Eisbären: Vorrunde wieder hui - Playoffs aber pfui?

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Wie schon in der Vorsaison zieren die Eisbären aus Berlin die Tabellenspitze des DEL-Klassements. So dominant wie vor Jahresfrist sind die Hohenschönhauser zwölf Monate später allerdings nicht - die Konkurrenz hat spürbar nachgezogen. Skeptiker befürchten einen erneuten Einbruch in der Meisterrunde der besten Acht - Optimisten dagegen machen gänzlich andere Vorzeichen aus, die den Griff nach der „Meisterschüssel“ in diesem Jahr realistisch erscheinen lassen. Neun Spieltage vor den Playoffs schauen wir auf die aktuelle Spielzeit zurück und versuchen zu ergründen, welche Fraktion auf der richtigen Fährte ist.



Als Pierre Pagé seinen Vorgänger Uli Egen auf der Position des Cheftrainers ablöste, stellte er zum Ziel die damals starken Leistungsschwankungen auf möglichst hohem Level nivellieren zu wollen. Der Unterschied zwischen schwächster und stärkster Leistung sollte nicht mehr so drastisch ausfallen, wie bisher. Dazu zeichnete Pagé zur allgemeinen Veranschaulichung erst eine Wellenlinie mit tiefen Tälern und hohen Bergen in die Luft, um dann zu flacher werdenden Kurven überzugehen. Dieses Ziel hat der NHL erfahrene Kanadier weitestgehend erreicht - Ausreißer nach unten gibt es mitunter aber dennoch, wie das bei der Konkurrenz heimliche Schadenfreude auslösende 5:10 beim Abstiegskandidaten Freiburg vor dem Jahreswechsel. Ähnliche Fehlleistungen gehören in der Bilanz der Berliner jedoch eher zu den Raritäten. Bei weitem häufiger sind Positivserien geworden.

Unterteilt man die Saison in Blöcke á fünf Spiele, wird deutlich warum die Eisbären nur für wenige Spieltage von Tabellenplatz 1 verdrängt werden konnten. In der Serie von Spiel 21 bis 25 wurde mit 8 Punkten die bisher niedrigste Ausbeute eingefahren, 12 waren der Höchstwert, ansonsten fanden nicht weniger als 9 den Weg aufs Punktekonto.

Allerdings, und das ruft die Pessimisten auf den Plan, kamen die Eisbären zuletzt, wie schon in der Vorsaison, an einen Punkt, wo es ihnen sichtlich schwerer fiel vor allem gegen schlechter platzierte Gegnerschaft das Eis als Sieger zu verlassen. Niederlagen gegen Kassel, Iserlohn oder den abgestürzten Meister aus Krefeld mögen das belegen und erinnern eben fatal an die vergangene Spielzeit, deren plötzliches Ende dem EHC-Anhang noch tief in den Kleidern hängt. Damals wie heute galten die Eisbären wegen ihres zum Teil begeisternden Offensiv-Eishockeys als einer der ausgemachten Meisterschaftsfavoriten. Vom spielerischen Glanz am Saisonbeginn ist auch jetzt nicht mehr viel geblieben - manch Sieg kommt eher glücklich zustande, wird mehr erkämpft als erspielt. Dem Perfektionisten Pagé stinkt das gewaltig und nicht immer gelingt es ihm seinen Unmut zu verbergen. Doch Pagé wäre nicht Pagé hätte er für diese Entwicklung keine Begründung: „Wir sind jeweils in einer überraschenden Frühform, während dessen andere Teams noch nach ihrem System und mannschaftlicher Geschlossenheit suchen. Das verschafft uns zu Saisonbeginn Vorteile, gleicht sich im weiteren Verlauf aber aus.“ Genau diese Erkenntnis lässt Pagé seine Hauptforderung an sein Team immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen: „Wir müssen besser werden!“

