Gernot Tripcke: "Es gibt kein Patentrezept für das deutsche Eishockey"

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Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vertritt die Interessen der Liga und kennt sich als Jurist mit den geltenden rechtlichen Verhältnissen aus. Im Interview mit Hockeyweb stellte Tripcke klar, was aus seiner Sicht überhaupt machbar ist.

Hockeyweb: „Rodion Pauels, der Sportkoordinator der Kölner Haie, hat ein Thesenpapier zur Neustrukturierung des deutschen Eishockeys vorgelegt, das derzeit intensiv diskutiert wird. Wie ist die Ansicht der DEL zu seinen Thesen?“



Tripcke: „Die Sache selbst kann ich nicht kommentieren, es gibt keine Position der DEL. Die vierzehn Klubs sehen das unterschiedlich, teilweise auch innerhalb der Organisationen, die kaufmännischen Leitungen beispielsweise sehen das anders als die sportlichen Leitungen.“



Hockeyweb: „Wie sieht es denn rechtlich aus, wäre das Konzept angesichts des momentan geltenden Kooperationsvertrages überhaupt umsetzbar?“



Tripcke: „Eine Reduzierung auf 12 Vereine widerspricht dem geltenden Kooperationsvertrag. Natürlich kann man Verträge ändern, aber mit wem soll man darüber verhandeln, wer wird den Kooperationsvertrag ändern wollen? Die zweite Liga möchte noch bis zu zwei Teams in die DEL hinein bekommen, bei einer Änderung des Vertrages im Sinne des Pauels-Konzeptes würde sie aber im Gegenteil noch zwei DEL-Klubs hinzu bekommen. Dazu müsste sie nach unten hinaus vier Klubs an die Oberliga abgeben. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich jemand freiwillig im Sinne des deutschen Eishockeys in eine untere Liga verabschieden wird, in den vergangenen Jahren haben sich die betroffenen Klubs immer mit Händen und Füßen gegen den Abstieg gewehrt. In der Theorie ist das Konzept von Rodion Pauels wunderbar, aber mit dem geltenden Regelwerk und den Interessen der Klubs ist es nicht umzusetzen. Die 14 Gesellschafter der DEL haben Bestandsschutz, da kann man nicht einfach zwei rauswerfen und freiwillig geht niemand.“



Hockeyweb: „Wie steht es mit der Reduzierung der Ausländer-Lizenzen?“



Tripcke: „Bei der Ausländerreduzierung muss man sehr vorsichtig sein. Wie man auch an der Umfrage auf Hockeyweb sehen kann, liegen die Interessen der einzelnen Klubs in diesem Punkt sehr weit auseinander. Unsere Ausländerreduzierung in der DEL beruht auf einem Gentlemen´s Agreement, die ist rechtlich gar nicht haltbar. Wenn da nur einer ausschert, bricht das ganze System zusammen. Daher sollte man aufpassen, dass man nicht zerstört, was man jetzt schon erreicht hat, wir haben immer noch die wenigsten Ausländer aller Profiligen.“



Hockeyweb: „Es besteht zumindest Einigkeit darüber, dass man den Nachwuchs mehr fördern muss. Nach Pauels sollte jeder DEL-Klub 250.000 Euro pro Saison in den Nachwuchs stecken. Ist die Liga damit einverstanden?“



Tripcke: „Nicht jeder DEL-Klub kann 250.000 Euro für den Nachwuchs abgeben. Wenn der Gesamtetat nur 1,5 Millionen beträgt, kann man eine solche Summe nicht aufbringen. Was macht man mit solchen Klubs, dürfen die dann nicht mehr DEL spielen? Und falls jeder 250.000 abgibt, was sollen die Klubs mit dem Geld für den Nachwuchs überhaupt machen? In Duisburg zum Beispiel gibt es gar keine Eisflächen für den Nachwuchs. Es gibt keine Trainer, es gibt keine Schiedsrichter. Die Kölner wollen natürlich, dass jeder Klub soviel Geld ausgibt, damit sie keine Nachteile mehr gegenüber Frankfurt oder Hamburg haben. Der Nachwuchs krankt in Deutschland eher an strukturellen Problemen, weil es bei uns anscheinend nicht möglich ist, Eishallen rentabel zu betreiben. In Dallas zum Beispiel sind in den vergangenen Jahren viele neue Eisflächen und High School Programme entstanden, bei uns geht so was gar nicht, weil unsere Eishallen auf öffentliche Zuschüsse angewiesen sind. Und kein Eishallenbetreiber will Eishockeyteams in seiner Halle haben, die machen ihr Geld mit öffentlichem Eislauf. Die großen Bosse in der DEL wie Anschutz, Göttsch, Schröder, das sind alles Immobilien-Leute. Wenn man mit Eishallen Geld verdienen könnte, würden die überall neue Hallen bauen. Und dann könnten wir in die Breite gehen, Eishockey zum Schulsport machen. Statt dessen verlieren wir immer mehr Eisflächen, der Nachwuchs verteilt sich auf wenige Standorte wie Mannheim, Berlin und Köln, darunter leidet der Wettbewerb, das macht sportlich überhaupt keinen Sinn, auch wenn es nachvollziehbar ist, dass junge Spieler lieber in Mannheim in der vierten Reihe spielen wollen als beispielsweise in Tölz in der ersten und deswegen dort hinziehen.“



Hockeyweb: „Somit bleibt das Konzept nur graue Theorie und es wird sich nichts ändern, obwohl sich alle Beteiligten einig sind, dass sich etwas ändern muss?“



Tripcke: „Das Konzept von Rodion Pauels beschreibt Verhältnisse, die wir irgendwann erreichen wollen, die aber am Ende eines langen Prozesses stehen. Ich weiß, dass dies unbefriedigend klingt, aber es gibt leider kein Patentrezept. Im Moment ist es sehr aufwändig und kostspielig, wenn Eltern ihre Kinder zum Eishockey schicken wollen. Da müssen wir meiner Meinung nach ansetzen, indem wir mehr und mehr Menschen für Eishockey begeistern.“



Interview: Alexander Brandt


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