Eisbären von Krefeld kalt erwischt

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Krefelds Coach Teal Fowler hatte es zuvor angekündigt: „Wir

müssen gegen Berlin einfach spielen, den Kopf oben behalten und uns nicht von

der Atmosphäre im Wellblechpalast beeindrucken lassen. Wenn wir unsere

Fehlerquote niedrig halten, dann ist etwas möglich für uns in dieser Serie,

auch weil niemand mit uns rechnet“. Gesagt – getan, der vermeintliche Underdog

vom Niederrhein entschied Spiel 1 der Viertelfinalserie bei den Eisbären

hochverdient mit 4:2 für sich!

Schon in der 6. Spielminute brachte Pinguin-Stürmer Herberts

Vasiljevs bei einem Break nach starkem Steilpass von Goalie Robert Müller die

Gäste mit 1:0 in Führung. Vorausgegangen war diesem Treffer die erste

sehenswerte Angriffsaktion der Hausherren, die Kapitän Steve Walker aber

vergab. Teil 1 des Krefelder Plans war damit erfüllt: Frühzeitig hatte man sich

einen zählbaren Vorteil erarbeitet, auf dem man weiter aufbauen konnte. Die

Hauptstädter antworteten mit wütenden Angriffsversuchen, die jedoch meist schon

im Mitteldrittel von gut gestaffelt stehenden Pinguinen unterbunden wurden.

Darüber hinaus mangelte es der Mannschaft von Pierre Pagé im gesamten

Spielverlauf an der notwendigen Genauigkeit, weshalb es den Gästen leicht

gemacht wurde, ihr Drittel erfolgreich zu verteidigen. Und kamen die Eisbären

dann doch mal gefährlich vor das Tor von Robert Müller, war der mit zum Teil

sehenswerten Paraden zur Stelle. So kam denn, was kommen musste: Zweieinhalb

Minuten vor der ersten Pausensirene erhöhte Ted Drury auf 2:0 für den

Vorrundenachten.

Im zweiten Abschnitt änderte sich das Bild nicht wesentlich.

Verkrampft ging der Titelverteidiger zu Werke und lud die Pinguine weiter durch

individuelle Fehler zu gefährlichen Kontern ein. Ex-Capital Robert Guillet war

es dann, der den Vorsprung der Rheinländer gar auf drei Tore ausbaute (29.).

Und nur knapp zwei Minuten später schlug der Puck sogar zum 4:0 für Krefeld

hinter Eisbären-Keeper Tomas Pöpperle ein. Nach dem zweiten Treffer von Guillet

protestierten die Berliner allerdings vehement, da die Hartgummischeibe von

dessen Schlittschuh über die Torlinie sprang. Hauptschiedsrichter Rick Looker

hatte jedoch keinen Regelverstoß ausgemacht und erkannte auf Tor für Gelb, was

einer Vorentscheidung gleichkam. Selbst eine fünfminütige Unterzahl, welche die

Pinguine noch in die Anfangsphase des Schlussdrittels mitschleppten,

überstanden sie schadlos. Einmal mehr agierten die Berliner zu einfallslos.

Mike Pudlick hatte mit hohem Stock Eisbären-Stürmer Denis Pederson im Gesicht

verletzt, was Looker mit einer Spieldauerstrafe ahndete.

Erst in den Schlussminuten war das Bemühen der Eisbären

zielstrebig genug, um den starken Robert Müller endlich zu bezwingen. Jeweils

im Powerplay trafen Kelly Fairchild (52.) und Mark Beaufait (57.), wobei

EHC-Coach Pagé seinen Torhüter auch noch zu Gunsten eines zusätzlichen

Feldspielers vom Eis nahm. Alles Aufbäumen nutzte aber nichts mehr, die

Niederlage der Eisbären gegen clever aufspielende Pinguine war besiegelt.

Stefan Ustorf analysierte den Spielverlauf nach der

überraschenden Niederlage erstaunlich nüchtern: „Wir haben versucht Druck zu

machen, dabei aber zu viel gewollt ohne unseren Kopf zu benutzen, wobei uns

dann zu viele Fehler unterlaufen sind. Mit Pech hatte das wenig zu tun. Keiner

hat erwartet, dass wir gegen Krefeld Halligalli machen können. Dass das ein

harter Kampf wird, war uns klar. Nun haben wir unser Heimrecht hergeschenkt und

müssen am Freitag auswärts gewinnen. Geschockt sind wir deswegen aber nicht,

dafür ist so eine Serie zu lang.“

(Matthias Eckart/ Oliver Koch)

Foto City-Press: Auch im liegen auf der Höhe des Geschehens - Robert Müller


EHC Eisbären Berlin – Krefeld Pinguine 2:4 (0:2; 0:2; 2:0)

Tore:
0:1 (05:44) Vasiljevs – Müller - EQ
0:2 (17:30) Drury – Blank -EQ
0:3 (28:01) Guillet – Tomlinson/ Köttsdorfer  - EQ
0:4 (30:11) Guillet – Tomlinson/ Jan - EQ
1:4 (51:11) Fairchild – Ustorf/ Walker - PP1
2:4 (56:33) Beaufait – DuPont – PP1

Hauptschiedsrichter: Rick Looker

Strafen: 6/ 15 + Spieldauer (Pudlick)

Zuschauer: 4000