„Gallisches Dorf“ besiegt WeltstadtStraubing - München 4:0

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Das, was man im ersten Drittel zu sehen bekam, war so nicht zu erwarten. Zwar hatten die Gäste in den ersten zwei Minuten Überlegenheit gezeigt, doch je länger das Drittel dauerte, umso mehr übernahmen die Niederbayern das Kommando, auch durch drei Überzahlsituationen begünstigt. Doch wer hätte nach der ersten Saisonhälfte gedacht, dass man die Tigers mal für ihr Powerplay loben würde? So sagt Larry Mitchell: „Die Jungs haben im ersten Drittel einige Male Gelegenheit gehabt, in Überzahl zu spielen. In der ersten Überzahl haben wir die Scheibe sehr gut laufen lassen und letztendlich ein Tor geschossen. Danach waren wir zu scheibenverliebt.“ Dass es nur bei einem Gegentreffer blieb, konnten die Gäste ihrem Goalie Niklas Treutle verdanken. Allerdings waren die Chancen der Gäste keineswegs ungefährlich. So kommentiert Münchens Uli Maurer: „Wir sind eigentlich schon eine offensivkräftige Mannschaft, das haben wir heute nicht so rübergebracht.“ Straubings Stürmer Marcel Brandt meint: „Ich glaube, dass wir die von Anfang an sehr gut aus dem Spiel genommen haben, dadurch hatten wir Erfolg. Ich glaube, dass unsere Einstellung viel intensiver war.“

Mitchell erzählt über die erste Pause: „Nach dem ersten Drittel habe ich den Jungs gesagt: In einem bin ich mir sicher, wir werden eine Strafe bekommen. Dass es gleich fünf werden, habe ich nicht gedacht. Wir waren einige Male drei gegen fünf. Aber wie es die letzten Spiele war, haben die Jungs wieder Herz gezeigt, Schüsse geblockt und haben den Weg für Dustin frei gemacht. Wenn was durch kam, war Dustin da.“ Ab der 29. Minute kam richtig Spannung auf, denn Straubing nahm mehrere Strafen, sodass die Oberbayern zunächst volle zwei Minuten doppelte Überzahl hatten. Insgesamt waren es 5:10 Minuten Unterzahl am Stück. Straubing spielte jedoch ein lehrbuchhaftes Penaltykilling, sodass München kaum zu Chancen kam. Für die Gäste kam es noch schlimmer. Tobi Wörle fing einen Münchner Querpass ab und hatte urplötzlich ein Solo gegen Treutle, das er zum Shorthander nutzte. Der Pulverturm machte seinem Namen wieder mal alle Ehre und kochte über. München konnte sich gegen aufopferungsvoll kämpfende Hausherren nicht behaupten. Wenn was durchkam, hatten die Hausherren immer noch den Mann des Spieles auf ihrer Seite, denn an Goalie Dustin Strahlmeier kam heute keiner vorbei. Gegen Ende des Drittel hatten auch die Tigers eine doppelte Überzahl, doch diese brachte heute keinem Team Glück. Insgesamt fehlte den Gästen aber auch der letzte Wille, so meint Uli Maurer: „Ich denke, wir waren heute einfach nicht bereit und Straubing hat härter gearbeitet wie wir.“

Somit startete das Schlussdrittel mit einer Zwei-Tore-Führung für „die Gallier“. Doch sie begannen auch „in Unterzahl. Ich denke, dass wir das gekillt haben, war auch ein Schlüssel“, sagte Mitchell. Sein Team verstärkte die Defensive und wartete zeitweise mit fünf Mann auf die anstürmenden „Römer“. Marcel Brandt meint dazu: „In den letzten zehn Minuten haben wir die Scheibe raus gebracht und haben nichts Gefährliches zugelassen.“ Don Jackson in der Rolle des Cäsar nahm Treutle mehr als zwei Minuten vor der Schlusssirene für einen weiteren Stürmer vom Eis. Straubings Coach erinnert sich: „Am Schluss wollte jeder die Null halten. Wir haben 58 Minuten gut gekämpft, aber die letzten zwei Minuten konnten wir nochmal eine Schippe drauflegen. Es freut mich, dass die Mannschaft das machen wollte, dass Dustin sein Zu-Null bekommt.“ Auch Brandt strahlt übers ganze Gesicht und sagt: „Ich bin überglücklich, vor allem freue ich mich sehr für Dustin und seinen ersten Shutout in der DEL.“ Anstelle einer Münchener Aufholjagd machten die Tigers zwei Empty-Net-Tore. Die Fans der roten Bullen nahmen es am Ende mit Humor und verspotteten sich selbst mit: „Wir sind München, asoziales München.“

Red-Bulls-Trainer Don Jacksons Fazit fällt aber eher knapp aus „Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die sehr bereit war und etwas härter und besser als wir war.“ Sein Stürmer Uli Maurer findet Gründe für den Straubinger Sieg in beiden Lagern: „Straubing hat einfach nichts zu verlieren. Die spielen wie ausgewechselt. Die Straubinger können auch Eishockey spielen und machen Sachen, die sie vorher nicht gemacht haben.“ Auch Brandt findet unterschiedliche Gründe. „Die haben nicht so gespielt wie zu Hause in München, das hat man gesehen. Aber wir haben auch ein anderes System gespielt.“ Unterm Strich könnte man also sagen, dass verbesserte Straubinger gegen unerwartet schwächelnde Münchener gewonnen haben. Marcel Brandt findet: „Ich glaube, es ist beides ausschlaggebend.“

Einen Kritikpunkt findet Coach Mitchell dann doch noch. Allerdings nicht bei den Spielern, sondern bei den Unparteiischen. Mitchell sah am Samstag eineinhalb NHL-Spiele und berichtet: „In 90 Minuten sind vier Stürmer vom Bully weggeschickt worden. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, aber in jedem Bully, egal ob gegen Dons Mannschaft oder gegen meine, ist einer weggeschickt worden. Ich glaube nicht, dass die Zuschauer das sehen wollen.  Es muss einen Weg geben, dass man die Scheibe reinschmeißt, um das Spiel flüssig zu halten.“

Für die meisten Tigers sind nun erstmal fünf freie Tage angesetzt. Nur Marcel Brandt wird beim Kooperationspartner ESV Kaufbeuren durchspielen. Manuel Wiederer und Stefan Loibl werden beim Fünf-Nationen-Turnier mit der U19-Nationalmannschaft in Göteborg spielen.

Tore: 1:0 (9.PP) Harrison Reed (Laurent Meunier, Sacha Treille); 2:0 (32.SH) Tobias Wörle; 3:0 (59.EN) Harrison Reed (Tobias Wörle, Jared Gomes); 4:0 (59.EN) Sandro Schönberger (Thomas Brandl , René Röthke).

Schiedsrichter: Sven Fischer, Willi Schimm; Linienrichter: Christian Höck, Pascal Kretschmer
Strafen: Straubing 12; München 14
Zuschauer: 4.728

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