Eisbären zu früh zu euphorisch – Adler siegen in Berlin

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Schnell enthüllte Eisbären-Kapitän Steve Walker vor 4500

Zuschauern im Wellblechpalast noch das Meisterbanner für den zweiten Titel der

Hauptstädter in der vergangenen Saison, dann ging es auch schon los mit dem

ersten Heimspiel gegen die stark aufgerüsteten Adler aus Mannheim. Man merkte

beiden Teams an, dass sie noch am Anfang der neuen Spielzeit stehen, vieles

passte noch nicht zusammen, insbesondere in den Abwehrformationen ging es

beiderseits mitunter drunter und drüber. Am Ende behielten dann aber die

abgezockteren Mannheimer mit einem hart erkämpften 6:5-Sieg im Hohenschönhauser

Sportforum die Oberhand.

„Wir sind glücklich über diesen Erfolg.“, bekannte Mannheims

Coach Greg Poss nach der für die Zuschauer unterhaltsamen Begegnung, die

reichlich Tempo und Action bot, aber eben auch reichlich Fehler, die zu

insgesamt 11 Toren führten und den Trainern hüben wie drüben die Zornesfalten

ins Gesicht trieben. Dabei schien es für die Adler zunächst wie gewünscht zu

laufen, da sie schon in der vierten Spielminute durch Verteidiger Butenschoen

bei eigener, doppelter Überzahl in Führung gingen. Danach aber ging ein

deutlicher Ruck durch die Truppe von Eisbären-Coach Pierre Pagé und das Tempo

der Berliner zog ebenso deutlich an, wie sich die Chancen vor dem Tor von

Gäste-Goalie Ilpo Kauhanen häuften. Gerade im Powerplay kreiselte der Puck in

den Reihen der Eisbären ganz ordentlich und manch einer auf den Rängen mochte

schon mit der nachlässigen Chancenverwertung der Hausherren hadern, da schritt

Schieri Rick Looker plötzlich zum Videobeweis und erkannte auf Tor für den

Meister. Als mehrere Spieler vor dem Adler-Gehäuse wild durcheinander gepurzelt

waren, muss der Puck irgendwie die Linie überquert haben – 1:1 (15.). Der

glückliche Ausgleichtreffer wurde letztlich EHC-Defender Deron Quint

gutgeschrieben.

Im Mittelabschnitt standen die als Meisterschaftsfavorit

hoch gehandelten Adler kurz davor, vom mit Förderlizenzspielern gespickten

Eisbären-Team entzaubert zu werden. Ganz besonders taten sich hier die Stürmer

Alexander Weiß und Constantin Braun hervor, die für ordentlich Wirbel im

Drittel der Mannheimer sorgten. Für das Tor zum 2:1 in der 25. Spielminute

zeichnete jedoch einer der erfahrenen EHC-Cracks verantwortlich: Mark Beaufait

netzte - wieder in Überzahl - nach Vorarbeit von Quint und Roach zur umjubelten

Berliner Führung ein. Die Antwort der Gäste folgte aber auf dem Fuße, als

Nationalspieler Christoph Ullmann noch in der selben Spielminute den Ausgleich

markierte. Als die Adler glaubten, dem Spuk ein Ende bereitet zu haben, brachte

Sven Felski seine Farben nur wenig später erneut in Führung – 3:2 (27.). Nach

weiteren klaren Gelegenheiten für Florian Busch und Andy Roach hatte

Ex-Nationaltrainer Greg Poss erstmal genug gesehen und nahm eine Auszeit.

Überhaupt wirkte der Amerikaner hinter der Bande der Adler recht angespannt und

wütete dort nicht selten wie das altbekannte „HB-Männchen“.
Wirklich verstanden hatten seine Mannen die kurze, umso

heftigere Ansage aber vorläufig wohl nicht, denn ein weiteres Powerplay führte

zum 4:2-Treffer durch Christoph Gawlik, der Kauhanen bei seinem knackigen

Schuss nicht die geringste Abwehrmöglichkeit ließ.
Jetzt, so spürte man, war die Euphorie bei den jungen

Berlinern groß. Wie sich herausstellen sollte: zu groß! Eine dumme Strafe von

Marcel Müller leitete die Wende im Spiel ein. Im Allgang besorgte der

Ex-Nürnberger Francois Methot den 4:3-Anschluss, wobei Eisbären-Keeper Youri

Ziffzer nicht allzu gut aussah. Gegen den nicht ganz unumstrittenen Penalty -

verschuldet durch Eisbären-Defender Cole Jarrett -  von Methot nur wenige Sekunden vor der

zweiten Pausensirene, war Ziffzer allerdings machtlos – 4:4.

Im Schlussabschnitt zeigten die Adler endlich, dass ihre

„Jetzt erst recht!“-Kampagne nicht nur aus lauwarmer Luft besteht und stellten

ihre Routine unter Beweis, wohingegen die Hausherren ihren Spielfaden komplett

verloren zu haben schienen. Selbst das Überzahlspiel, das doch kurz zuvor noch

so bemerkenswert gut funktionierte, klappte nun nicht mehr. Denn in einem

solchen erzielte René Corbet per Shorthander die 5:4-Gästeführung (48.).

In der 53. Spielminute brandete noch einmal an diesem Abend

der Torjubel der Eisbärenfans auf, als Patrick Jarrett einmal mehr im Powerplay

den Ausgleich zum 5:5 markierte, aufgelegt hatte ihm sein älterer Bruder Cole.

Doch dann war wirklich Schluss mit der Eisbärenherrlichkeit. Edi Lewandowski

zog den Berlinern in der 55. Spielminute endgültig den Zahn. Und wieder machte

EHC-Goalie Youri Ziffzer dabei keine gute Figur. Schade drum, hatte man doch

die wirklich eminent stark besetzten Adler zwischenzeitlich schwindelig

gespielt.

Pierre Pagé haderte so nach dem Spiel durchaus zu Recht mit

dessen Ausgang und machte hauptsächlichdie fehlende Intensität im

Schlussabschnitt und mangelnde Disziplin für die unnötige Niederlage

verantwortlich. Der Kanadier appellierte für die kommenden Spiele an seine

Mannschaft: „Nur mit Disziplin ist der Erfolg möglich!“

(mac/ovk)

 

EHC Eisbären Berlin –

Adler Mannheim 5:6 (1:1; 3:3; 1:2)

 

Tore:

0:1 (03:52) Butenschoen – Methot PP2

1:1 (14:23)

Quint – Busch/ Walker PP

2:1 (24:13)

Beaufait – Quint/ Roach PP

2:2 (24:54)

Ullmann – Lewandowski/ Kink

3:2 (26:17) Felski – Beaufait/ Hördler

4:2 (33:38) Gawlik – Fairchild/ Felski PP

4:3 (37:27)

Methot - / PP

4:4 (39:46)

Methot (Penalty)

4:5 (47:07)

Corbet – Forbes SH

5:5 (52:39) P. Jarret – C. Jarrett PP

5:6 (54:42) Lewandowski – Trepanier/ Forbes

 

Schiedsrichter: Rick

Looker

Strafen: Berlin 20/ Mannheim 28

Zuschauer: 4500


Foto by City-Press


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Iserlohn Roosters Iserlohn
4 : 3
Straubing Tigers Straubing
Freitag 23.02.2024
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
- : -
Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
EHC Red Bull München München
- : -
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Düsseldorfer EG Düsseldorf
Adler Mannheim Mannheim
- : -
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
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