ERC Ingolstadt: Den Mount Everest nicht bezwungen Nach dem Aus im Viertelfinale

John Laliberte (M.) spielte starke Play-offs, die Gespräche über eine Vertragsverlängerung laufen aber noch.John Laliberte (M.) spielte starke Play-offs, die Gespräche über eine Vertragsverlängerung laufen aber noch.
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Haie-Trainer Peter Draisaitl brachte es nach dem letzten Hauptrunden-Spieltag auf den Punkt: „Ich wünsche Doug und seinem Team alles Gute für die Serie gegen Mannheim. Da spielen die beiden vielleicht heißesten Teams der letzten Wochen gegeneinander.“ Tatsächlich war der Saisonverlauf bei beiden ähnlich: Mit hohen Erwartungen in die Saison gegangen, konnten beide Mannschaften diese zunächst nicht erfüllen, im Winter kam dann der Trainerwechsel. Während es mit Doug Shedden direkt steil bergauf ging für die Schanzer, stellte sich in Mannheim der „Stewart-Effekt“ erst mit etwas Verzögerung ein, hatte aber in den Play-offs zum perfekten Zeitpunkt sein bislang höchstes Niveau erreicht.

In der hochklassigen und extrem spannenden Viertelfinalserie gegen Ingolstadt wurden die Adler ihrem Dauer-Ruf als Titelfavorit gerecht und waren über die fünf Spiele, von denen nur die vierte Partie mit mehr als einem Tor Unterschied entschieden wurde (beim 1:3 in Spiel 1 erzielten die Adler kurz vor Schluss das Empty Net-Goal), die etwas bessere Mannschaft: Sie gaben meist deutlich mehr Torschüsse ab als die Oberbayern, legten eine etwas klarere Spielweise an den Tag, waren insbesondere in den hinteren Reihen etwas stärker besetzt und damit trotz eines überragenden Timo Pielmeier nicht zu knacken für die Panther. „Better budget, better team!“ sagte ERC-Coach Shedden lapidar. Aber: „Wir haben alles gegeben, hart gearbeitet, insofern kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.“ Dennoch ließ er in seiner Analyse nicht unerwähnt, dass es in der Offensive durchaus Luft nach oben gebe: „Nicht alle unsere Stürmer haben in den Play-offs ihr bestes Eishockey gezeigt. Ich werde keine Namen nennen, aber Ihr könnt Euch ja die Statistiken anschauen.“ Beeindruckt zeigte er sich jedoch von der Einstellung seiner Mannschaft: „Wenn man im Spiel zurückliegt, aber in der Serie führt, ist das keine große Sache. Wenn Du aber in der Serie und im Spiel zurückliegst, hast Du den Mount Everest vor Dir. Wir haben alles versucht, konnten aber den Mount Everest bezwingen. Ich freue mich für meinen Freund Bill Stewart, so wie er sich auch für mich gefreut hätte.“

Mit neuen Kräften für mehr Offensiv-Power

Die mangelnde Offensivkraft führte schließlich auch dazu, dass mit dem nachverpflichteten Powerplay-Spezialisten Tim Stapleton, dem etwas überfordert wirkenden DEL2-Topscorer Dennis Swinnen, dem unermüdlichen Arbeiter Kael Mouillierat und dem insgesamt unauffälligen Greg Mauldin vier Stürmern keine neuen Verträge angeboten wurden. Mit John Laliberte, Ville Koistinen, Matt Pelech, und sowie Torwarttrainer Fabian Dahlem laufen Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit. Bei Joachim Ramoser, der mit großem Einsatz überzeugte und durchaus auch Torgefahr zeigte, wurde die Hängepartie bereits entschieden: Der gebürtige Bozener läuft auch in der kommenden Spielzeit für die Panther auf. 

