Eishallen-Situation in Krefeld: Verhandlungssache KöPaHinterfragt

Die Fans der Krefeld Pinguine können erstmal aufatmen. (Foto: dpa)Die Fans der Krefeld Pinguine können erstmal aufatmen. (Foto: dpa)
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Der Leserbrief im Wortlaut:

Verhandlungssache KönigPalast und warum heißt er noch so?

Fabelhaft war es seinerzeit, als Krefeld sich einen Palast leistete, der eigentlich nie hätte gebaut werden dürfen. Dass er aber nun turnusmäßig dafür sorgt, dass Krefelds Aushängeschild nun zusätzlich zu den Managementfehlern auch noch durch Verhandlungen um einen Mietvertrag negative Schlagzeilen erzeugt, muss ein Ende haben. Die Krefeld Pinguine wurden von Anfang an benutzt, um die Defizite der SWH GmbH (anm.dRed. Seidenweberhaus GmbH) zu entlasten. Das Bier, welches im KöPa dennoch über die Theken gereicht wird, stammt nicht aus der Krefelder Brauerei, also keinem lokalen Unternehmen. Für einen Klub wie die Krefeld Pinguine bedeutet so eine fehlende Partnerschaft einen Wettbewerbsnachteil im mittleren sechsstelligen Bereich.

Wir haben eine lokale Brauerei, die gutes Bier braut und sich für sehr viele Institutionen in Krefeld einsetzt. Es gibt Zeit, dass diese Brauerei, ein lokaler Arbeitgeber, hier Fuß fassen kann. Der Palast wird zu keinem Zeitpunkt schwarze Zahlen schreiben können, wenn er so betrieben wird wie es jetzt der Fall ist. Es wäre sinnvoll, den KöPa an die Krefeld Pinguine für einen symbolischen Euro zu verkaufen und den Pinguinen im Gegenzug einen Instandhaltungspauschale zu zahlen, anstelle der Defizite in Millionenhöhe. Die Krefeld Pinguine hätten damit die Chance nach Vorbild des SC Bern langfristig etwas Großes aufzubauen. Das setzt allerdings voraus, dass Wolfgang Schulz endlich das Ruder übergibt, denn mit einem Wolfgang Schulz ist ein Aufbau moderner Strukturen nicht möglich. Eishockey ist die DNA der Stadt Krefeld hieß es vor den Wahlen von OB Frank Meyer, in Sachen Eishockeystandort ist es aus der Politik nach den Wahlen ziemlich ruhig geworden. Es gibt Zeit für weitere Bewegungen auch beim Thema Eishallen.

Zunächst gilt es für Außenstehende ein paar Dinge zu erklären, denn die Verhältnisse in Krefeld bedürfen mitunter eines Kompasses. Wer oder was ist die Seidenweberhaus GmbH und wie ist sie mit den Pinguinen verflochten? Holger Kuhlmann erklärt: „Die Seidenweberhaus GmbH ist einen 100-prozentige Tochter der Stadt Krefeld und ist Betreiber und Verwalter des Seidenweberhauses und des KönigPalastes. Die SWH GmbH gibt das aber nur ungerne aus der Hand. Geschäftsführer ist Paul Keusch, der für die jeweiligen Veranstaltungen verantwortlich ist.“ Bis jetzt hört sich das noch nicht schlimm an. Kuhlmann weiter: „Der Nachteil daran ist, dass, wenn die Pinguine mit Sponsoren sprechen, sie sich mit der SWH GmbH nicht nur abstimmen müssen, sondern von den Einnahmen auch einen Teil an diese weiterreichen, was natürlich ein klarer Wettbewerbsnachteil ist.“

Der KönigPalast verdankt seinen Namen der Duisburger König-Brauerei, die sich 2003 für den Schnäppchenpreis von rund fünf Millionen Euro die Namens- und Ausschankrechte sicherte. Seit 2004 gehört die Brauerei der Bitburger Holding GmbH. An den Rechten hat sich aber nichts mehr geändert. Somit hat die Krefelder Brauerei Königshof, die laut Kuhlmann durchaus Interesse hätte, keine Chance ihr Bier in der Halle zu verkaufen. Dies scheint aber verhältnismäßig das kleinste aller Probleme zu sein.

