Gerhard Lichtnecker gibt Einblick hinter die Kulissen (3)Das dritte Team auf dem Eis

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Wenn jemand Schiedsrichter werden will, welche Voraussetzungen sollte er mitbringen?

Gerhard Lichtnecker: „Wir suchen natürlich Nachwuchs, aber das ist ein sehr schwieriges Thema. Der Weg geht grundsätzlich erst über die Landeseissportverbände der Bundesländer. Es melden sich bei uns schon Leute an, die kommen aber teilweise, ohne dass sie Schlittschuhlaufen können. Wo wir viel Nachwuchs suchen, ist in den Vereinen. Wenn dort irgendeiner keiner Lust mehr zum Spielen hat, ist die Tür des Schiedsrichterwesens sehr weit offen. Die Leute, die man auf diesem Weg bekommt, haben eine gewisse Eishockeybiographie, was sehr wünschenswert ist. Und vor allem haben diese Leute das läuferische Potential.“

Wichtig für den Einsteiger ist also, dass er Schlittschuhlaufen kann. Was für menschliche, persönliche Eigenschaften sollte ein Interessent mitbringen?

Gerhard Lichtnecker: „Er braucht ein gewisses Auftreten. Man könnte sagen, er braucht ein gewisses Mindestmaß an Erziehung. Er sollte nicht unbedingt ein Filou sein, sondern schon den Ernst der Lage erkennen. Er muss wissen, auf was er sich einlässt. Auch auf das äußerliche Auftreten legen wir wert. Wir brauchen keine Models in Markenklamotten. Einfach sauber, anständig und in einem unauffälligen Bereich. Wir suchen auch keine Hochschulabsolventen, aber ein gewisses sprachliches Verhalten muss es schon sein, denn letztlich muss er sich auch mit Spielern und Trainern unterhalten und seine Entscheidung gegebenenfalls kurz erläutern. Und am liebsten wäre mir natürlich, er würde das Regelbuch schon in- und auswendig kennen.“

Insgesamt sind das aber sehr hohe Ansprüche.

Gerhard Lichtnecker: „Ja, stimmt, das sind sehr hohe Ansprüche. Wobei die hohen Ansprüche des Regelbuches natürlich erlernbar sind. Darum ist der ehemalige Spieler ja prädestiniert, um seine Laufbahn als Schiedsrichter weiterzuführen. Wir haben viele ehemalige Spieler, auch aus den unteren Ligen. Bestes Beispiel ist hier vielleicht Cori Müns, der ist ehemaliger Oberligaspieler und jetzt Hauptschiedsrichter in der Oberliga. So jemand hat natürlich einen riesigen läuferischen Vorteil. Wobei man sich da auch etwas umstellen muss. Der Laufstiel eines Schiedsrichters ist deutlich aufrechter, als der eines Spielers.Das A und O für einen Einsteiger ist aber, dass er Schlittschuhlaufen kann. Alles andere, also Regelkunde, Kommunikation, Auftreten, Stellungsspiel, Zeichensprache, und, und, und – alles das wird geschult, und das sehr intensiv.“

Angenommen ein 16-Jähriger möchte Schiedsrichter werden. Wo muss er sich melden?

Gerhard Lichtnecker: „Er sollte sich sofort beim jeweiligen Landeseissportverband melden, der dortige Obmann wird ihn sicher zum Neulingslehrgang nennen. Das kostet als Einstiegslehrgang nichts, keine Lehrgangsgebühren, keine Übernachtungskosten. Dort gibt es dann schon die ersten Versuche auf dem Eis. In der ersten Saison wird er dann im Zweimannsystem im Kleinschüler- und Schüler-Bereich seine ersten Gehversuche machen. Außer der ist so gut, so fortgeschritten, dass man ihn schon etwas höherklassig einsetzten kann. Man sieht relativ schnell, wie er das Regelwerk umsetzt und wie er sich damit befasst. Wenn man sich etwas engagiert, hat man sich die Tür für eine Schiedsrichterkarriere bis zum 50. Lebensjahr schon ein gutes Stück aufgemacht. Eigentlich kann ein guter, motivierter Schiedsrichter recht schnell aufsteigen. Wenn er im ersten Jahr im LEV ist und dort einen guten Job macht, und wenn die Beurteilungen passen, dann schicken ihn die LEV-Obleute im nächsten Jahr schon zum DEB.“

Das heißt, man kann schon im zweiten Jahr auf DEB-Ebene pfeifen?

Gerhard Lichtnecker: „Richtig. Man kann auch Ebenen überspringen. Immer unter der Voraussetzung, dass er die entsprechende Lizenz erhält. Das geht los mit der Erstlingslizenz, dann die Landesligalizenz, in Bayern die Bayernligalizenz. Jeder muss jedes Jahr einen Lehrgangstest ablegen, er braucht einen Regeltest und einen Eistest. Dann spielen die Beobachtungsergebnisse eine Rolle. Insgesamt sind das sieben Punkte. Alle diese Bewertungsgrundlagen gehen ins Lizenzierungsprogramm, dieses wirft dann automatisch eine Lizenz aus. Das ist aber in jedem LEV etwas unterschiedlich. Früher gab es eine Stufenhierarchie. Jeder musste drei Jahre in seinem Verband pfeifen, bis er aufsteigen konnte. Davon sind wir inzwischen abgekommen. Wenn man erkennt, dass man einen guten Jungen hat, der sich reinhängt, der eine Perspektive hat und der auch rauf will, dann hat der durchaus die Möglichkeit, Stufen zu überspringen und schon im zweiten Jahr beim DEB zu pfeifen. Wir gehen da inzwischen sehr auf die Schiedsrichter ein. Als Beispiel haben wir Andreas Flad innerhalb von zwei Jahren zum DEB gebracht.“

Wenn er dann beim DEB ist, wie schaut der Werdegang dann dort aus?