Andererseits macht gerade der EHC-Coach Signale aus, die einer traurigen Wiederholung des letztjährigen Playoffs-Aus entgegen stehen: „Wir werden viel mehr gefordert als zuvor. Wir haben von Anfang an mit vielen Ausfällen kämpfen müssen, das hat die Mannschaft gefestigt.“ In der Tat, und jetzt kommen die Optimisten ins Spiel, fehlten den Eisbären von Saisonbeginn an durchschnittlich drei Spieler pro Begegnung. Für in dieser Form unerwartete Kompensation sorgten die reichlich vorhandenen Förderlizenzspieler. Young Guns wie Florian Busch, André Rankel, Frank Hördler oder Tobias Draxinger sind inzwischen kaum noch aus dem DEL-Kader wegzudenken. Ein Alex Barta vollzog einen weiteren Leistungssprung und lässt vergessen, dass er eigentlich auch noch zum Kontingent der Nachwuchscracks gehört. Das blieb auch Nationaltrainer Hans Zach nicht verborgen, der Barta zu den Testspielen gegen Österreich und den Skoda-Cup ins Team Germany berief. Draxinger, Hördler, Rankel, Busch, Forster, Andreowsky und Flynn weilen aktuell mit der von Klaus Merk und Harald Kuhnke betreuten U19-Auswahl bei einem Fünf Nationen Turnier in Finnland. Für die Optimisten auch belegtes Beispiel, dass der Kader der Eisbären in der Tiefe besser besetzt ist und zudem noch manch Talent im Verborgenen des Regionalliga-Teams schlummert.

Deutliche Verbesserungen waren zuletzt im Defensivbereich auszumachen. Hatte man am Ende der vergangenen Vorrunde von allen Playoff-Teilnehmern die siebtmeisten Gegentore hingenommen, so belegt man in dieser Rubrik derzeit nach Hamburg und Ingolstadt den dritten Platz. Hier spielt sicher eine Rolle, dass der mit der Verpflichtung von Rich Parent erhoffte Konkurrenzkampf mit Oliver Jonas auf der Goalieposition wie gewünscht entbrannt ist. Beide zeigten in den zurückliegenden Spielen zum Teil überragende Leistungen, weshalb Pagé die Wahl seiner Nummer 1 für die Play Offs ausgesprochen schwer gemacht wird. Bei weitem nicht alle möglichen Endrunden-Konkurrenten verfügen über ein ähnlich gutes Torhütergespann.

Unverändert gut ist das Überzahlspiel der Berliner geblieben. Statistisch gesehen nutzten sie jedes vierte Powerplay zum Torerfolg, denn bei glatt 25% führen die Eisbären mit einigem Abstand diese Statistik an. Auch in Unterzahl gehören die Hohenschönhauser mit einer Effizienz von 85,88% zu den vier Top-Teams.



Trotz der guten Ergebnisse vor der Pause beklagte Pagé, dass sich viele seiner Cracks auf sehr unterschiedlichem Niveau befinden, was es schwierig macht in den Wochen bis zum Restart der DEL ein einheitliches Trainingsprogramm zu absolvieren. „Einige bräuchten wegen der zuletzt hohen Belastung eigentlich Urlaub. Andere wollten oder müssten in ein mehrwöchiges Trainingslager, wieder anderen fehlt es an Spielpraxis - für die kommt die Unterbrechung eher ungelegen.“, so der EHC-Coach. Dennoch hofft Pagé, dass er ab dem 12. Februar ein vollzähliges aber vor allem intaktes, weil motiviertes Team zur Verfügung hat. In jedem Fall werden die Stürmer David Roberts und Florian Keller nach ihren langwierigen Verletzungen in den Kader zurückkehren. Nur Jeff Tomlinson wird den Eisbären beim erneuten Angriff auf die Meisterschale nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Nachwirkungen des vor mehr als zwölf Monaten zugezogenen Kreuzbandrisses verhindern die Fortsetzung der Karriere des einstigen Bullyspezialisten.

Ausgiebig wurden die Umstände ausgewertet, die den Traum von der Meisterschaft in Krefeld platzen ließen, nunmehr gilt es den Beweis anzutreten, dass man aus seinen Fehlern gelernt hat. „Der Spannungsbogen muss straff gespannt bleiben, Nachlässigkeiten dürfen im Gegensatz zum Vorjahr nicht zugelassen werden.“, wissen auch die Verantwortlichen um Manager Peter John Lee.

Die Frage, ob das Team von Pierre Pagé nun zum großen Wurf bereit ist, darüber werden die letzten neun Begegnungen der Vorrunde einen ersten Aufschluss geben. Indizien für Pro und Kontra lassen sich ohne weiteres finden - abschließend beantwortet wird diese Frage allerdings spätestens erst im April - darüber sind sich selbst Optimisten wie Pessimisten einig. (mac/ ovk/ Radio Eiskalt)

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