Equipment Manager – Ein Job für Enthusiasten (1/3)Helden im Hintergrund

Ralf "Ralle" Neiß (links) und Thoralf "Toppo" Rolke. (Foto: Heribert Böckl)Ralf "Ralle" Neiß (links) und Thoralf "Toppo" Rolke. (Foto: Heribert Böckl)
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Thoralf „Toppo“ Rolke kommt aus einer Straubinger Ur-Eishockey-Familie. Vater Gotthard war Vorstand des EHC Straubing und der Straubing Tigers, beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und bei der Eishockeyspielbetriebsgesellschaft (ESBG) bekleidete Gotthard Rolke mehrere Funktionärsposten und war zuletzt Mitglied des Aufsichtsrats. „Dadurch, dass wir immer im Eisstadion waren, ist es einfach so gekommen“, erzählt der 46-jährige, der den Job schon eine gefühlte Ewigkeit macht. „Zu dem Job bin ich durch meinen Vater und meinen Bruder gekommen. Mein Bruder hat 1976 zu spielen begonnen. Ich habe dann die Kleinen betreut und später die 1. Mannschaft. Ich habe nur zwei Jahre Pause gemacht, als mein Vater gestorben ist. 2005 habe ich im September aufgehört. 2007 bin ich wieder zurückgekommen.“ Toppo ist gelernter KFZ-Lackierer.

Der Werdegang des 49-jährigen Ralf „Ralle“ Neiß, der gelernter Schreiner ist, Türsteher war, in Bars gearbeitet hat und auch schon selbstständig war, ist etwas anders. Er berichtet: „Bei mir hat es in Frankfurt angefangen. Ich habe da schon immer viele Leute gekannt und bin dem damaligen Equipment Manager der Lions, Brad Harrison, der jetzt bei den Edmonton Oilers ist, auf den Sack gegangen. Ronny Lehmann, der jetzt in Salzburg ist, war damals Teambetreuer. Als Brad in Frankfurt aufgehört hat, hat Ronny seinen Job übernommen und der hat mich gefragt, ob ich Bock auf den Job habe.“

Straubings Coach Larry Mitchell äußert sich zu diesem Beruf wie folgt: „Ich glaube, das sind mit die zwei wichtigsten Menschen im Verein. Sie werden oft vergessen, aber sicherlich nicht von mir. Ich bin noch nicht allzu lange hier, aber die Spieler haben mir gezeigt, dass sie die beiden respektieren. Sie legen viele, viele Stunden an den Tag, von denen der normale Eishockeyfan nichts sieht.“ Großen Respekt vor dem Einsatz der Betreuer hat er seit seiner Zeit in Kanada „Ich habe damals, als ich 16 Jahre und in Kanada war, die Equipment Manager schätzen gelernt. In der Gastfamilie, in der ich gewohnt habe, war Peter Kelly Geschäftsmann, gleichzeitig hat er für unser Team diese Aufgabe ausgeübt. Als ich abends beim Essen zu Hause saß, war Peter nie da. Er war immer im Stadion. Ich glaube, dass mir da wirklich bewusst geworden ist, dass man diese Menschen schätzen und respektieren muss und dankbar sein muss, dass es solche Menschen gibt.“

Doch was machen die Equipment Manager oder Betreuer, damit sie von allen Seiten Lob, Anerkennung und Respekt empfangen. Mit dem Öffnen der Bandentür bei den Spielen ist es lange nicht getan. Wie läuft ein normaler Tag mit einer Eiszeit um 10 Uhr? „Ich komme morgens um halb acht in die Halle und schalte die Kaffeemaschine ein. Wasserflaschen füllen, Bankflaschen vorbereiten, einfach alles vorbereiten, dass sich die Jungs wie zu Hause fühlen“, sagt Ralle und meint weiter: „Die Kabine richte ich schon am Vorabend her. Während die Einheit läuft „haben wir weniger zu tun, man ist halt da, um helfen zu können, wenn was kaputt geht oder so. Die schreien dann schon, wenn sie uns brauchen. Man räumt die Kabine auf, weil vielleicht was auf dem Boden liegt“, berichtet er. Nach dem Training ist großes Aufräumen und Waschen angesagt. „Das sind jedes mal vier Maschinen“, allerdings keine Waschmaschinen, wie man sie zu Hause hat, sondern Geräte die eine Ladung von 11 kg fassen. „Du hast etwa 22 Trikots, 22 Paar Stutzen, die Handtücher und so weiter“, zählt Ralle auf. Bei einem Heimspiel kommt noch einiges dazu. „In der DEL haben wir untereinander vereinbart, dass man keine Handtücher zu den Auswärtsspielen mitnehmen muss. Wenn wir also Heimspiel haben, kommen noch die Handtücher der Gastmannschaft dazu. Mit den Schiri-Handtüchern sind das dann gut zweieinhalb Maschinen extra.“ Schon jetzt ist es eigentlich der Alptraum einer jeden Hausfrau – oder eines Hausmanns.

