Freezers: Mueller packt die Weihnachtshände aus

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wenn der Tabellenelfte den Spitzenreiter mit 9:3 schlägt,

dann gibt es Erklärungsbedarf. Die nüchternste Aussage nach Spielschluss kam

von Hans Zach: „Wir haben schlecht gegen einen guten Gegner gespielt“, meinte

der Scorpionstrainer gewohnt trocken und fügte hinzu: „Man muss neidlos

anerkennen, dass Hamburg sehr, sehr gut gespielt hat und über 60 Minuten besser

war. Sie waren einfach bissiger und zielstrebiger als wir. Hamburg hat sich

jedes Tor verdient.“

Viel muss man dem eigentlich nicht hinzufügen. Wenn es da

nicht doch noch ein paar bemerkenswerte Geschichten rund um dieses Spiel gäbe.

Zum Beispiel die von Richie Mueller, dem vor dem gegnerischen Tor oft so

glücklosen Hamburger Kufenblitz. Als der Deutsch-Kanadier am 26. Dezember gegen

die Eisbären aus Berlin (6:1) an gleicher Stelle gleich vier Treffer markierte,

staunte er selber: „Da habe ich wohl zu Weihnachten zwei neue Hände bekommen.“

Gegen Hannover hatte der 26-jährige Außenstürmer diese neuen

Hände offensichtlich wieder ausgepackt. Ein Doppelschlag gegen Ende des ersten

Drittels zum 4:1 und 5:1 und der Abschlusstreffer zum 9:3 eineinhalb Minuten

vor Spielschluss waren der verdiente Lohn für Muellers ehrgeiziges Auftreten.

Dabei wäre es zum

dritten beinahe nicht gekommen. Eigentlich wollte Freezers-Coach Paul Gardner Mueller

während der letzten Unterzahl schonen. „Trainer, lass mich aufs Eis“, bettelte

der kleine Flügelflitzer. „ich mache auch noch einen rein.“ Gardner nickte

gnädig, Mueller ging auf Eis – und erzielte prompt sein drittes Tor.

Die nächste Story ist der Freezers-Trainer selber. Nicht nur

die eben erwähnte kleine Episode zwischen ihm und Richard Mueller ist

bezeichnend für den neuen Geist, der im Hamburger Team herrscht. Auch die

kleinen Gesten am Rande der Bande, ein Schulterklopfen hier, ein aufmunternder

Knuff da. Dem 52-jährigen Paul Gardner, in jeder Beziehung ein Kontrastprogramm

zu seinem Vorgänger Bill Stewart, ist es gelungen, dieser über Monate hinweg

desolat wirkenden Mannschaft einen neuen Geist einzuhauchen. Geradeheraus

bekannt der Kanadier nach Spielschluss: „Das habe ich nicht erwartet. Ich wusste,

dass wir gut drauf sind, aber mit einem 9:3 habe ich nicht gerechnet. Ich bin

stolz darauf, dass die Mannschaft wieder ein Team ist.“

Der Spielverlauf belegte die Worte Gardners in aller

Deutlichkeit. Selten zuvor waren die Freezers derart wach und aggressiv in ein

Spiel gestartet. Da staunte selbst Scorpions Abwehrrecke Sascha Goc:: „Das

hatten wir so nicht erwartet.“  Nach

ganzen 37 Sekunden stand es 1:0 (Fortier) und noch vor Ablauf der vierten

Minute sogar 2:0 (Brigley).

Auch das ist neu: vor ein paar Wochen hätten die Hamburger

nach dieser Führung die Schläger aus der Hand gelegt. Diesmal nicht! Zwar

gestattete ein liederlicher Scheibenverlust hinter dem eigenen Tor Brimanis den

Anschlusstreffer für Hannover zu erzielen, und die Gäste hatten zwischen der

12. und 17. Minute ein paar stärkere Szenen, aber dann rückte, wie oben bereits

erwähnt, Richie Mueller mit seinem Doppelpack die Sache wieder gerade.

Hans Zach reagierte, schickte zum zweiten Drittel Jung für

Pätzold zwischen die Pfosten. Und der hatte zunächst etwas mehr Glück als sein

Vorgänger. Sonst hätte Justin Morrison, der für den verletzten Vitalij Aab in

die erste Reihe gerückt war und eine gute Partie ablieferte, bereits 29

Sekunden nach Wiederbeginn den fünften Hamburger Treffer markiert.

Während die Gäste im ersten Drittel dem Hamburger Spiel nur

wenig entgegenzusetzen gehabt hatten, kamen sie jetzt etwas besser in die

Partie. Der Anschlusstreffer zum 4:2 durch Klaus Kathan, der an diesem Tag sein

700. DEL-Spiel bestritt, war der verdiente Lohn. Aber die neuen Gardner-Freezers

stemmten sich in dieser Phase, in der das Spiel durchaus hätte kippen können,

mit Macht dagegen. Und bekamen die Partie noch vor der zweiten Pause wieder in

den Griff. Fortier (36. Minute) und Morrison (39.) schossen die Hamburger mit

6:2 weiter nach vorn.

Als der Hamburger Mannschaftskapitän Clarke Wilm nach fünf

Minuten im letzten Drittel das 7:2 folgen ließ, war dem Tabellenführer endgültig

und unwiderruflich der Zahn gezogen. Daran änderte auch das schnelle dritte Tor

der Hannoveraner durch Eric Schneider nichts. Andy Delmore (57.) und Richie

Mueller (59.) schraubten den Sieg auf einen 9:3-Sieg, der auch in dieser Höhe

letztendlich verdient war.

Die Freezers haben sich mit dieser feinen Leistung und dem

fünften Dreier in den letzten sechs Spielen wieder alle Chancen auf einen Preplayoff-Platz

erkämpft.  „So müssen wir in den letzten

acht Spielen weitermachen“, gab Paul Gardner die Devise für den Rest der

Hauptrunde aus. Auch Hans Zachs Blick in die Zukunft war eindeutig: „Die

Mannschaft muss sich wieder auf das besinnen, was sie so stark gemacht hat.“

(jp)

Hamburg Freezers – Hannover Scorpions 9:3 (4:1, 2:1, 3:1)

Tore:

1:0 (00:37) Fortier (Morrison, Wilm) - EQ


2:0 (03:51) Brigley (Tripp, Karalahti) - PP1

2:1 (05:10) Brimanis (Vikingstad, Dolak)-EQ

3:1 (16:43) Mueller (Barta, Brigley)- EQ

4:1 (19:15) Mueller (Brigley, Barta)- EQ

4:2 (23:53) Kathan (Herperger) - PP1

5:2 (35:11) Fortier (Retzer, Wilm)- EQ

6:2 (37:45) Morrison (Leask) – EQ

7:2 (45:08) Wilm (Delmore, Barta)- PP1

7:3 (45:49) Schneider (Goc, Dolak) - PP1

8:3 (56:15) Delmore (Sarno, Barta) - PP1

9:3 (58:29) Mueller (Barta)- SH

Strafen:

Hamburg: 14 Minuten - Hannover: 18 Minuten
Schüsse: Hamburg:

43 (18-13 12) - Hannover: 39 (9-16-14)
Zuschauer:

10993


Schiedsrichter: Roland Aumüller (Mosler, Starke)

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