Eisbären: Starkes Schlussdrittel besiegelt Panther-Niederlage

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Mit den Augsburger Panthern war am Freitagabend ein Gegner zu Gast im Wellblechpalast, welcher noch ein Wörtchen mitreden will, wenn es am Ende der Punkterunde um die Vergabe der Play-Off-Plätze geht. Noch fehlt es den Cracks von der Schwäbischen Alb aber vor allem noch an der notwendigen Konstanz, um beständig im Konzert der Großen in der DEL mitzuspielen. Dennoch war für die Panther eine Minimalausbeute von einem Punkt in Berlin schon nahezu Pflicht, wenn man weiter in Schlagdistanz zur unmittelbaren Konkurrenz bleiben wollte. Daraus wurde aber nichts, denn der aktuelle Tabellendritte der DEL zeigte den Panthern in einem furiosen letzten Drittel eindrucksvoll die Grenzen auf. Logische Folge war vor 4500 Zuschauern ein deutlicher 5:1-Heimsieg (1:0; 0:1; 4:0) der Schützlinge von Coach Pierre Pagé. Eisbären-Kapitän Steve Walker konnte so auch sein 250. DEL-Spiel zusätzlich mit einem Sieg schmücken.

Nahezu in gleicher Besetzung wie beim letzten Spiel am Dienstag gegen die DEG Metro-Stars traten die Eisbären an. Statt Youngster Daniar Dshunussow stand nun wieder Oliver Jonas im Tor, der von einer Magen-Darm-Grippe genesen ist und für den gesperrten Derrick Walser rückte U20-Nationalspieler Jens Baxmann ins Team.

Engagiert und zweikampfstark gingen die Augsburger im ersten Spielabschnitt zu Werke. Nicht zu verachten auch deren ersten Chancen, mit denen Augsburgs Topscorer Methot, sowie Carter und Pudlick in den ersten beiden Minuten Jonas vor ernste Bewährungsproben stellten. Die Berliner kamen erst in der dritten Spielminute zu einer Einschussgelegenheit, als Sven Felski einen Pass von Alexander Barta nicht zu Zählbarem verwerten konnte, sondern Gästetorhüter Labbé umfuhr. Die Strafe durch Hauptschiedsrichter Rademaker, der leider einen recht schwachen Tag erwischt hatte, folgte auf dem Fuße und das Berliner Urgestein wanderte auf das Sünderbänkchen. Die Fuggerstädter nutzten diese Überzahl aber keineswegs. Nicht einmal ein Torschuss hatten die Bayern in diesen zwei Minuten zu verbuchen. Besser machten es die Hauptstädter, denn als John Miner zwei Minuten abzubrummen hatte, sorgte Eisbär Kelly Fairchild mit seinem neunten Saisontreffer für die 1:0-Führung der Gastgeber (7. Spielminute). Die Panther steckten jedoch nicht auf und wären fast im Gegenzug durch Manuel Kofler erfolgreich gewesen. Weiter sahen die Zuschauer ein ziemlich nickeliges erstes Drittel mit fast gleichen Spielanteilen – ausgenommen einer weiteren Überzahlsituation für die Eisbären, in der sich aber Goalie Labbé jeweils zweimal gegen DuPont und Leask und einmal gegen Persson beweisen konnte. Auf der Gegenseite hatte Ronny Arendt wenige Sekunden vor der Pausensirene sogar noch den Ausgleich auf dem Schläger, aber auch hier war beim Berliner Torhüter Endstation.

