Equipment Manager – Ein Job für Enthusiasten (3/3)Helden im Hintergrund

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Eigentlich ist es kaum zu glauben, aber in seiner Freizeit ist Ralf Neiß immer auf der Suche nach neuen Hilfsmitteln und Tricks. Dabei ist er auch im Internet unterwegs. „Wenn man mal auf Youtube schaut, was in Pittsburgh los ist, ist das schon brutal. Da gibt es ein Video, wo sie Crosby im Spiel in 5:27 Minuten den Holder abgemacht, einen neuen draufgemacht und das Eisen geschliffen haben.“ Beim Erzählen merkt man, dass Ralle in seinem Element ist. Strahlend und voller Anerkennung für die US-Kollegen wiederholt er „5:27 Minuten!“ Selbst jemand, der keine Ahnung davon hat, merkt, das muss eine verdammt schnelle Zeit sein. „Gut, die haben alles mit Hydraulik und wir alles mit Handbetrieb. Wir brauchen round about eine Viertelstunde, aber auch da musst du schon schnell sein.“ Ralle ist kaum zu bremsen und berichtet von Materialverfolgung, um zu dokumentieren, welches Teil, bei welchem Spieler wie lange im Einsatz war.

Ralf Neiß hat aber auch seine Ticks. So berichtet Sören Sturm: „Er hat da schon so ein, zwei Sachen. Er wirft dem Torwart immer die Flasche zu, oder dass die Schläger vorher schon alle draußen stehen. Früher habe ich meine Schläger immer selber raus getragen, aber er will immer, dass die Schläger schon vorher draußen sind. Da hat er schon ein paar Ticks.“

Sein größter Tick ist aber ein ausgeprägter Ordnungswahn. „Das gebe ich zu. In der Beziehung habe ich eine Vollmeise. Für mich ist Ordnung das A und O. Ich gehe erst aus der Kabine, wenn ich alles gewaschen habe und alles weggeräumt ist. Ich kann von den Jungs keine Ordnung verlangen und habe sie selbst nicht“, erzählt der Hesse. Auch die Spieler müssen die ein oder andere Ordnungsregel einhalten. „Bei wem es nicht klappt, der kommt aufs Board.“ Das „Board“ ist eine kleine unscheinbare Tafel, über die der interne Strafenkatalog verwaltet wird. „Bei wem der Stall nicht in Ordnung ist, den schreib ich ans Board, kostet es 15 oder 20 Euro.“ Wie der Stall auszusehen hat, weiß Ralf im Schlaf. Aber auch da versucht er „seinen Jungs“ zu helfen. So hat er zum Beispiel Bretter gemacht, in die man die Schlittschuhe stellen und sauber aufräumen kann.

Für neue Spieler ist das unter Umständen ungewohnt und dauert sicher seine Zeit, bis man kapiert, wie man seinen Stall zu verlassen hat. Einer wollte da auf Nummer sicher gehen. „Sturmi hat immer gefragt, Ralle passt´s?“ Doch sogar dafür hat Ralf eine Strategie: „Ich habe gesagt, die Vorbereitung ist die Zeit zum Lernen, ab dem ersten Spiel gilt es.“ Wenn es dann gar nicht geht, bekommt man als Spieler auch mal Gegenwind vom Ordnungsfanatiker. So berichtet René Kramer: „Ja, ab und zu. Wer seinen Platz nicht aufräumt, bekommt von Ralle einen Anpfiff. Aber ist auch richtig so, die Kabine soll ordentlich aussehen.“

Ordnung hat auch etwas mit Disziplin zu tun. Darum ist Coach Larry Mitchell durchaus ein Befürworter dieser Linie und sagt: „Ich finde es nicht schlecht. Wir hatten letztes Jahr einen neuen Betreuer in Augsburg, dieses Jahr ist mit Marco Nachrichter noch ein Neuer von Red Bull gekommen, mit ihm habe ich schon in Landsberg zusammengearbeitet. Die haben auch diese Ordnung und Disziplin reingebracht. Man kann es übertreiben, da gab es auch ein, zwei Situationen, wo ich eingreifen musste und gesagt habe, jetzt ist es genug. Aber eine gewisse Disziplin und Ordnung muss schon sein, da bin ich auch sehr dankbar, wenn Ralle das so macht.“

Kollege Toppo meint: „Ich war früher ja alleine und habe das eher etwas locker gesehen. Am Wochenende hatte ich zwar Hilfe, aber als ich die ganze Woche alleine war, da ist das schon etwas ins Schludern gekommen. Ralle macht das schon sehr genau, das kommt bei den Spielern aber auch gut an. Ich mache es nicht ganz so akkurat.“

Ein kleines Beispiel: „Wir haben fürs Training schwarze und weiße Trikots, dafür habe ich schwarze und weiße Kleiderbügel besorgt“, erzählt Ralle. Das reicht aber noch nicht. Alle hängen exakt gleich ausgerichtet auf der Stange. Handtücher sind zu Zehnerpacks abgezählt und sind im Schrank ausgerichtet wie Soldaten des Wachbataillons. Voller Stolz zückt er sein Smartphone und zeigt Bilder der Frankfurter Kabine.

Sören Sturm meint: „Ohne die würde es gar nicht gehen. Wenn du was brauchst, sind sie immer da.“ Doch nach dieser Saison geht Ralf Neiß aus familiären Gründen zurück in seine hessische Heimat. „Mein Vertrag endet nach dieser Saison. Eigentlich wollten Jason Dunham und ich verlängern, aber das geht leider nicht. Ich werden hier definitiv einige Jungs vermissen“, erzählt Ralle. Doch nicht nur die Jungs werden ihm fehlen, auch er wird fehlen. Toppo findet es ebenfalls schade und sagt: „Ja, er wird auf alle Fälle fehlen. Wir sind ein gutes Team geworden und haben uns gut ergänzt. Mir wäre es auf alle Fälle lieber, wenn er bleiben würde, aber durch die familiäre Situation ist es leider nicht mehr möglich. Jetzt müssen wir dann mal schauen, wer nachkommt, und ob das nochmal so hinhaut, ist halt dann die Frage. Es sind ja nicht alle so wie Ralf.“

Auch wenn hier nur Betreuer, Spieler und Trainer der Straubing Tigers zu Wort gekommen sind, ist dieser Bericht allen Betreuern, Zeugwarten, Equipment Managern oder wie immer sich die meist unsichtbaren fleißigen Helfer nennen, gewidmet. Ich ziehe den Hut vor Matthias Pallapies, Marco Nachrichter, Werner Gall, Ralf Neiß, Thoralf Rolke, Bernd Karrenbauer, Dirk Perschau, Ronny Hufschläger, Willi Schiefer, Sven Gibb, Jiri Uvira, Alan Jones, Andre Grillo, Eric Bechtol, Matthias Hammerl, Christian Menningen, Richard Kneis, Marcus Schmuck, Hermann Frank, Christian Hack, Steven Casteletti, Stef Jonsson, Alexander Knaus, Helmut Rütten, Sascha Engel, Igor Hasko und allen anderen die hier nicht absichtlich vergessen wurden und diesen Job machen!


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