Gebt Poss eine Chance - Kommentar zum Trainerwechsel in Mannheim

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Er war noch gar nicht richtig da, da meldeten sich Kritiker zu Wort. Greg Poss,

hieß es da, sei nicht der Richtige, was habe er denn in den Play Offs mit Nürnberg

geleistet, was sei aus der Deutschen Nationalmannschaft geworden. Viele, die

eben noch giftig nach der Absetzung von Stephane Richer gerufen hatten,

entdeckten nun plötzlich ihr Herz für den Frankokanadier und wischten sich die

Krokodilstränen öffentlich ab. Der arme, arme Stephane, so das Credo.


Wie lautete das doch noch vor ein paar Tagen: Da hätte man den armen, armen

Stephane am liebsten ohne Wasser in die Wüste geschickt. Dass

Richer Anteilnahme verdient, ist unbestritten. Tatsache ist aber auch, dass die

Adler einen Schnitt machen mussten. Vermutlich hätte man zu Beginn der Saison

dem Neuling einen erfahrenen Coach zur Seite stellen sollen, aber jetzt über

verschüttete Milch zu lamentieren, ist eindeutig zu spät.


Richer wird einen guten Posten angeboten bekommen von den Adlern, das ist mehr,

als viele andere Trainer in ihrer Laufbahn erleben. Dass er eine besondere Rolle

in der Adler-Historie spielt, bleibt auch unbenommen. Aber nun ist Greg Poss an

Bord. Der Mann verdient jede Chance. Ihm Vergangenes vorzuwerfen, ist sicherlich

verständlich, aber es ist auch unfair. Denn bislang hatte Poss noch nicht die

Voraussetzungen wie jetzt in Mannheim. Und auch ein jetzt so hochgelobter

Ex-Bundestrainer Hans Zach musste beim Nationalteam erstmal Lehrgeld bezahlen.

Außerdem heißt es noch lange nicht, dass man nicht gute Arbeit bei einem

Verein leisten könnte, wenn es auf nationaler Ebene nicht so geklappt hat wie

sich das viele wünschten.


Greg Poss ist ein angenehmer Mensch im Umgang, er ist ein harter Trainer und er

ist, wenn man sich auf einige frühere Spieler verlassen kann, ein fairer Mann

den Mannschaften, die er coacht gegenüber. Warum kann man sich nicht einfach

mal freuen, dass bei den Adlern ganz offensichtlich auf Kontinuität gesetzt

wird, dass man junge Deutsche aufbauen möchte? Das bedeutet doch noch lange

keinen Verrat an Stephane Richer. Er hatte seine Chance und aus den

verschiedensten Gründen hat es nicht geklappt. Richer kann man wünschen, dass

er mit dem neuen Posten bei den Adlern zufrieden sein wird - spruchreif ist es

noch nicht - und Greg Poss, dass er es schafft, mit diesem Team bald Erfolge

einzufahren.


Bloß, Wunder darf man nicht erwarten, und ein solches wäre es, wenn die Adler

auf einmal aus heiterem Himmel quasi die Erzfeinde aus Frankfurt überrennen würden.

Obwohl: Wenn Poss und seinen Jungs hier ein Sieg gelingt, dann werden ihm natürlich

auch all jene die Füße küssen, die ihn jetzt am liebsten nach Timbuktu

verbannen möchten. So ist sie, die schöne Eishockeywelt. 

Angelika von Bülow