ERC Ingolstadt im Stile eines ChampionsERC Ingolstadt - Iserlohn Roosters 6:1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Es war eine Serie, die alles bot, was Play Off-Eishockey so faszinierend macht: Einsatz, Kampf, Härte, überragendes Eishockey, haarsträubende Fehler, große Emotionen auch außerhalb des Eises, knappe Niederlagen, deutliche Siege – das volle Programm eben! Nun kulminierte der Kampf im Play Off-Viertelfinale zwischen dem Überraschungsteam aus Iserlohn gegen den letztjährigen Meister aus Ingolstadt in einem denkwürdigen Spiel 7, in dem die Panther die Iserlohn Roosters fachgerecht zerlegten und ins Halbfinale einzogen.

Die Viertelfinalserie zwischen Ingolstadt und Iserlohn hielt, was sie anfangs versprach: Sie wurde lang, sehr lang! Viel hatten beide Mannschaften erlebt im Laufe der mehr als 380 Minuten dieser grandiosen Serie: Die Bierdusche in Iserlohn, der vermeintliche Stockschlag Pielmeiers gegen einen Iserlohner Betreuer, das Overtime-Drama in Spiel 5, der dreifache York in Spiel2 und so weiter und so weiter. Aber alles egal, alles Makulatur – an diesem Frühlingsabend ging es in Ingolstadt um alles, rein sportlich natürlich: Halbfinale oder Urlaub, Eishockey oder Minigolf.

Die Roosters kamen besser aus der Kabine und schlugen nach wenigen Minuten zu: Liwing behielt die an blauen Linie die Übersicht und bediente Sylvester, der die gesamte ERC-Abwehr hinterlaufen hatte, mustergültig , so dass der Roosters-Stürmer aus kurzer Distanz vollstrecken konnte. Die Freude währte allerdings nur kurz, denn noch im ersten Spielabschnitt drehten die Panther die Begegnung durch Tore von Laliberte und Buck 15 Sekunden vor Ende des ersten Drittels. Zumindest beim ersten Treffer sah Matthias Lange nicht gut aus. So ging der Meister mit einer Führung in die erste Drittelpause.

Iserlohn geschockt und zu harmlos im Powerplay

Nach einem schnellen Tor durch Kohl kurz nach der Pause waren die Roosters angeknockt und ließen in der Folge weitere gute Chancen der Ingolstädter zu. Erst zur Mitte des Spiels fingen sich die Sauerländer wieder, als sie kurz hintereinander zweimal in Überzahl spielten. Zwar brachten sie trotz ansehnlicher Kombinationen nur wenige wirklich zwingende Situationen zustande, konnten sich aber aus ihrer Schockstarre befreien. Danach übernahm Ingolstadt wieder die Initiative: Iserlohn kam zwar nochmal in Überzahl, nahm sich aber den Vorteil, als Sean Sullivan nach einem Foul an Gawlik nach dessen Alleingang zwei Minuten durchschnaufen durfte.

141 Sekunden vor Drittelende kochte dann die Ingolstädter Volksseele: Brodie Dupont setzte sich mit robustem, aber fairem Körpereinsatz zweimal gegen Hager durch, der sich dann eher ungeschickt anstellte und völlig zu Recht zwei Minuten wegen Beinstellens kassierte. Aber alles halb so wild aus Sicht der Panther: Im Getümmel rund um Pielmeiers Tor handelte sich der Iserlohner Ryan Button mit der Sirene noch eine Strafe wegen Behinderung ein. Damit waren die Roosters nun endgültig unter Zugzwang – unter denkbar schlechten Vorzeichen: Zwei Tore zurück, dazu zwei kurze Unterzahlsituationen zu Beginn des Schlussabschnitts.

Ingolstadt lässt nichts mehr anbrennen – die Party kann beginnen

Diese überstanden die Roosters zwar unbeschadet, mussten aber wieder zwei Minuten verstreichen lassen – und hatten bei einem Konter der Panther Glück, als Lange einen Schuss der Panther unkoordiniert prallen ließ. Nach dreieinhalb Minuten musste dann Torschütze Laliberte in die Kühlbox, aber erneut blieb das zuletzt so effiziente Powerplay wirkungslos: zu umständlich, zu wenig entschlossen. Nach sieben Minuten hatte Barta die Entscheidung auf dem Schläger, scheiterte aber nach feinem Zuspiel von Gawlik von hinter dem Tor an Lange, der nur wenige Sekunden später gegen Szwez die Scheibe wieder nicht kontrollieren konnte, dann aber gegen Jared Ross auf dem Posten war. Die Panther in der Folge einfach cleverer und abgezockter als die Roosters: Zunächst scheiterte Brendan Brooks mit einem Schuss aus halbrechter Position, dann bissen sie aber zu: Nach einem kleinen Fehler im Aufbau der Panther rückten die Iserlohner zu weit auf, und ließen dadurch Gawlik freie Bahn, der Lange ganz überlegt ausstiegen ließ und das vierte Tor der Panther erzielte.

Bei einer Strafe gegen Ingolstadt ging Iserlohn aufs Ganze und nahm den Torhüter vom Eis, konnte aber auch bei sechs gegen vier keine Akzente. Jared Ross machte sechs Minuten vor Schluss den Deckel auf diese Partie: Nach einem abgeblockten Schuss in der Ingolstädter Zone lief er alleine auf das Tor von Lange zu und tunnelte ihn zum 5:1. Vier Minuten vor Schluss blieb Lange erneut auf der Bank. Hager vergab zunächst das Empty Net-Goal, dann rettete Pielmeier innerhalb weniger Sekunden gegen York und Sullivan. Die Roosters machten weiter Druck, aber die Panther brachten immer wieder einen Stock oder einen Körper in die Schuss- und Passwege der Iserlohner. Zwei Minuten vor Schluss luchste wieder Jared Ross IEC-Verteidiger Kevin Lavallee die Scheibe ab und schoss zum sechsten Mal ein. Der Rest war Jubel aus Sicht der Ingolstädter – und Schweigen und Frust aus Sicht der Roosters, auch wenn sie stolz sein können auf diese Saison! Das betonte auch IEC-Coach Jari Pasanen nach dem Spiel, der Ingolstadt außerdem attestierte, ihr bestes Spiel der Serie gespielt zu haben. Als es darauf ankam – wie ein echter Champion. Im Halbfinale spielt Ingolstadt nun gegen die DEG.

Torschützen:
0:1 Cody Sylvester (Jonas Liwing, Brooks Macek) 3:52
1:1 John Laliberte Jeffrey Szwez, Alexandre Picard) 10:31
2:1 Brandon Buck (Ryan MacMurchy, Patrick Hager) 19:45
3:1 Benedikt Kohl (Thomas Greilinger, Derek Hahn) 22:17
4:1 Christoph Gawlik (Thomas Greilinger, Alexandre Picard) 49:29
5:1 Jared Ross 53:39
6:1 Jared Ross (5-6/ENG) 58:07

Strafen: Ingolstadt 12, Iserlohn 4
Zuschauer:
4.815


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