Eisbären: Taktische Disziplin schlägt Arroganz

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Hochverdient nahmen die Nürnberg Ice Tigers die volle Punktzahl aus dem Spitzenduell des 17. Spieltages der DEL gegen die Berliner Eisbären mit einem 4:1 (0:0; 0:3; 1:1)- Sieg mit nach Hause und führen nunmehr das Klassement der höchsten deutschen Spielklasse an.



EHC-Coach Pierre Pagé sagte nach der verdient verloren gegangen Partie:

„Wir haben heute einige arrogante Fehler begangen. Speziell mit unserer Chancenverwertung gingen wir extrem fahrlässig um.“, und weiter: „Nürnberg hat viele gute Spieler im Team, die nicht nur wegen des Geldes motiviert auftreten und spielen....“, lobte Pagé den Gegner und ging gleichzeitig mit seiner Mannschaft hart ins Gericht.

Und damit lag der erfahrene Eisbären-Coach völlig richtig, denn von Beginn an war zu sehen, dass sich die von Greg Poss bestens eingestellten Gäste einen guten Plan zurecht gelegt hatten. Konsequent checkte das junge Ice Tigers-Team mit zwei Mann vor und unterband frühzeitig den sonst gewohnten Angriffswirbel der Hauptstädter. Die bemühten sich zwar, wirkten aber lange nicht so konzentriert und motiviert wie die Franken. Zu Beginn des Anfangsabschnitts konnte man noch vermuten, das Spiel verliefe nach dem Geschmack der 4695 Zuschauer im zum drittenmal ausverkauften Wellblechpalast. Beaufait, Rankel, Roberts, Barta und Keller scheiterten u.a. jedoch am reaktionsschnellen „Freddy“ Chabot. Die Gäste ließen gute Möglichkeiten von Dahl und Cisar ungenutzt verstreichen. Dass das erste Drittel noch torlos und ausgeglichen gestaltet werden konnte, war zu großen Teilen einer nicht kleinen Portion Glück zu verdanken, sowie einem, bis zu diesem Zeitpunkt, wieder gut aufgelegten Nationalgoalie Oliver Jonas. In der 15. Spielminute jubelten die Nürnberger zum erstenmal: Nach einem Schlagschuss von Lehoux bemühte Schiri Rademaker den Videobeweis und versagte dem Treffer nach langem Studium die Anerkennung.



Der Mittelabschnitt begann ähnlich wie das erste Drittel: Die erste Einschusschance vergab Shearer für die Eisbären. Die Nürnberger antworteten, doch Tomik verfehlte in Überzahl das Tor der Gastgeber. In der 30. Spielminute machten es die Gäste besser: Ex-Eisbär Steve Larouche mit genauem Pass von hinter dem Tor auf Cisar, der zieht knallhart ab und trifft, 0:1. Keine drei Minuten schlug es erneut hinter Jonas ein: Florian Keller glaubte sich wohl nach Nürnberg transferiert, als er völlig unbehindert den Puck geradewegs vor das eigene Gehäuse spielte. Greg Leeb sagte Danke und netzte unhaltbar für den verdutzten Jonas zum 0:2 ein. Die Eisbären nun völlig verunsichert, angekommene Pässe wurden zur Mangelware. Corriveau, Pederson und Fairchild kamen nicht zum erfolgreichen Abschluss. Erneut war es Cisar, der den Hohenschönhausenern zeigte wie es geht: Roberts vertändelte die Scheibe in der neutralen Zone, Cisar zog alleine Richtung Jonas und hämmerte den Puck zum vorentscheidenden 0:3 in die Maschen (40.; Assist: Leeb). Betrippelt begaben sich die Eisbären zur zweiten Pause in die Kabine.



