Eishockey-Statistik(er) ein lästiges Anhängsel?

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Nach dem nun alle Saisonentscheidungen gefallen sind, kann man ich auch mal meine Gedanken rückblickend Revue passieren lassen. Diese Gedanken und Rückblicke erfolgen aus der Sicht eines Eishockey–Statistikers, den man in der DEL offiziell auch als Scout (Spielbeobachter) bezeichnet. Ursprünglich kennen viele Eishockeyinteressierten den Begriff „Scout“ eher aus weltweiter Beobachtung Spieler zu sichten, in großem Maße für die NHL oder nahe liegend für Europa u.a. dort die DEL.

Bei einer näheren Betrachtung treffen die Gedanken, Rückblicke und Überlegungen nicht nur auf eine einzelne Person, sondern auf das Gros dieser Zahlenjongleure zu. Zunächst fällt auf, dass die spezielle Gruppe der Statistiker wieder und wieder mit den Zeitnehmern verwechselt werden. Hierbei ist aber eine klare Arbeitsteilung gegeben. Wir Eishockey-Statistiker sind zumeist Zahlenzulieferer zum Spielberichtsbogen, bzw. der Statistikseite auf del.org. Hier liegt eigentlich unsere Hauptaufgabe.

Es kommt auch vor, dass die Trainer nicht nur den Ersatztorwart, sondern auch Leute aus unseren Bereichen zum Statistikdienst anfordern. Wer von uns könnte da schon „nein“ sagen? Nur sollte dann auch der Verein eine weitere Eintrittskarte zur Verfügung stellen.

Vor zwei Jahren wurde durch die DEL beschlossen, dass die Vereine pro Spielzeit lediglich zwei Statistiker zur Verfügung stellen müssen. Wenn man von zwei Mitarbeitern pro Match ausgeht, sollte man bedenken, dass zum Beispiel ein natürliches Bedürfnis während des Spieles von der DEL aus als nicht notwendig angesehen wird. Hierbei kann ich unsere Kolleginnen und Kollegen in diesen Stadien nur bedauern. Eines steht ganz klar fest: Drei Scouts pro Spiel sollten mindestens die Arbeit aufnehmen.

Was aber genau wird durch die Statistiker ermittelt?

An erster Stelle muss der Beobachter genau wissen, welche Spieler sich überhaupt auf dem Eis befinden? Dieses Wissen ist die eigentliche Grundvoraussetzung. Dann folgen die eigentlichen Aufgaben:

Notiert werden alle Torschüsse, die direkt auf das Tor gehen und den Goalie zu einer Abwehraktion zwingen. Ein Schuss an die Latte oder Pfosten des Tores wird als „vorbei“ gewertet. Diese, wie auch alle andern Schüsse, die direkt neben oder über das Tor gehen, erscheinen nicht in den Statistiken. Diese Regelung ist auch international geltend.

Als weitere Statistik erfolgt die für viele auf den ersten Anschein hin als die „ einfachste“ bezeichnet wird. Die Bullybilanz. Wenn man aber diese Ermittlung näher beleuchtet, fallen einige Besonderheiten auf. Das direkte Bully dauert eigentlich nur Sekundenbruchteile, hierbei ist aber nicht die gesamt Prozedur eines Anspieles (Bully) berücksichtigt. Wie oft hat man sich als Zuschauer schon geärgert, bevor der Linesman den Puck zum Anspiel überhaupt einwirft.

Da es beim Bully verschiedene Varianten gibt, muss man genau hinsehen, wie zum Beispiel die Schlägerhaltung gegeben ist. Zieht ein Spieler die Scheibe zurück?–meist ist es der Angreifer in der rechten Position beider Bullyspieler der versucht, die Scheibe möglichst zurück an die blaue Linie zu bringen um die Verteidiger in eine gute Schussposition zu ermöglichen. Hin- und wieder kommt es vor, dass der Spieler direkt vom Bully aus versucht einen Torschuss anzubringen. Und wenn er dann auch noch trifft, sieht dies schon sehr spektakulär aus.

Eine Statistik die immer wieder mal fragen aufwirft, die viele neue Fans dieser Sportart zunächst vielleicht etwas verwirrt, ist die „Plus-Minus-Bilanz“. Aber nach einigen Spielbesuchen wird der Fan schnell dahinter kommen, wie sich diese Bilanz darstellt. Wie schon Eingangs erwähnt, ist hierbei zunächst absolut notwendig zu wissen, welche Spieler sich auf dem Eis befinden.

