Equipment Manager – Ein Job für Enthusiasten (2/3)Helden im Hintergrund

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Gestern haben wir gesehen, wie umfangreich und zeitaufwendig der Beruf des Teambetreuers oder Equipment Managers ist. Was muss man da eigentlich für ein Typ sein?

Verteidiger René Kramer sagt dazu: „Beide sind eigentlich sehr cool und sind immer gut drauf. Sie verbreiten immer gute Laune. Und sie arbeiten sehr, sehr hart. Der Job ist wirklich sehr schwer, aber den meistern sie sehr gut. Wir können froh sein, die beiden zu haben. Beide sind aber komplett unterschiedlich, Toppo ist eher ruhiger, Ralle haut schon mal auf die Kacke, da müssen wir ihn dann kurz wieder runter holen“, lacht Kramer. Auch Goalie Dustin Strahlmeier findet: „Ralle ist eher ein impulsiver Typ, Toppo ist der ruhigere von beiden. Ralle ist auf jeden Fall an der Bande immer recht gut dabei und ist immer schlecht gelaunt, wenn wir verlieren, er will auch, dass wir jedes Spiel gewinnen.“

Ralle steht an Bande und macht die Tür auf und zu, Toppo hingegen ist hinter den Spielern und meint in gewohnt ruhiger Art: „Das, was hinter den Spielern ist, ist auch wichtig. Man braucht auch jemanden, der sich hinten um die Dinge kümmert. Und wenn man so lange dabei ist, dann wird man automatisch ruhiger.“ Außerdem hat sein Platz auch praktische Gründe. „Wenn mal was kaputt geht, ein Band reißt oder einer ein Tape braucht, mache ich das. Oder wenn was mit dem Helm nicht stimmt, dass am Visier eine Schraube locker ist, oder ein Band abreißt, dann ist es besser, wenn ich das hinten machen kann, da hat man mehr Ruhe. Ab und zu vergisst auch einer den Zahnschutz.“

Die Einschätzung von Coach Larry Mitchell wundert nicht mehr, wenn er sagt: „Ralf ist mehr gesprächig, Toppo habe ich die letzten Auswärtsspiele besser kennengelernt. Wir hatten Gelegenheit, am Abend vor dem Spiel ein, zwei Bier zu trinken. Jetzt kenne ich Toppo besser, bei Ralf ist das einfacher, der kommt auf dich zu und redet auch gerne. Ich bin auch ein Mensch, der gerne redet. Ich glaube, wir haben uns schnell gefunden. Beide arbeiten sehr, sehr hart und das ist das A und O, wenn man diesen Beruf ausübt.“

Aber wenn beide so unterschiedlich sind und trotzdem einen guten Job machen, was braucht man dann, um den Job zu machen. Wie muss man sein? „Man muss krank im Kopf sein“, sagt Ralle leise. „Zeit und Geld darfst du nicht rechnen, das geht nie auf. Du musst den Sport und das Drumherum lieben, ansonsten kannst du es nicht machen. Wer ist freiwillig gerne jedes Wochenende unterwegs?“

Der Zeitaufwand schreckt viele ab, denn die meisten Betreuer der Liga sind im Alter zwischen 40 und 50. Echten Nachwuchs gibt es nicht. „Der Job ist, glaube ich, nicht so beliebt, dass sich viele darum reißen“, sagt Toppo und meint weiter: „Wir hatten auch mal zwei, drei zum Probearbeiten hier, die haben aber schnell gesehen, dass es viel Arbeit ist und dass die Arbeitszeiten eher ungünstig sind. Die glaubten, da macht man im Spiel mal eben die Tür auf, aber das man drei Stunden vorher schon in der Halle ist und nach dem Spiel auch, das haben viele vorher nicht überrissen.“ Dieser Beruf verlangt auch viel von den Ehefrauen und Familien ab. Toppo erzählt: „Meine Frau ist nicht begeistert, die möchte schon, dass ich was anderes mache. Wenn wir Zweitagesfahrten haben, sind wir halt weg. Aber auch wenn wir ein Heimspiel haben, ist man höchsten zwei oder drei Stunden am Nachmittag zu Hause, ansonsten ist man eigentlich immer unterwegs. Wenn eines der Kinder krank ist oder wenn es Probleme in der Schule gibt, bin ich meistens nicht da. Meine Frau nimmt da schon viel auf sich.“