Besondere Bedeutung maß der ERC Ingolstadt dem Abgang – Gerüchten zufolge nach Staubing – von Verteidiger Benedikt Schopper zu, der 2014 mit den Panthern den Meistertitel gewann. In seiner Meldung schreibt der Verein: „Die erste und bislang einzige Meisterschaft des ERC Ingolstadt ist unverrückbar mit dem Hünen aus der Oberpfalz verbunden. Der 33-jährige Verteidiger schoss die Panther mit einem Verlängerungstor in den Pre-Playoffs eine Runde weiter. Wie kein anderer lebte er auf dem Weg zum Titel auch unbedingten Willen vor: Als ihm der damalige Hamburger David Wolf im Halbfinale sieben Zähne ausschlug, spielte er einen Zahnarztbesuch später schon wieder. Schopper blieb insgesamt fünf Jahre in Ingolstadt, wo er auch eine Familie gründete und ein Haus baute.“ Insofern scheint ein Wechsel Schoppers – wenn er in der DEL bleibt – in das nur rund 90 Kilometer von seinem Wohnort entfernte Straubing als logischer nächster Schritt.

Ein Meisterpanther geht – und ein weiterer folgt vielleicht 

Drei interessante Personalien sind derweil noch offen: Stürmer und Kapitän John Laliberte, Kampfmaschine Matt Pelech und Musterschüler Ville Koistinen. Laliberte spielte eine eher durchwachsene Hauptrunde, ging aber in den Play-offs mit sieben Punkten in fünf Spielen voran und war einer der Aktivposten der Schanzer. Zudem soll Doug Shedden große Stücke auf ihn halten, lobte immer wieder auch die Formation mit Laliberte, Brett Olson und Mike Collins, die beide ihre Verträge bereits verlängert haben. Medienberichten zufolge muss sich Laliberte auf gekürzte Bezüge einstellen, auch der Wechsel in eine der hinteren Reihen steht im Raum. Sollte Laliberte gehen, wären Torwart Pielmeier und Thomas Greilinger die letzten Mohikaner aus dem Meisterkader – und die Schanzer um eine wichtige Führungsfigur ärmer. 

Ville Koistinen, der bereits einige Male von Doug Shedden trainiert wurde, hat den ERC Ingolstadt sofort nach seiner Ankunft im Dezember besser gemacht, ist schlittschuhläuferisch eine Augenweide und hat dem darbenden Powerplay der Ingolstädter sofort mehr Durchschlagskraft verliehen. Also eigentlich eine klare Angelegenheit, sollte man meinen, aber die Gespräche mit dem finnischen Top-Verteidiger laufen noch. ERC-Geschäftsführer Claus Gröbner zum Stand der Dinge in einem Zeitungsinterview: "Die wichtigste Frage neben dem Finanziellen ist aber: Will Ville Koistinen bleiben? Kann er sich vorstellen, seine Karriere hier zu beenden? Und können wir vielleicht mit unserem Umfeld punkten? Wir werden bis an unsere Schmerzgrenze gehen, aber sicher keinen finanziellen Wahnsinn machen." Aber man versuche, ihn mit einem Mehrjahresvertrag zu überzeugen - bei einem Spieler, der zum Start der neuen Saison 36 Jahre alt sein wird, sicher nicht die Regel. Es scheint aber noch alles offen zu sein. Eine eindeutige Angelegenheit wäre es wohl, wenn man die Fans zur Causa Matt Pelech befragen würde: Mit großem Kampfgeist und keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehend hat sich der hünenhafte Kanadier in die Herzen der Anhänger gespielt. Die Frage ist jedoch, ob man ihn dem angestrebten Ausbau der Offensive „opfert“. Pelech kam in der Hauptrunde und in den Play-offs auf ein Tor und neun Vorlagen. Und außer von Sean Sullivan und eben jenem Koistinen kam von den Verteidigern der Panther wenig Power nach vorne, auch nicht vom kanadischen Kontingentspieler Patrick McNeill, der allerdings noch einen laufenden Vertrag besitzt. 

Insofern wird es ein spannender Sommer für den ERC Ingolstadt, der dieses Mal zwar keinen großen Umbruch bewerkstelligen muss, aber doch vor der Herausforderung steht, offensivstarke Spieler zu verpflichten, die den Verein wieder näher an den Titel bringen. Und die sind weder auf weder im Sturm noch auf der Verteidigerposition leicht zu finden.


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