Größter Wunsch: Finalteilnahme

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Nachdem im ersten Teil des großen Sommerinterviews mit Marcus Kuhl viel

über die vergangene Saison gesprochen worden ist, geht im zweiten Teil

der Blick nach vorne. Lesen Sie alles über die Erwartungen, den neuen

Trainer und erfahren Sie erste Einschätzungen über die neuen

Adler-Cracks, die ab Ende Juli in Mannheim das Sommertraining aufnehmen

werden. Den ersten Teil des Sommerinterviews mit Marcus Kuhl finden Sie hier.

Welche Erwartungen haben Sie eigentlich an die neue Saison?

Der größte Wunsch ist natürlich mal wieder eine Finalteilnahme. Das

Team ist auch so gebaut, um dieses Ziel anzustreben. Diesem Druck sind

wir nächste Saison ausgesetzt, aber diesen Druck müssen wir auch

aushalten.

Ich erwarte, dass wir in der neuen Saison wieder offensives und

technisch hochwertiges, also attraktives Eishockey spielen. Unser Ziel

wird es sein, den Eisbären, die für mich aufgrund ihrer gewachsenen

Strukturen auch in der neuen Saison der Topfavorit sind, den Titel

streitig zu machen.


Doug Mason wird der neue Adler-Coach, der diese Wünsche in die Tat umsetzen soll. Warum ist die Wahl auf ihn gefallen?

Wir haben, da die Entscheidung Dave Kings, seinen Vertrag nicht zu

verlängern, schon sehr früh gefallen ist, viel Zeit gehabt und diese

auch damit genutzt, mit insgesamt 15 Trainern zu sprechen. In diesen

Interviews hat Doug Mason den mit Abstand besten Eindruck hinterlassen.

Sein Konzept war sehr stimmig, seine emotionale Einstellung

überzeugend, seine Einschätzung des Teams sehr realistisch. Hinzu kam

bei ihm der Vorteil, dass er Land und Liga kennt, mit der Mentalität

vertraut ist und darüber hinaus schon mit Teal Fowler

zusammengearbeitet hat. Beide funken auf derselben Wellenlänge und

verstehen sich sehr gut.


Haben Sie nur mit Trainern mit DEL-Erfahrung gesprochen?

Nein, wir haben auch mit sechs Kandidaten gesprochen, die über

keinerlei Europa-Erfahrung verfügen. Es war am Ende auch eine

grundsätzliche Entscheidung, ob wir das Risiko eingehen und einen Coach

verpflichten, der eine gewisse Eingewöhnungsphase braucht oder eben

einen, der direkt loslegen kann. Wir denken, dass wir mit Doug Mason

eine gute Wahl getroffen haben. Er brennt auf diese neue Aufgabe und

passt mit seiner Art auch sehr gut nach Mannheim.

Lassen Sie uns am Ende noch ein wenig über die einzelnen Spieler

sprechen. Charakterisieren Sie doch die einzelnen Jungs mal ein wenig!

Was für ein Spielertypus ist zum Beispiel Mario Scalzo?

Mario Scalzo ist mit seinen 24 Jahren ein für europäische Verhältnisse

noch sehr junger Verteidiger, dessen Stärken nicht im läuferischen

Bereich liegen, der aber sehr intelligent spielt und einen sehr guten

ersten Pass spielen kann. Seine Entwicklung von den US-Minors über

Österreich in die DEL ist eine kontinuierlich aufsteigende Entwicklung.

Seine Erfahrung im Team Kanada beim Spengler Cup und beim Deutschland

Cup ist auch nicht von der Hand zu weisen. Er ist auf jeden Fall ein

Gewinn für unsere Defensive.


...Andy Hedlund und Jame Pollock?

Beide verfügen über Europa-Erfahrung und beide sind offensiv

ausgerichtet. Jame Pollock, der früher Stürmer gespielt hat, verfügt

über einen sehr guten One-Timer und wird uns ebenso wie Andy Hedlund

gerade im Powerplay von der blauen Linie aus viel weiterhelfen. Darüber

hinaus ist Andy Hedlund ein typischer Führungsspieler, ein Leader, der

ein ganzes Team mitreißen kann.