Dazu kommen dann auch Aufgaben, die nicht so leicht von der Hand gehen. „Naja, man muss ziemlich viel putzen, auch die Toiletten. Andere haben dafür eine Putzfrau, bei uns müssen wir das selbst machen. Das ist jetzt nicht unbedingt ein Highlight“, gesteht Toppo.

Die Stunden, die anfallen sind immens: „An einem Freitagsspiel bin ich bis 0.30 Uhr in der Halle“, sagt Ralf Neiß. Wir haben uns an einem Samstag getroffen. Die Einheit der Tigers war von 17 bis 18 Uhr. „Heute bin ich seit 12 Uhr in der Kabine. In der Regel komme ich gegen 19.30 Uhr aus der Halle.“ Spätestens jetzt ist klar, dass der Job sehr zeitintensiv ist. „Auf jeden Fall“, sagt Ralle und überlegt kurz: „Im Monat komme ich auf etwa 300 Stunden.“

Zudem bieten die Tigers ihrem Team einen Service, den bei weitem nicht alle Clubs haben. „So wie wir machen das eigentlich nur noch Berlin und Köln und ab und zu Ingolstadt. Alle anderen fahren im Bus mit. Wir fahren mit unserem Transporter voraus, laden alles aus und richten die Plätze in der Kabine her. Für die Spieler ist das relativ stressfrei, die können gleich ins Hotel, essen und schlafen. Die müssen sich eigentlich nur auf ihren Job konzentrieren“, erzählt Toppo. Bei den Spielern kommt das gut an, so sagt Sören Sturm: „Viele Clubs fahren nicht extra mit einem Transporter vor, um die Taschen auszuräumen. Das ist echt eine gute Sache. Die beiden haben meinen absoluten Respekt.“ „Wir hoffen schon, dass sie uns das anrechnen, aber wir haben auch schon andere gehabt. Wenn wir das nicht so gemacht haben, wie sie wollen, sind die gleich zornig geworden, das waren aber nur ein oder zwei“, weiß Toppo zu berichten.

Zu all diesen Tätigkeiten kommen Besorgungsfahrten, Einkaufen gehen, Materialbestellungen, Spieler vom Flughafen abholen, Umzüge der Spieler organisieren, Möbelpacker beim Umzug, neue Wohnungen einrichten und im Sommer ist man auch noch der Hausmeister der Spielerhäuser, mäht den Rasen und sieht nach dem Rechten. Auch Goalie Dustin Strahlmeier schätzt die beiden sehr: „Beides super Leute. Keiner in der Kabine hat ein Problem mit ihnen. Die machen alles fürs Team. Wenn irgendwas kaputt geht, sind sie immer gleich da und kümmern sich um die Sachen.“

Der Job beinhaltet aber auch einen pädagogischen Beruf. „Wenn mich jemand fragt, was ich mache, sage ich, ich bin Kindergärtner für Erwachsene“, lacht Ralle. Toppo meint dazu: „Manchmal schon. Nicht immer, aber manchmal sind auch welche dabei, die wären ohne uns ziemlich aufgeschmissen.“

Lesen sie morgen, was Thoralf „Toppo“ Rolke und Ralf „Ralle“ Neiß für Typen sind und welche Macken sie haben.


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