Zunächst gehen wir davon aus, dass beide Teams sich bei gleicher Anzahl der Spieler auf dem Eis befinden. Schießt nun eine Mannschaft ein Tor, so erhält jeder Spieler (der Torhüter ist bei dieser Bilanz ausgenommen) diese Mannschaft ein Plus (+). Im Gegensatz hierzu erhalten die Spieler der Mannschaft, die das Tor erhalten hat ein Minus (-). So entwickelt sich ähnlich der Skorerbilanz von Spieltag zu Spieltag eine eigene Wertung.

Auf eine Besonderheit dieser Plus-Minus Statistik, die von vielen Zuschauern, die sich auch zu den Fachleuten dieser Sportart zählen, falsch interpretiert wird, soll an dieser Stelle hingewiesen werden. Sollte eine Mannschaft in Unterzahl ein Tor erzielen, erhalten auch hierbei die Spieler ein Plus. Der Gegner (spielt in Überzahl) entsprechend das Minus.

Fragt man den ganz normalen zahlenden Fan wie Sie oder Er ein Spiel betrachtet, kommt meist zur Antwort, dass eher eine lockere Spielbetrachtung angesagt ist. Oft vertieft in einem Plausch mit dem Begleiter oder Nachbarn zur rechten- oder zur linken Seite. Auch mal einen Blick riskierend in das weite Rund des Stadions. Die anderen Zuschauer / Fans mal eben beobachten. Dies kann ein Scout eigentlich fast gar nicht. Sehr oft hört der Statistiker den Ausspruch: „Nein, das wäre nichts für mich. Da wüsste ich ja gar nicht wo ich überhaupt anfangen sollte. Da würde ich sehr schnell den Überblick verlieren.“

Man muss schon „positiv bekloppt sein“, um so was zu machen!“

Diesen Satz habe ich vor einigen Jahren in Köln von einem Journalisten zu hören bekommen. Und wenn ihr es auch nicht glaubt, ich habe mich darüber gefreut. Denn dieser Satz sagt eigentlich die absolute Wahrheit aus. Eines steht ganz klar fest. Interesse für Statistiken, Tabellen und Bilanzen sollte schon vorhanden sein.

Interessant ist jedoch die Tatsache, dass viele Sportereignisse allgemein mit Statistiken/Bilanzen beginnen. Wie oft hört man bei Übertragungen aus dem Fernsehen oder Hörfunk, „Es ist das Länderspiel Nr…, bei der entsprechenden Anzahl von Siegen, Unentschieden und Niederlagen“. „Das der Torschütze jetzt schon das Tor Nr… erzielt hat, bei einer Anzahl von ..Länderspielen“. Da fallen einem schon auf Anhieb sehr viele Werte ein, die immer wieder erwähnt werden. Auch das nennt man Statistik.

Man denke nur an die Fußball-WM 2006. Jürgen Klinsmann -ein Trainer mit modernen Methoden- setzte auf ein komplettes Statistikteam. Er hatte die detaillierte Statistik für den Fußball entdeckt.

Zum Schluss dieser Statistik(er) – Beweihräucherung soll auch den vielen ehrenamtlichen Statistikern einfach nur für die geleistete Arbeit ein herzliches Dankeschön gesagt sein. Wenn es auch von Seiten der DEL und der Vereine eher zurückhaltend -wenn man es freundlich ausdrücken möchte- behandelt wird, lassen wir Statistiker uns jedoch von dieser faszinierenden Sportart, von unserer Arbeit nicht abbringen.

Einen speziellen Wunsch habe ich noch. Ein Treffen (aber mit Unterstützung der DEL) von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der DEL. Einfach mal ein kennen lernen und Gedankenaustausch oder Hilfestellung zu allgemeinen Fragen, an denen, zumindest die vielen jungen Statistiker, interessiert sind. Aber bis jetzt zeigt die DEL-Spitze einfach die „kalte Schulter“. Man sollte eher aufgeschlossen sein für dieses Anliegen. Denn ein solches beabsichtigtes Treffen könnte mit Sicherheit dazu beitragen, die Fehler zu minimieren. „Oder interessiert das die DEL nicht?“ Sind Eishockey-Statistik(er) ein lästiges Anhängsel?

Am Rande erwähnen möchte ich, dass seit Jahren ein gutes Statistiker-Verhältnis zwischen Düsseldorf und Köln besteht, zwei Mannschaften, die sich ja überhaupt nicht leiden können – oder?

Selbstverständlich stehe ich und auch das Forum von Hockeyweb für Euch in allen Fragen, vor allem unsere Arbeit betreffend zur Verfügung. Zumindest versuche ich zu helfen wo es nur geht.

Auch wenn es sich vielleicht so anliest, diese Zeilen stammen nicht von einem frustrierten, sondern immer noch begeisterten Eishockey-Statistiker.

Gruß

Peter Neuhaus

kp.neuhaus (at) online.de

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