Eisbären: Verspätete Auferstehung nicht ausgeschlossen

Eisbären: Verspätete Auferstehung nicht ausgeschlossenEisbären: Verspätete Auferstehung nicht ausgeschlossen
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Anders als erwartet endete das Osterwochenende für den Vorrundenersten der Deutschen Eishockey Liga, den EHC Eisbären Berlin. Anstatt nach der dritten Begegnung der im Best of Five-Modus ausgetragenen Finalserie um die Deutsche Eishockey Meisterschaft gegen die Frankfurter Lions in Front zu liegen, stehen die Hauptstädter vor Spiel 4 am kommenden Freitag in der Eissporthalle am Bornheimer Hang mit dem Rücken zur Wand.



Was viele Experten und auch Laien befürchteten bzw. vorhersahen, ist eingetreten: Der als hoher Favorit gehandelte EHC kommt gegen die willensstarken Lions ins Straucheln. Ursache hierfür sei vor allem, dass die Ost-Berliner weder im Viertelfinale von der Düsseldorfer EG, noch weniger aber im Halbfinale vom oberbayerischen Emporkömmling, den Panthern aus Ingolstadt, nennenswert gefordert worden seien. In der Tat, glatt mit 4:0 und 3:0 beendeten die Mannen von Coach Pierre Pagé die beiden Serien gegen Konkurrenten, die die Eisbären höchstens ansatzweise an den Rand einer Niederlage bringen konnten. Lediglich die DEG überraschte die Hohenschönhausener mit einer frühen 2:0-Führung im ersten Spiel und zwangen die Berliner in Spiel 2 in die Verlängerung. Beide am ehesten noch als brenzlig zu bezeichnenden Situationen meisterten die Pagé-Schützlinge und gingen jeweils als Sieger vom Eis.

Die Panther hatten gar nur für 10 Minuten im ersten Spiel des Halbfinales so etwas wie eine bescheidene Aussicht auf einen Erfolg. Nach einer Zweitore-Führung der Berliner konnten sie das Ergebnis zwischenzeitlich ausgeglichen gestalten. Dann aber legten die Eisbären eine Schippe drauf und siegten 5:3. Die nächsten beiden Auseinandersetzungen gingen klar mit 4:1 und 5:0 an die Berliner.

Die Eisbären waren da angelangt, wo sie nahezu jeder Beobachter erwartet hatte – im Finale.



Den weit härteren Weg hatten die Lions zu gehen.

In der ersten Runde kreuzte die von Rich Chernomaz gecoachte Truppe die Krummstöcke mit den Kölner Haien, die, wie fast jedes Jahr, zu den Mitfavoriten auf den Titelgewinn gezählt wurden. Doch die „Mainhattaner“ zogen den von Nationaltrainer Hans Zach betreuten Haien in sechs hart umkämpften Partien die wegen zahlreicher Ausfälle von Leistungsträgern stumpf gewordenen Zähne.

Nicht viel anders erging es den Hamburg Freezers. In sieben, mitunter recht torreichen, Spielen behielten die Löwen die Oberhand. Wie schon im Viertelfinale waren es vor allem die Big Boys, die mit Top-Leistungen der favorisierten Gegnerschaft das Fürchten lehrten. Die Sturmreihe um Dwayne Norris, Jesse Belanger und Pat Lebeau sorgte für reichlich Furore und wurde zudem noch vom sich zum Playoff-Ungeheuer entwickelnden Jason Young unterstützt. Auch Lions-Goalie Ian Gordon avancierte ein ums andere Mal zum Erfolgsgaranten. Dabei wurde gerade Gordon im Vorfeld die Playoff-Tauglichkeit mehrheitlich abgesprochen. Zudem gefielen sich die Verantwortlichen in ihrer vermeintlichen Underdog-Rolle. Zu keinem Zeitpunkt vergaßen Manager Lance Nethery und Coach Rich Chernomaz ihre Außenseiterposition zu betonen. Nichts desto weniger betrieben sie damit doch etwas Augenwischerei, denn zu 90% der Vorrunde stritten sich die Frankfurter mit den Eisbären um die Tabellenspitze, ohne dabei nennenswert von der übrigen Konkurrenz belästigt zu werden. Lediglich am Ende der Vorrunde nahmen sich die Hessen eine Auszeit, was sie aus den Heimrecht garantierenden Plätzen 1-4 spülte. Insofern spiegelt der am 52. Spieltag belegte 5. Rang nicht das wahre Leistungsvermögen der Lions wider.