„Kämpfen und siegen!“, skandierten die Eisbärenfans, die noch nicht bereit waren ihr Team aufzugeben. Rankel und Pederson versuchten es auch gleich kurz nach Wiederbeginn, doch Chabot blieb auch hier Sieger. In Minute 46 schickte Schiri Rademaker Rankel auf die Strafbank. In Unterzahl hatten die Bären ihre größten Möglichkeiten als Shearer mit einem Break am rechten Torpfosten scheiterte und Fairchild zum wiederholten Male an Chabot. In der 50. Spielminute versetzten die Ice Tigers den Berlinern den Todesstoß: Jonas hechtete vergeblich nach einem Cisar-Schuss, welcher Rumrich am Fuss traf und so zum 0:4 im Netz landete. Im Bemühen wenigstens noch den Ehrentreffer zu erzielen, scheiterten der Reihe nach Corriveau, Beaufait und Walker. Als noch gut eineinhalb Minuten zu spielen waren, gelang David Roberts dann doch noch der Treffer zum 1:4 (Aldridge). Schade für Chabot, der sich sicher schon über seinen Shutout freute.

Ein Stockschlag, ohne schwerwiegende Folgen, von Yan Stastny an Steve Walker wurde zum Auftakt einer halbherzigen Prügelei. Steve Larouche suchte in der Folge die Nähe von Eisbär Denis Pederson. Mehr als einen gestenreichen Wortschwall brachte der ehemalige Eisbär dann aber nicht zustande. Strafen hagelte es danach für beide Teams.

Kurz darauf zog Schiri Rademaker den Zorn sämtlicher anwesenden Berliner auf sich: Vom Stockende Tomiks getroffen sank David Roberts im Mitteldrittel aufs Eis. Blutunterlaufenen Auges und noch immer leicht benommen wurde Roberts vom Eis geführt. Doch wer jetzt meinte, dass es eine Strafe für den Verursacher gäbe, sah sich getäuscht. Rademaker wartete mit gleich zwei Erklärungen auf: Erst meinte der Schiri, dass Roberts den Kopf zu tief hatte, dann gab er an Roberts hätte sich diese Augenverletzung mit dem eigenen Stock zugefügt. Schon seltsam.



Keiner auf Berliner Seite verstieg sich nach Ende der Begegnung darauf den Spielleiter für die Niederlage verantwortlich zu machen. Doch nicht zuletzt die Bewertung des Zustandekommens der Verletzung von Roberts läßt die Eisbären-Verantwortlichen darüber nachdenken das Spielvideo der DEL vorzulegen. Während des Spiels hatten sich auch die Nürnberger über das Agieren des Schiri-Gespannes beschwert. Rademaker befand sich bei einigen Entscheidungen einfach zu weit weg vom Geschehen. Zudem griffen er und seine Linesmen mehrfach als Puckblocker hinderlich ins Spielgeschehen ein. Welch geringe Wirkung solche Einsprüche bei der DEL zeigen, ist hinlänglich bekannt.



Tigers-Coach Greg Poss war unabhängig davon sichtlich zufrieden:

„Das Anfangsdrittel war noch sehr ausgeglichen. Im Mittelabschnitt konnten wir unsere guten Chancen nutzen. „Freddy“ Chabot hielt vor allem am Ende unseren Sieg fest. Er war phantastisch. Na und nun konzentrieren wir uns auf unser Spiel am Sonntag gegen Frankfurt.“ Zudem freute sich Poss über den vollbesetzten Wellblechpalast: „Berlin spielt ein ebenso attraktives, offensives Eishockey wie wir. Ich hoffe, dass sich bald alle DEL-Trainer an dieser Spielweise orientieren, denn nur so locken wir die Menschen dauerhaft in die Hallen.“

Die Eisbären haben am kommenden Spieltag bereits frei und somit Gelegenheit in sich zu gehen. Die Spieler, welche Einladungen von ihren Nationalteams erhalten haben dürften sich glücklich schätzen, denn viel zu Lachen wird es in den kommenden Tagen unter Pagé nicht geben.

(mac/ovk/REK)