Gerhard Lichtnecker: „Auch hier hat jeder die Möglichkeit, sich durch Leistung, Willen und Einsatz für höhere Aufgaben zu empfehlen und eventuell die eine oder andere Hürde etwas früher zu nehmen. Als DEB-Einsteiger fängt man in der Oberliga als Linesman an. Alles immer sehr personenbezogen. Theoretisch kann ein wirklich sehr guter Schiedsrichter, bei dem auch rundherum alles passt, also das, was ich vorhin angesprochen habe, in seiner dritten Saison schon als Linienrichter etwas in die DEL schnuppern. Auch dafür habe ich ein Beispiel. Lars Brüggemann war in der vierten Saison schon in der DEL. Brüggemann ist eigentlich das Paradebeispiel. Er ist eine ehemaliger Spieler, hat ein Riesen-Engagement vom ersten Tag gezeigt, kennt das Regelwerk in- und auswendig, hat ein einwandfreies Auftreten. Er war ein Jahr im LEV Nordrhein-Westfalen und hat dort im ersten Jahr schon als Hauptschiedsrichter gearbeitet. Beim DEB haben wir ihn in seiner ersten Saison in der Oberliga und auch schon in der 2. Liga eingesetzt. Wir haben ihn in seiner dritten Saison schon in der DEL ins Viermannsystem eingeführt. In der vierten Saison war er schon fast ausnahmslos in der DEL. Jetzt hat er in seiner fünften Saison einen Profivertrag, ist fester Bestandteil der DEL und ist jetzt für Weltmeisterschaft nominiert.“

Da sie gerade einen Profischiedsrichter ansprechen, wie stehen sie zu diesem Thema?

Gerhard Lichtnecker: „Wir haben drei Profischiedsrichter und wollen das weiter ausbauen. Wir arbeiten darauf hin, dass wir eine oder zwei zusätzliche Stellen bekommen. Da spielen finanziellen Möglichkeiten entscheidend mit hinein, denn bezahlt sind die Profischiedsrichter durch die Liga über den Verband.“

Zum Schluss würden mich Ihre Wünsche interessieren. Was wünschen Sie sich, dass in der Schiedsrichterei besser werden sollte, was wünschen Sie sich von Berichterstattern und Journalisten und was für Wünsche haben Sie an die Fans?

Gerhard Lichtnecker: „Was bei uns besser werden muss, ist die Kommunikation, in jeder Hinsicht. Auch von uns mit den Medien, zu den Coaches, vor, während und nach dem Spiel und auch mit den Fans. Da müssen wir nachholen. Wir gehen z.B. auch auf Fantalks. Vielleicht kann zu dem gewünschten Zeitpunkt nicht immer derjenige vorbei kommen, den sich die Fans wünschen, aber für solche Sachen sind wir sehr offen und werden Anfragen immer positiv beantworten. Wir wollen die Schulungen unserer Schiedsrichter intensivieren. Und natürlich der Ausbau des Videoportals. An die Medien möchte ich das Angebot machen, kommt doch auch zu unseren Lehrgängen. Zum Beispiel im Dezember sind wieder regional aufgeteilte Zwischenlehrgänge. Dort haben unsere Schiedsrichter Anwesenheitspflicht, und wenn Interesse von Medienseite besteht, sind sie herzlich willkommen. Der Wunsch an die Fans ist einfach ein fairer Umgang mit unseren Schiedsrichtern. Das ist im Vergleich zu der Zeit, als ich selbst noch gepfiffen habe, ohnehin deutlich besser geworden. Meine Bitte ist nur: ,Gebt den Leuten eine Chance‘.“

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DEL Hauptrunde Gruppe

Freitag 26.02.2021
Fischtown Pinguins Bremerhaven
5 : 3
Eisbären Berlin Berlin
Augsburger Panther Augsburg
3 : 6
Straubing Tigers Straubing
Samstag 27.02.2021
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
2 : 1
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Sonntag 28.02.2021
EHC Red Bull München München
- : -
Straubing Tigers Straubing
Iserlohn Roosters Iserlohn
- : -
Düsseldorfer EG Düsseldorf
Krefeld Pinguine Krefeld
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Kölner Haie Köln
Montag 01.03.2021
Adler Mannheim Mannheim
- : -
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
Eisbären Berlin Berlin
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Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Dienstag 02.03.2021
ERC Ingolstadt Ingolstadt
- : -
EHC Red Bull München München
Kölner Haie Köln
- : -
Iserlohn Roosters Iserlohn
Mittwoch 03.03.2021
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
- : -
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
Straubing Tigers Straubing
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Augsburger Panther Augsburg