Wenn man die Kosten sieht, fällt einem nur der Spruch von der alten Frau ein, die dafür lange stricken muss. Holger Kuhlmann hat belastbare Zahlen: „Die SWH GmbH hat alleine an Eis- und Bereitstellungskosten von rund 600.000 Euro pro Jahr. Wenn man nun die Miete von 320.000 Euro dagegen rechnet,  sind das immer noch fast das Doppelte an Kosten.“ Kuhlmann erklärt weiter: „Der KönigPalast fährt jährlich ein hohes Defizit ein, weil man darin angeblich keine Veranstaltungen abhalten könnte, da die Pinguine alles blockieren und nur Geld kosten.“ Falls dem so ist, wovon man ausgehen muss, dann wäre es fast logisch, dass der Hallenbetreiber kein allzu großes Interesse an einer Verlängerung des Mietvertrages hat. Doch nun wird es fast schon skurril. Kuhlmann: „Der Vertrag liegt laut Ratsmitgliedern bereit zur Unterschrift. Das tat er schon im Dezember und damals hat die Seidenweberhaus GmbH den Pinguinen ein Angebot über knapp 45.000 Euro Miete gemacht.“ Das wäre ein erheblicher Nachlass zur bisherigen Miete, doch so einfach ist das nicht, denn es gibt noch Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz. Holger Kuhlmann berichtet: „Offenbar gab es die Möglichkeit, einen neuen Mietvertrag zeitnah zu unterschreiben, was aber nicht geschehen ist. Stattdessen hat Wolfgang Schulz eine Gegenforderung gestellt und wollte an den Einnahmen das Caterings beteiligt werden, da ihm sonst eine halbe Million entgeht. Das geht aber nicht, da der Vertrag mit dem Caterer erst geschlossen wurde und eine längere Laufzeit hat. Den kann man ja nicht von heute auf morgen vor die Tür setzen.“ Trotzdem soll sich da vielleicht etwas tun: „Nun soll das Catering aber neu ausgeschrieben werden, da die Pinguine dieses selbst übernehmen wollen.“ 

Einen erfolgreichen Vorreiter dazu hat man sogar in den eigenen Reihen. „Matthias Roos hat einst das Catering in Bad Nauheim auch aufgebaut“, erzählt Kuhlmann „sodass der Club bis zu 300.000 Euro daran verdient. Das Roos das auch in Krefeld umsetzten kann, traue ich ihm alle mal zu.“ Noch leichter geht das natürlich, wenn einem die Halle gehört Daher Kuhlmanns Idee, diese für einen symbolischen Euro zu veräußern. Die Seidenweberhaus GmbH hatte die defizitäre Halle los und die Pinguine wären Herr im eigenen Haus. Hier kommt auch das Vorbild SC Bern ins Spiel: „Bern war auch kurz vor dem Konkurs, dann hat ein neuer Geschäftsführer alles übernommen, inklusive Gastronomie und hat diese aus- und aufgebaut. Alleine dadurch gehen Millionen in die Kassen der Berner. Jedes Getränk und jede Bratwurst die verkauft wird, fließt in die Kasse des SC Bern.“

Ein weiteres Problem ist die Laufzeit des Vertrags, denn die SWH GmbH hätte wegen der Planungssicherheit gerne mindestens drei Jahre, lieber fünf Jahre, doch Wolfgang Schulz will nur ein Jahr, da er eigentlich schon nach dieser Saison aussteigen wollte. „Nun macht er noch ein Jahr, will aber dass die Stadt die kompletten Pinguin-Kosten bezahlt, sodass er keine Kosten mehr hat. Er wird den Etat soweit runter fahren, dass er nichts mehr aus eigener Tasche bezahlt. Damit bleiben auf der Einnahmenseite der Pinguine das, was die Stadt, das Sponsoring und die Zuschauer bringen.“ Ob das dann für eine DEL-Mannschaft reicht, ist mehr als fraglich. Nun wird auch klar, warum man den Abgang von Marcel Müller hinter vorgehaltener Hand gar nicht so sehr bedauert.

Matthias Roos äußerte sich kürzlich in einem TV-Interview zwar vorsichtig optimistisch, dass ein Mietvertrag zustande kommt, doch beim Betrachten der Zahlen und der Konstellation, kommt das eher der Taufe der Titanic gleich, denn einer tragfähigen Dauerlösung. Man darf gespannt sein und muss den Krefeld Pinguinen alle Daumen drücken.