„Explosive“ Franken gewinnen TigerduellNürnberg – Straubing 4:1

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„Es ist schon hart, seinen Job als Trainer zu verlieren“, spricht der 54-jährige Schwede aus eigener Erfahrung. „Ich habe ja vergangene Saison mit Atlant Mytishchi in der KHL zum ersten Mal das Gleiche erlebt.“ Doch so läuft es eben heutzutage im Business, weiß Co-Trainer Tray Tuomie, der mit Jeff Tomlinson bereits in Düsseldorf hinter der Bande stand. Von seinem neuen Kollegen hat er aber einen guten ersten Eindruck. „Das Vertrauen ist da. Wir haben in den letzten beiden Tagen auch viele Gespräche geführt“, berichtete der Assistenz-Coach, der den Ice Tigers weiterhin zur Seite steht. Dass die Kommunikation für die beiden Trainer eine wichtige Rolle spielt, war auch während der Heimpartie gegen Straubing zu erkennen. Doch trotz Sympathie für den „Neuen“ habe Tuomie die Entlassung Tomlisons natürlich ganz schön getroffen, obwohl er eine Erklärung für den Schachzug von oben hat. „Wir standen nicht dort, wo wir und das Management hin wollten“, so der 44-Jährige, „und somit ist die Entscheidung eben gefallen, ob wir sie nun gut oder schlecht finden.“

Auch für Marco Nowak kam die Nachricht am Sonntag sehr überraschend. „Immerhin hat er den Spieler aus mir gemacht, der ich heute bin“, ist der Verteidiger seinem „Mentor“ überaus dankbar. Und was den jüngsten 4:1-Sieg betrifft, ist sich Nowak auch nicht sicher, ob es mit Tomlinson an der Bande gegen Straubing wirklich anders, also schlechter, gelaufen wäre. Schließlich hätten alle gewusst, dass sich nach der peinlichen 0:3-Pleite in München etwas ändern müsse. Geändert hat sich nun auf jeden Fall etwas am System der Nürnberger – „defensiv“ lautet das Motto des „Star“-Coaches, der als Trainer der schwedischen Nationalmannschaft unter anderem 2006 die Olympische Goldmedaille gewann. Mit Tomlinsons Offensiv-System schienen einige Ice Tigers ja so ihre Probleme zu haben. „Es war heute eine schwierige Aufgabe, aber ich bin sehr zufrieden“, erklärte Gustaffson. „Alle wollten Vollgas geben und so haben wir am Ende die drei wichtigen Punkte geholt.“

Erst Straubing, dann Nürnberg

Zu Beginn des ersten Drittels waren es jedoch die Straubinger, die das Heft in die Hand nahmen. Nürnberg schaffte es zunächst nicht, sich durchzusetzen. Nach einer Möglichkeit von Dusan Frosch, der nach einem Alleingang an Jason Bacashihua scheiterte, fanden die Ice Tigers aber immer besser in die Partie. Und so rächten sich in der 19. Minute schließlich die anfangs nicht genutzten Überzahlsituationen der Niederbayern mit einem kuriosen Führungstreffer der Nürnberger. Nach einem Abpraller sprang der Puck an Tyler Beecheys Bein und von dort aus an den rechten Innenpfosten des Gästetors – 1:0 für die Heimmannschaft, Schütze: Yan Stastny. Angetrieben von dem Tor kamen die Ice Tigers nach der Pause so richtig in Fahrt, was die Straubinger natürlich bemerkten und mithilfe einer Auszeit (28.) dem entgegenwirken wollten – doch vergebens. Die Franken behielten die Oberhand und Marco Nowak legte mit dem 2:0 nach (29.).

Sieg durch „geschlossene Mannschaftsleistung“

Am Ende des Mittelabschnitts zeigten die Gäste dann wieder mit einigen Aktionen, dass sie noch im Spiel sind, was sie im letzten Drittel fortsetzten. Und so schloss René Röthke schließlich im Powerplay zum 2:1 an (45.). Allerdings sollte es bei dem einzigen Tor des Abends für die Straubinger bleiben, denn ein weiterer „Treffer“ in Überzahl wurde nach Videobeweis aufgrund eines Schlittschuhtors nicht gegeben. Noch zuvor erhöhten die Ice Tigers durch Eric Chouinard auf 3:1 (50.), nachdem Jason Jaspers den Puck ans Kreuzeck gedonnert hatte. Eine Minute vor Schluss machte dann Daniel Weiß endgültig den Sack zu, indem er das leere Gästetor traf (59.). „Wir haben heute versucht, konzentriert zu spielen und in der Defensive wenig zuzulassen“, erklärte Patrick Reimer, der den Erfolg auch in der geschlossenen Mannschaftsleistung sah. Die Jungs seien zudem nicht wirklich nervös gewesen, nur etwas passiv, so Coach Gustaffson. Insgesamt seien es auch nur kleine Dinge, die noch nicht perfekt sind.

Weg mit der Blockade

Gar nicht perfekt war am Dienstag der Auftritt der Straubinger. Kein komplettes Spiel hätten die Niederbayern gespielt, fand Tigers-Coach Dan Ratushny. „Nach einem guten Start gab es im zweiten Drittel keine Intensität. Zwar wurde es in den letzten 20 Minuten wieder besser“, doch was kam, kam zu spät und war gegen eine „explosive“ Ice-Tigers-Mannschaft“ zu wenig. Doch vielleicht lag es auch daran, dass die Gastgeber am Sonntag spielfrei hatten und Straubing in Ingolstadt ran musste. „Wir hatten schwere Beine, während Nürnberg Gas geben konnte“, rechtfertigte Torschütze René Röthke die Leistung seines Teams. „Es hat heute einfach nicht sein sollen. Wir müssen jetzt versuchen, die Blockade aus den Köpfen zu kriegen“, und gegen Köln am kommenden Sonntag müsse es dann wieder besser laufen. Für die Ice Tigers geht es mit Trainer Bengt-Ake Gustafsson nächsten Dienstag in Krefeld zum ersten Mal auf fremdem Eis zur Sache. Dann wird sich zeigen, ob die neuen defensiven Franken nach dem erfolgreichen Heimstart auch auswärts punkten können.

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