marco Pfleger, Patrick Buzas, Casey Borer, Marcus Weber, Andreas Schwarz, ChriDie Thomas Sabo Ice Tigers in der DEL-Saison 2015/16: Hinten von links: Mannschaftsärzte Dr. Thomas Hirn, Dr. Thomas Schneider, Physiotherapeut Thomas Schinko, Kyle Klubertanz, Marco Pfleger, Patrick Buzas, Casey Borer, Marcus Weber, Andreas Schwarz, Chri
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Die Thomas Sabo Ice Tigers haben zugelegt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Rund 90 Kilogramm bringt der hochgewachsene und NHL-erfahrenste Kader der DEL durchschnittlich auf die Waage. Die Konkurrenz zeigt sich respektvoll: „Ihr seid ganz schön groß geworden“, soll laut Patrick Reimer ein Ligakollege zum Nürnberger Kapitän gesagt haben. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch.

Play-offs! „Das ist unser Hauptziel“, erklärt Martin Jiranek. Denn eines ist sicher: „Wir sind besser aufgestellt als letztes Jahr.“ Durchwachsen war die vergangene Spielzeit. Vor allem auswärts haperte es. Doch letztendlich führte Jiranek, der zum Jahreswechsel Tray Tuomie als Cheftrainer abgelöst hatte, die Nürnberger bis ins Viertelfinale und damit auf den richtigen Weg. Die Saisonvorbereitung zeigte bereits, wohin die Reise der Ice Tigers gehen könnte. Nach zwei Niederlagen beim Straubinger Gäuboden-Cup kamen die Franken in Fahrt und gewannen den Bietigheimer Ice Cup sowie den heimischen Mercedes-Benz Rent Cup. Auch das letzte Testspiel gegen Frankfurt entschieden die Ice Tigers für sich. Martin Jiranek ist mit der Teamleistung zufrieden, hofft aber auf stetige Verbesserung: „Wir wollen jede Woche einen Schritt weiter gehen“, erklärt der 45-Jährige, der zur Saison mit seinem ehemaligen Assistenten Rob Wilson die Rollen getauscht hatte und nun – neben seiner Sportdirektor-Tätigkeit –  als Co-Trainer hinter der Bande steht.

„Sorgenkind“ Jochen Reimer

Zwischen den Pfosten dagegen sollte alles beim Alten bleiben. Doch dann kam die Hiobsbotschaft: Torhüter Jochen Reimer fällt aufgrund einer Hüftoperation voraussichtlich für sechs Monate aus. Ein Schockmoment auch für seinen Bruder: „Er hat sehr hart an sich gearbeitet, war bereit für die Saison und dann kommt wieder so ein Rückschlag“, zeigt sich Patrick Reimer enttäuscht, „doch wir müssen jetzt das Beste aus der Situation machen.“ Und somit wird Back-up-Goalie Andreas Jenike zunächst erneut zur Nummer eins. Der 27-Jährige Keeper hatte seinen Torhüterkollegen bereits in der Vorsaison würdig vertreten, als dieser verletzungsbedingt ausgefallen war. Martin Jiranek erinnert sich: „Andy hat gezeigt, dass er die Rolle sehr gut übernehmen kann.“ Ihm zur Seite stehen wird vorerst Philip Lehr. Eine Dauerlösung wird der gebürtige Berliner jedoch nicht sein. 

Gute Mischung mit Führungspersönlichkeiten

Neben Jochen Reimer geht es für die Franken mit einem weiteren Verletzten ins erste Punktspiel-Wochenende: Mittelstürmer Steven Reinprecht hatte sich im Trainingslager an der Hand verletzt, wird aber laut Jiranek voraussichtlich in drei bis vier Wochen wieder auflaufen können. Vertreten wird der 39-Jährige bis dahin vom US-Amerikaner Matt Murley, der sich „für die kurze Zeit, die er hier ist, sehr gut präsentiert“, findet Patrick Reimer. Für Furore im Angriff sorgen jedoch vor allem drei Neuzugänge, die eine gehörige Portion NHL-Erfahrung mitbringen: David Steckel (456 NHL-Spiele), Colin Fraser (398 NHL-Spiele), der 2010 mit Chicago und 2012 mit den Los Angeles Kings den Stanley Cup gewann, sowie Brandon Segal. Der Kanadier hatte bei seiner Ankunft in Nürnberg 103 NHL-Partien und zwei Calder-Cup-Siege im Gepäck.

Doch Titel und Erfahrung sind nicht alles. Mit den Cracks aus Übersee sind auch wichtige Führungspersönlichkeiten zur Mannschaft gestoßen, während im Gegenzug drei Schlüsselspieler den Verein verließen. Jason Jaspers wechselte nach Iserlohn, Connor James, der zuletzt hinter seinen Erwartungen blieb, läuft nun für die Straubing Tigers auf. Dazu beendete Evan Kaufmann ganz überraschend seine Eishockey-Karriere. Gerade die wichtigen deutschen Akteure wie unter anderem Kapitän Reimer, Yasin Ehliz und Leo Pföderl werden aber weiterhin auf Torjagd gehen.

Ein Blueliner und ein alter Bekannter

Wie der neue Angriff zeigt sich auch die Abwehr der Franken kompakter. Offensiv-Verteidiger Fredrik Eriksson ging nach Köln, Kurtis Foster kam, sah und traf: Mit 169 km/h donnerte er den Puck beim Stars&Skills-Wettbewerb der DEL ins Netz und ließ dabei die Ligakonkurrenz hinter sich. Der Kanadier kommt von Meister Mannheim und ist der vierte Neuzugang mit NHL-Erfahrung (408 Spiele) und ein Defender mit bewiesenen Schlagschuss-Qualitäten. Doch nicht nur seine „Bombe“, wie Patrick Reimer Fosters Schuss nennt, wirkt respekteinflößend. Bei seinen 1,95 Metern und 106 Kilogramm wird sich der eine oder andere Gegner auf dem Eis zweimal überlegen, ob er sich mit Foster anlegt.

Nicht neu, sondern zurück in der Frankenmetropole ist Casey Borer, der für J.T. Wyman kommt. Nach zwei Jahren in Berlin verteidigt der 30-Jährige nun wieder die Nürnberger. Aus seiner Zeit bei den Ice Tigers (Saison 2012/13) ist allerdings nur noch der offensiv starke Marco Nowak übrig. Tim Schüle wechselte im Sommer nach Düsseldorf.

Fazit

Spätestens mit dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Mannheim zeigte sich, was Nürnberg fehlt: eine robuste Mannschaft, die dagegenhalten kann. Martin Jiranek und Rob Wilson hatten das Problem erkannt und handelten. Das Ergebnis: Die Ice Tigers haben mit physisch starken und NHL-erfahrenen Neuzugängen „deutlich an Unterstützung gewonnen“, erklärt Patrick Reimer. „Wir haben in allen Bereichen zugelegt“ und dabei laut Jiranek dank einer etablierten Offensive nicht groß an Laufstärke verloren. Sollte sich dazu Andreas Jenike im Tor gut schlagen und ein starker Ersatz für Jochen Reimer gefunden werden, ist die Play-off-Qualifikation eine sichere Angelegenheit. Und für die Zeit danach sei die Mannschaft laut Jiranek genau die richtige…