Am Gründonnerstag trafen Lions und Eisbären in der Finalserie erstmals aufeinander und es lief bestens für die Berliner. Klar mit 5:2 wurden die Frankfurter niedergerungen und die sahen dabei nicht sonderlich gut aus. Der Siegeszug der Hohenschönhausener schien sich auch im Finale fortzusetzen. Dann aber kam Spiel 2 in der Frankfurter Eissporthalle und die Begegnung verlief unter völlig umgekehrten Verhältnissen. Die Berliner schienen diesmal seltsam gehemmt und die Lions wirbelten flink durchs Angriffsdrittel. Am Ende hieß es wie in Berlin 5:2, diesmal allerdings für die Hessen.

Spiel 3 stand zunächst wieder ganz im Zeichen der Eisbären. Kurz nach Beginn der Mitteldrittels hatten Steve Walker und Kelly Fairchild eine scheinbar sichere 2:0-Führung heraus geschossen und die Lions mühten sich bis dahin vergeblich. Die Eisbären schafften es dann allerdings auch nicht die Führung weiter auszubauen. Ian Gordon hatte seine Viertelfinalform wieder gefunden. Anschluss- und Ausgleichstreffer waren dann auch nur eine Frage der Zeit. Harder und Belanger sammelten „den Müll“ vor dem Eisbärengehäuse auf. Eine Fähigkeit der Frankfurter, der sie insbesondere gegen die Freezers zum Triumphator werden ließ. Florian Kellers Tor zum zwischenzeitlichen 3:2 war nur ein hoffnungsvolles Intermezzo, was Bresagk mit dem 3:3 erbarmungslos beendete. Den traurigen Schlusspunkt aus Sicht der Berliner setzte der lange verletzte Martin Reichel mit dem 4:3-Siegtreffer für die Hessen in der 10. Minute der Verlängerung. Die Eisbären versanken so im Tal der Tränen und die Lions stehen nunmehr vor dem größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte – dem erstmaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Die Gefahr, dass man nun selbst in die ungeliebte Rolle des Favoriten gedrängt wird, versuchten Chernomaz und Nethery schnell mit dem Tritt auf die Euphoriebremse zu bannen. Dennoch haben sich die Vorzeichen geändert. Nun müssen sich die Lions als das in der „Poolposition“ befindliche Team beweisen. In der Main-Metropole herrscht eine unglaubliche Erwartungshaltung. 50.000 Tickets hätte das Lions-Management für Spiel 4 verkaufen können war zu hören. Die mit den 7000 verfügbaren Karten Ausgestatteten wollen nun am Freitagabend Zeuge der großen Meister-Party werden.

Sportlich gesehen bleibt abzuwarten, ob sich der Vorrundenerste so leicht abfrühstücken lässt. Jedenfalls werden die Berliner alles daran setzen die große Fete zumindest auf Sonntag zu vertagen. Die Stimmung im Team sei gut, erzählt Pagé. „Frankfurt hat es uns doch selbst vorgemacht, wie man in eine Serie zurückkommt. Wir müssen das jetzt nur nachmachen, indem einfach jeder seinen Job tut.“, gibt der kanadische Coach die Direktive aus. Allerdings fordert er von seinen Mannen auch eine höhere Effizienz: „Vor allem im Powerplay müssen wir zulegen. Wir hatten viele Gelegenheiten - müssen sie halt auch nutzen.“

Das Schaffen einer positiven Atmosphäre habe nach der zweiten Niederlage in Folge im Vordergrund gestanden. Videos von Spielen habe man sich angeschaut, in denen die Eisbären stark waren. „Wir haben so getan als hätten wir das letzte Spiel gewonnen.“, sagt der Eisbären-Coach verschmitzt lächelnd.

Und auch die Schlüsselspieler der Eisbären, wie „Bernie“ Parent, geben sich für den bevorstehenden Showdown optimistisch: „Ich bin gut drauf und bereit für große Taten. Nicht zum ersten Mal in meiner Karriere stehe ich in einem Finale, zwei davon konnte ich gewinnen. Wir können das packen!“ Parent wird in Frankfurt das Eisbären-Gehäuse hüten. Lächelnd beantworten auch die anderen Cracks die Fragen der Journalisten. Keiner wirkt besonders nervös. Man schaut in entschlossene Gesichter.

Pierre Pagé fasst es am Ende so zusammen: „Wir müssen zwei Spiele gewinnen und wir glauben, dass wir das können.“ Dass es sich dabei nicht um einen Irrglauben handelt, können - ja - müssen sie nun beweisen!



Der EHC kann am Freitagabend seinen kompletten Kader in die Schlacht werfen. Der zuletzt gesperrte Micki DuPont kehrt nach abgesessener Strafe ins Team zurück und verstärkt wieder die Abwehrformation der Berliner. In den vergangenen Tagen hatten Kelly Fairchild, Rob Leask und Florian Busch noch mit Erkältungen zu kämpfen, können aber in Spiel 4 mitwirken. (mac/ ovk/ Radio Eiskalt)