ERC Ingolstadt: Mit DEL-Rekord raus aus der Krise3:0-Sieg im Derby gegen Nürnberg

ERCI-Coach Doug Shedden kann nach vier Siegen aus den letzten fünf Spielen positiv auf die nächsten Partien blicken.ERCI-Coach Doug Shedden kann nach vier Siegen aus den letzten fünf Spielen positiv auf die nächsten Partien blicken.
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„Ich lasse diesen Spielzug seit 25 Jahren immer wieder mal machen. Ich sage nicht, dass er schon tausendmal funktioniert hat, aber er hat heute Abend geklappt“, kommentierte Doug Shedden die entscheidende Szene des Spiels lakonisch, die noch dazu einen neuen DEL-Rekord für das schnellste Tor nach Drittelbeginn markierte. Beim Eröffnungs-Bully des Mittelabschnitts spielte Ingolstadts Brett Olson den Puck leicht nach vorne, die beiden Verteidiger Maury Edwards und Ville Koistinen schlüpften an den beiden Bully-Spielern vorbei und standen auf einmal in einer 2:1-Situation gegen Nürnbergs Milan Jurcina, da die IceTigers zu Drittelbeginn in Unterzahl waren. Aber auch der hünenhafte slowakische Verteidiger der Franken konnte den ersten Treffer durch Edwards, der den Puck per Handgelenkschuss irgendwie an Nürnbergs Goalie Niklas Treutle vorbeibrachte, nicht verhindern. Nur 3,9 Sekunden nach dem ersten Anspiel hatte es Dank des "Füssen-Tricks" (TV-Experte Andi Renz) geklingelt – DEL-Rekord!

Mit diesem Treffer im Rücken hatten die Schanzer Oberwasser, nachdem sie im ersten Abschnitt doch einige Probleme hatten mit sehr engagiert startenden Nürnbergern, bei denen Leo Pföderl bei einem Alleingang nur die Latte des von Jochen Reimer gehüteten Panther-Tores traf. Die Oberbayern erarbeiteten sich nach der Führung weitere gute Chancen und ließen wenig zu in ihrer eigenen Zone. Und dann stand wieder einer der beiden „Langen“ in den Reihen der IceTigers im Blickpunkt: 2,06 Meter-Riese Oliver Mebus wollte vor dem eigenen Tor die Scheibe für seinen Mitspieler liegen lassen, ließ sie sich aber vom 38 Zentimeter (!) kleineren Tyler Kelleher abluchsen, der nicht lang fackelte und den Puck aus der Drehung im Fallen unhaltbar für Treutle in den Giebel schlenzte. Es war insgesamt nicht der Tag der „Twin Towers“ der Nürnberger, denn nur 47 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnitts schoss ERC-Verteidiger Ville Koistinen Milan Jurcina so geschickt an, dass dieser den Puck mit dem rechten Schlittschuh ins eigene Tor abfälschte. Mit dem dritten Treffer der Hausherren war das Spiel endgültig entschieden.

Da Jochen Reimer das Tor der Panther – unter anderem einige Male gegen Bruder Patrick – in der Folge sauber hielt, feierten die Oberbayern einen wichtigen Punktgewinn in einem rassigen Derby, den ersten Heimsieg des Jahres, den fünften Shutout der Saison und den zweiten in Folge vor heimischem Publikum.

Doug Shedden geizte nicht mit Lob - auch für einen "Unsung Hero"

Entsprechend gelöst zeigte sich Doug Shedden nach dem Spiel: „Ich sage das nicht oft, aber heute haben wir durchweg eine sehr gute Leistung gebracht. Joker (Jochen Reimer) hat sehr solide gehalten, als wir ihn brauchten. Wir haben die Zweikämpfe angenommen, haben Schüsse geblockt und uns aufgeopfert. Jeder hat in den letzten Wochen verstanden, was er tun muss, damit wir Spiele gewinnen, denn dieses mal gewinnen, mal verlieren hat uns nicht weitergebracht – und auf einmal stehst Du auf Platz acht. Aber heute Abend und noch mehr in Bremerhaven, das für mich als Trainer  der wichtigste Sieg der letzten Wochen war, waren alle sehr gut, da kann ich fast niemanden herausheben.“ Und tat es doch: „Tim Wohlgemuth hat sein vielleicht bestes Spiel für uns gemacht – seine Reihe mit Patrick Cannone und David Elsner war noch ein bisschen besser als die anderen!“. Auch der zuletzt häufig kritisierte Tyler Kelleher, der es immer wieder furchtlos mit dem 115 Kilo-Koloss Jurcina und eben Oliver Mebus aufnahm, bekam ein Sonderlob: „Er hat verstanden, wie er spielen muss, um für uns effektiv zu sein, dass er die Scheibe nicht im Mitteldrittel verlieren darf und versuchen muss, hinter den Verteidiger zu kommen. Das hat er speziell in den letzten zwei Spielen sehr gut gemacht.“ 

Auch Kapitän Dustin Friesen war sehr zufrieden mit dem Spiel und der Entwicklung der Mannschaft nach der schweren Phase, in der das Team zwischen Anfang und Ende Dezember keinen einzigen „Dreier“ einfuhr: „Natürlich ist diese Phase nicht schön, wenn Du viele Spiel verlierst, aber sie hat uns als Mannschaft zusammengebracht und uns dabei geholfen zu verstehen, welche Identität wir als Mannschaft haben wollen und wie wir spielen müssen, um erfolgreich zu sein. Und heute haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht – die Zweikämpfe angenommen und uns aufgeopfert.“ Da waren sich Captain und Coach also einig. Und weil Doug Shedden gerade in Geberlaune war, legte er das Augenmerk auf einen "Unsung Hero" in seinem Team: "Brandon Mashinter ist so wichtig für uns, weil er das gegnerische Team in Schach hält und schmutziges Spiel der anderen unterbindet. Keiner unserer Spieler muss irgendwelche miesen Tricks fürchten - das macht ihn so wertvoll für uns."

Nach einer schon beinah ungewohnt langen Pause von fünf Tagen – das Team hat seit Mitte Dezember elf Spiele bestritten – geht es am kommenden Freitag zum Schlusslicht nach Schwenningen, ehe am kommenden Sonntag die auf Rang zwölf platzierten Roosters an die Schanz reisen. Eine Fortsetzung der Siegesserie scheint also durchaus möglich, womit dann auch das Ziel direkte Play Off-Qualifikation wieder ein gutes Stück näher rückt.