ERC Ingolstadt gewinnt mit 3:2 gegen die Iserlohn Roosters Heimsieg kurz vor Weihnachten

Timo Pielmeiner musste nach einem Schuss auf seine Maske mit vier Stichen am Auge genäht werden. (picture alliance / nordphoto)Timo Pielmeiner musste nach einem Schuss auf seine Maske mit vier Stichen am Auge genäht werden. (picture alliance / nordphoto)
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„Ich habe im Eishockey schon vieles gesehen, aber so etwas noch nie erlebt“, sagte Doug Shedden nach dem Spiel über einen Moment, der nicht nur ihm einen gehörigen Schrecken eingejagt hatte. Was war passiert? Mitte des zweiten Drittels hatten die Roosters ein Powerplay  und hämmerten die Scheibe in bester Ovechkin-Manier vom rechten Bullykreis auf das Tor von Timo Pielmeier. Der Deggendorfer parierte, blieb aber auf dem Eis liegen – und dann wurde es hektisch: Seine Teamkollegen winkten aufgeregt die medizinische Abteilung herbei. Pielmeier riss sich die Maske vom Kopf und sofort färbte sich das Eis blutrot. „Als ich das Blut gesehen habe, war das schon ein Riesenschock für mich“, kommentierte Ingolstadts Doppeltorschütze Mirko Höfflin diese außergewöhnliche Szene: Denn die Scheibe traf so unglücklich auf die Maske von Timo Pielmeier, dass diese im Gitter stecken blieb und dem Meister-Goalie der Schanzer einen heftigen Cut und ein geschwollenes Auge bescherte.

Aber Ende gut, alles gut: Pielmeier konnte das Eis selbstständig verlassen und kehrte zum Schlussdrittel zumindest wieder auf die Bank der Ingolstädter zurück. So konnte ERCI-Coach Doug Shedden im Nachgang cool von der ersten „Augen-Parade“ sprechen, die er in seiner langen Eishockey-Karriere erhebt hat.

ERCI vergibt höhere Führung im ersten Drittel

Dabei hätte es ein relativ entspannter Abend werden können für Ingolstadt: Bereits nach fünf Minuten führten die Gastgeber mit zwei Toren. Colton Jobke mit einem Schuss durch den Verkehr vor Roosters-Goalie Andreas Jenike und Mirko Höfflin in Überzahl hatten die Oberbayern in Führung gebracht. In der Folge ließen die Schanzer den Roosters kaum Luft zum Atmen und erarbeiteten sich zahlreiche Chancen, schafften es aber – auch wegen eines glänzend aufgelegten Jenike im Kasten der Iserlohner – nicht, das dritte Tor nachzulegen und ließen sogar 80 Sekunden doppelte Überzahl ungenutzt. Im zweiten Drittel kam es dann, wie es kommen musste: In Überzahl erzielten die Sauerländer durch Daine Todd den Anschlusstreffer mit einem sehenswerten Schlagschuss von der blauen Linie. Damit waren sie in diesem Spiel angekommen und spielten fortan echtes Roosters-Hockey: Mit viel Einsatz und Zug zum Tor drückten sie auf den Ausgleich.

Der wollte jedoch nicht gelingen – auch nicht gegen den ins kalte Wasser geworfenen Jochen Reimer, der Pielmeier nach dem Wirkungstreffer ablöste. Wieder in Überzahl, wieder durch Mirko Höfflin erzielte Ingolstadt schließlich im Schlussdrittel den entscheidenden dritten Treffer nach einer tollen Kombination und einer „grandiosen Aktion von Brandon Mashinter“ (Doug Shedden). Natürlich nahmen die Roosters in der Schlussphase ihren Torwart Jenike vom Eis – und wurden zumindest mit dem Anschlusstreffer durch Alexandre Grenier belohnt. Da waren noch 93 Sekunden zu spielen. Und dann zeigten die Schanzer ihre ganze momentane Klasse: Die restliche Spielzeit verbrachten sie fast komplett in der Zone der Roosters, so dass diese nicht einmal mehr Andreas Jenike vom Eis nehmen konnten.

Ohne Pielmeier und mit viel Selbstvertrauen nach Schwenningen

Und so jubelten am Ende die Panther-Fans über den zweiten Sieg in Folge, der sie im Moment auf Rang fünf der Tabelle bringt. Viel wichtiger als diese Momentaufnahme in einer Tabellenregion, in der vier Mannschaft durch lediglich zwei Punkte getrennt sind, war Shedden jedoch die Art, wie sein Team diese Partie gespielt hat. Während Mirko Höfflin selbstkritisch anmerkte, dass man insbesondere im zweiten Drittel etwas zu sorglos agiert habe, hob Doug Shedden das Positive hervor: „Wir haben uns so viele Torchancen erarbeitet, sind aber auch an deren Goalie gescheitert, der ein paar ganz große Saves gezeigt hat.“

Ingolstadts Keeper Pielmeier wird diese Gelegenheit am Sonntag in Schwennigen nicht haben – das war laut Shedden ohnehin so geplant.Ein Sonderlob im Doug Shedden-Stil darf sich Tim Wohlgemuth unter den Baum legen. Der junge Stürmer hatte zuletzt in der Verlängerung in Augsburg viel gespielt und stand auch zum Ende der Partie gegen die Roosters auf dem Eis. Dazu sagte Doug Shedden: „Ich hätte ihm schon lange mehr Eiszeit geben müssen. Er hat 17 Punkte auf dem Konto und steht bei +10 – es ist mein Fehler, dass ich ihm nicht schon länger mehr Minuten gegeben habe.“

Mit einem Sieg beim Schlusslicht Schwenningen am Sonntag kann Ingolstadt sogar auf Platz vier springen – unterstützt werden die Panther dabei von zahlreichen Fans, die mit einem Sonderzug die Reise zu den Wild Wings begleiten.