Eisbären: Vergangenheit und Zukunft – Sieg gegen die Adler

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Beim letzten Heimspiel vor dem Weihnachtsfest im Berliner Wellblechpalast wurde wieder Geschichte geschrieben. Bereits vor dem Spiel enthüllten Torsten Weidemann, Axel Hoppe, Lars Müller und Steffen Karas für das „Comitee Hohenschönhauser Eishockey (CHE e.V.)“ die hinter der Fankurve angebrachten Trikots der im Sportforum längst zur Legende gewordenen ehemaligen Dynamo-Spieler Joachim Ziesche, Dietmar Peters, Dieter Frenzel und René Bielke. Diese Ehrung war der feierliche Abschluss des Jubiläumsjahres rund um das Hohenschönauser Eishockey.


Geschichte wurde ebenfalls auf dem Eis geschrieben. Mit Christoph Gawlik gab ein Young Gun für die Eisbären sein DEL Debüt. Er ist der zweitjüngste Spieler der für die Berliner das Eis in Deutschlands höchster Spielklasse betrat. Gawlik ist nur unwesentlich älter als einst Nico Pyka, der heute aber in den Reihen des Gegners, der Adler Mannheim, stand.

Gekrönt wurde der Nachmittag vor ausverkauftem Haus aus Eisbärensicht noch durch den 4-1 Sieg gegen den Erzrivalen.


Offensiv begannen die Hausherren das Match. Auch in Unterzahl ließen sie den Sturmlauf auf das von Huet gehütete Tor nicht abreißen. Erik Cole oder Steve Walker hatten dabei hochkarätige Chancen. Das Powerplay der Gäste war dagegen weniger erfolgsversprechend. So konnte Leask dem muntreren Angriffspiel die Krone aufsetzen, und traf aus der Distanz zum 1-0 in der siebenten Spielminute. Ruppig und aggressiv, vor allem von Mannheimer Seite her, ging es weiter. Die Eisbären gaben ihre höheren Spielanteile aber nicht ab und erkämpften sich Chancen um Chancen. Eine davon setzte Kelly Fairchild auch produktiv um und erhöhte nach präziser Vorarbeit von Persson und Heins zum 2-0 (18.).


Zum Beginn des Mitteldrittels war dann erst einmal Goalie Oliver Jonas der gefragtere Part im Eisbärenteam. Gegen Angriffsbemühungen der Mannheimer musste er schon einiges gegen bieten, aber auch die bärige Defensive zeigte sich hellwach. Dieser Sturmlauf ebbte aber ab - spätestens als Stefan Ustorf nach einem Pass von Shawn Heins mit einem Alleingang durchs Angriffsdrittel die Eisbären mit 3-0 weiter in Führung schoss (22.). Endlich, so hätte man in der Eisbärenseele denken können, zeichneten sich die Chancen auch mal in der Torspalte des Spielberichtes ab.


Im weiteren Verlauf gaben die Eisbären ihre Spielüberlegenheit nicht ab. Zwar kamen die Adler auch zu Chancen, aber klarere Möglichkeiten hatten Seltenheitswert. Auch durch das teilweise undisziplinierte Auftreten brachten sich die Gäste immer wieder in Unterzahl, welche mehr reagieren als agieren beinhaltete. Dieses taten sie aber nicht schlecht und überstanden sogar eine fast zweiminütige 3-5 Unterzahl schadlos. Nutzte aber alles nichts, denn als sich Christopher Joseph aufs Sünderbänkchen setzte, brachte der „Käptn“ Steve Walker seine Mannen weiter in Führung (40.).


Mit vier Toren Vorsprung ging es zum letzten Mal in die Kabine. Diese verließen die Quadratestädter mit einem neunen Goalie zwischen den Pfosten. Für den an diesem Nachmittag entzauberten Christobal Huet stand nun Steven Passmore im Kasten. Ein bekanntes Rezept, um seinen Cracks noch einmal einen Akzent zu setzen.. Auch der Adler-Coach Richer scheint sich dieses gedacht zu haben, nur an der Umsetzung auf dem Eis schien es gehapert zu haben, oder Berlin bewies sich doch als eine härtere Nuss die man – auch zur Weihnachtszeit – nicht knacken konnte. Selbst der Ehrentreffer durch Jason Podollon (54.) konnte nichts weiter am Spielgeschehen ändern. Die Eisbären versuchten gar noch weiter zu erhöhen. Die größte Möglichkeit dazu hatte Marc Beaufait, der knapp drei Minuten vor Ende noch das 5-1 auf der Kelle hatte. So blieb es beim 4-1 Endstand.


Was ebenfalls blieb war die Gewissheit, dass die Eisbären sich gegen die harten Brocken der Liga immer noch durchsetzen können. Eigentlich ein Phänomen, zu welchem Eisbären Chefcoach Pagé aber eine Antwort weiß: „ Wir scheinen diese Saison in Allem Probleme zu haben!“, resümierte der Kanadier im Vergleich zu den letzten beiden Spielzeiten. Aber eher ein lächelndes Gesicht setzte er zu diesen Worten auf. Ernster wurde es schon als es um die tiefere Analyse ging, welche aber fernab von jeglichen wissenschaftlichen Hintergründen liegt: „Viele Mannschaften sind in dieser Saison gut! Wir müssen aber auch glauben das sie gut sind!“. Eigentlich eine klare Aussage, welcher erahnen lässt das teilweise die vermutlich schwächeren Gegner immer noch von Teilen des Teams unterschätzt werden.


Das Problem von Stéphane Richer scheint indes aber größer zu sein. Zu unkonstant spiele sein Team und bringe keine Leistungen - waren seine wenigen Worte auf Nachfrage zum anscheinend stotternden Adler-Motor. Sein Statement zum Spiel in Berlin war auch mehr als gering: „Die Eisbären waren die bessere Mannschaft, von der ersten bis zur letzten Minute!“

Des einen Leid ist des anderen Freud – jedenfalls so könnte man die Stimmung nach dem Spiel bei den Eisbären-Anhängern deuten. Mit einem deutlichen Sieg ihrer Lieblinge wurden sie bereits fünf Tage vor Heiligabend beschenkt. (ovk/mac)


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