Der Job des Equipment Managers ist kein Ausbildungsberuf. Ein gewisses technisches Verständnis schadet aber nicht, denn eine der vielen Aufgaben ist natürlich das Schlittschuhschleifen. „Wenn du anfängst, musst du dir alles abschauen. Nur schleifen lassen sie dich nicht. Das macht aber sowieso jeder anders. Ich schleife immer mit der Schuhspitze links, das hat Brad Harrison und Ronny Lehmann so gemacht und darum hab‘ ich das auch so übernommen. Toppo schleift immer mit der Innenseite nach oben“, berichtet Ralle.

Zudem gibt es beim Schleifen nicht nur unterschiedliche Methoden, sondern auch unterschiedliche Schliffe. Da wird dann auch mal was ausprobiert. Relativ neu ist ein Schliff den man „Flat Bottom“ nennt. Dieser vergrößert die Kontaktfläche vom Eisen zum Eis und sorgt damit für einen größeren Wasserfilm. Aber nicht jeder Schliff passt zu jedem Spieler. Wer damit zurecht kommt, soll sich wie auf Schienen fühlen. Zu den Schleifkünsten sagt Dustin Strahlmeier: „Beide können schleifen. Ich habe mir am Anfang der Saison Ralle ausgesucht. Er hat mir als erstes meine Schlittschuhe geschliffen und damit bin ich super zurecht gekommen, das passt, da braucht man nichts ändern.“

Aber wie ist das, wenn ein neuer Spieler kommt? „Man versucht am Anfang einfach mal die gängigsten Schliffe aus, irgendwann passt es dann – außer bei Eric Beaudoin. Das war der einzige in meiner ganzen Zeit, der da Schwierigkeiten machte. Dem hat man es einfach nicht recht machen können, aber das hat von Haus aus nicht gepasst“, erinnert sich Toppo.

Wer nach dem Spiel noch in der Halle ist, dem fällt noch etwas anderes auf. Der Zusammenhalt und die Kollegialität unter den Betreuern der verschiedenen Teams sind sehr groß. Immer wieder kommt einer, fragt nach Tape oder einem Kasten Wasser für die Heimfahrt oder sonstigem. Ralle erklärt das recht einleuchtend: „Ja klar, da helfen wir uns alle gegenseitig, außerdem musst du ja auch irgendwann zu denen. Da kann es auch sein, dass wir mal was brauchen. Wenn wir zum Beispiel nach Hamburg fahren, sind das zwei Tage, in denen immer was kaputt gehen kann. Man hat zum Beispiel keine Nietmaschinen dabei und was machst du, wenn die Niete vom Holder bricht. Mit den allermeisten kommt man sehr gut aus.“

In der DEL gibt es inzwischen nicht nur ehemalige NHL-Spieler. „Die Mannheimer und Nürnberger haben jeweils einen, der vorher in der NHL war.“ Ob die wohl andere Tricks kennen? „Nein, wahrscheinlich nicht. Was die mir voraushaben, ist perfektes Englisch“, witzelt Ralle. „Aber ansonsten kochen die auch nur mit Wasser.“ Dann meint er aber: „Die werden schon andere Kniffe drauf haben, weil die ja auch ganz anderes gewohnt sind. Ronny Lehmann, mit dem ich in Frankfurt gearbeitete habe, der jetzt wieder in Salzburg ist, war von Red Bull aus bei den Florida Panthers. Der hat mit Geschichten erzählt – das ist eine völlig andere Welt und dabei ist es in Salzburg schon NHL-like.“

Morgen geht unser Dreiteiler in die letzte Runde. Ein Thema wird der große Tick von Ralf Neiß sein.