...Chris Schmidt?

Chris Schmidt ist ein sogenannter Charakterspieler, der sehr ernst- und

gewissenhaft seinen Job verrichtet. Er spielt sehr ruhig und ist

souverän an der Scheibe. Er ist am ehesten mit Sven Butenschön

vergleichbar. Die beiden sind ein wenig das Korrektiv zu den

Offensiv-Defendern Trepanier, Hedlund und Pollock.


Kommen wir zu den Stürmern. Zu Nathan Robinson muss man nicht viel sagen!

Richtig. Wir kennen ihn noch alle aus der Saison 2006/07. Er ist ein

Kreativspieler, dem zuzuschauen oft eine Augenweide ist. Er ist zwar

schwer zu handeln, da er als Künstler gilt, aber außer vielleicht

Düsseldorfs Brandon Reid hat kein anderer Spieler in der DEL solch ein

großes Talent.


...Scott King?

Scott King hat schon bei vielen Teams bewiesen, dass er scoren kann. Er

ist ein sogenannter "skilled sniper, was so viel heißt, dass er nicht

nur scort, sondern auch ein Spiel lesen kann und dadurch immer extrem

gefährlich ist, wenn er auf dem Eis steht und ins gegnerische Drittel

eindringt. Gerade bei Überzahl ist er ein sehr wertvoller Spieler mit

vielen überraschenden Ideen.


...Justin Papineau?

Papineau ist zwischen Nathan Robinson und Francois Methot angesiedelt.

Ein läuferisch und  technisch sehr begabter Spieler. Er hat es zwar in

Übersee, obwohl er ein überdurchschnittlicher Spieler ist, nie

geschafft. Doch das liegt eben daran, dass er von der Anlage ein

Spieler für die erste oder zweite Reihe ist. Da spielen in der NHL

allerdings dann doch nochmal ganz andere Kaliber. In der DEL ist er ein

außerordentlicher Spielertyp, der sich, wie schon erwähnt, irgendwo bei

Robinson und Methot befindet.


Yannic Seidenberg ist ebenfalls schon bekannt in Mannheim.

Ja, Yannic hat als ganz junger Spieler schon in Mannheim gespielt, sich

aber erst in den letzten Jahren richtig weiterentwickelt bis hin zum

gestandenen Nationalspieler. Er ist läuferisch sehr stark, schnell und

für den Gegner ein sehr unangenehmer Spielertypus. Er ist sehr

ehrgeizig und setzt auch seinen Körper sehr gut ein.


Im Tor ersetzt Lukas Lang Danny aus den Birken.

Vom Talent her bewegen sich beide auf einer Ebene, wobei Lukas Lang

mehr Erfahrung mitbringt. Immerhin hat er in Duisburg schon zwei

Saisons regelmäßig in der DEL gespielt. Er wird den Anspruch haben, um

15 Spiele zu absolvieren, was in der kommenden Saison auch

funktionieren sollte.


Und dann werden mit Marc El-Sayed und Matthias Plachta noch zwei Jungadler förderlizensiert.

Richtig. Plachta und El-Sayed sind sicher die zwei besten aus dem

diesjährigen Jungadler-Team, benötigen aber auf jeden Fall noch Praxis

in der 2. Liga bei Heilbronn. Der Sprung in die DEL ist zu groß. Beide

Spieler wissen das, schätzen die Lage realistisch ein und werden das

Lehrjahr annehmen.


Zum Schluss noch eine mehr oder weniger persönliche Frage. Wie würde für Sie eine perfekte Eishockey-Saison aussehen?

So wie die Spielzeiten 1996/97 und 2006/07. In diesen beiden Jahren hat

alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben

offensives, schnelles und attraktives Eishockey gesehen. Wir haben die

wichtigen Last-Minute-Tore erzielt, Overtimes gewonnen, hatten

Leidenschaft, aber auch Kampf. Das waren zwei Saisons ohne eine einzige

Krisensitzung. Einfach perfekt.


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