Zum Beginn des zweiten Abschnitts wurden die Augsburger noch mutiger und übernahmen gar über weite Strecken das Kommando. Durch Chancen von Fortier und Girard in der 23. Spielminute, sowie Kofler (25.), Björn Barta und erneut Fortier (27.) brannte es mehrmals lichterloh vor dem Tor von Oliver Jonas. Gebremst wurde diese offensive Einstellung durch eine Strafzeit für Steve Bancroft, welcher Eisbären-Kapitän Walker behakt hatte. Nun besannen sich die Berliner wieder ihrer Sturmkraft, setzten aber eher durch ihre Verteidiger von der blauen Linie Akzente. Shawn Heins und Micki DuPont versuchten mehrfach den Augsburger Goalie zu überwinden. Auch nach Ablauf der Strafe waren die Hohenschönhausener weiter das offensivere Team, die Panther hielten aber gut dagegen und bedienten sich in der 39. Spielminute ebenfalls eines Powerplays, um den 1:1-Ausgleich zu erzielen: Erst versuchte es Rick Girard in der 55 Sekunden weilenden 5-3 Überzahl der Gäste noch vergeblich (Felski und Beaufait saßen auf der Strafbank), aber bei 5-4 klappte es endlich und Mike Pudlick konnte aus halber Distanz einnetzen. Nach Toren ausgeglichen ging es in die zweite Pause.

Die Eisbären schienen den Schock gut verkraftet zu haben, denn der Schlussabschnitt war gerade 33 Sekunden alt, da stellte Mark Beaufait nach Vorarbeit von Erik Cole und Ricard Persson die Führung wieder her - 2:1. Knapp drei Minuten später baute Shawn Heins den Vorsprung mit einem Schuss auf 3:1 aus, der sämtlichen Besuchern im Wellblechpalast die Unterkiefer vor Staunen herunterklappen ließ: Dieses Geschoss kam nicht von irgendwo her, sondern vom Bullykreis des eigenen Verteidigungsdrittels aus überwand Heins den völlig überraschten Augsburger Goalie - der Puck überquerte quasi das gesamte Spielfeld. Allein schon wegen dieses „50 Meter-Tores“ hatte sich die Investition des Eintrittsgeldes gelohnt! Gästecoach Benoit Laporte bekannte nach dem Spiel: „Dieser Treffer hat meine Mannschaft geschockt. Danach waren die Berliner praktisch allein auf dem Eis.“ Die Eisbären blieben also weiter produktiv: Rob Shearer erhöhte in der 51. Spielminute auf 4:1 bevor Mark Beaufait nur eine weitere Minute später den 5:1-Endstand herstellte. Dass die Panther ob dieses Spielverlaufs sichtlich frustriert waren, bewies Björn Barta mit einem heftigen Check von hinten, der Stefan Ustorf nahezu unkontrolliert in die Bande knallen ließ, woraufhin er einige Zeit benommen liegen blieb. Mannschaftsarzt Dr. Ziesche diagnostizierte eine Schulterverletzung, bei der aber voraussichtlich und zum Glück nichts ernstlich kaputt gegangen ist. Für den schwachen Schiedsrichter Rademaker war dieses Vergehen gerade einmal eine 2 plus 2 Strafe wert und es bleibt wohl sein ewiges Geheimnis welchen Regeln er dieses mehr als gnädige Strafmaß entnommen hat. Letzteres fragten sich selbst Beobachter, die nicht im Verdacht stehen das Spiel durch die vielzitierte „rosa Heimbrille“ gesehen zu haben, mehrfach an diesem Abend. Änderte aber alles nichts mehr am Spielausgang und dem am Ende souveränen Sieg der Eisbären.

Benoit Laporte resümierte nach der Begegnung: „Wir haben zwei Drittel lang mit viel Intensität und gut nach vorn gespielt. Die Leistung war völlig ok, nur wenn du in Berlin deine Chancen nicht nutzt, dann hast du schon halb verloren. Die Eisbären haben eine grandiose Mannschaft.“ Auf die scherzhafte Frage eines Journalisten, ob Jean-Francois Labbé denn jetzt wach sei, antwortete der sympathische Panther-Coach nur mit einem vielsagenden Grinsen. EHC-Trainer Pierre Pagé lobte den Gegner: „Augsburg hat so hart gearbeitet, sie haben eine gute Mannschaft und sehr viel Charakter. Wir mussten das beste letzte Drittel dieser Saison spielen, um zu gewinnen! Wir hatten Geduld und haben gewonnen, das wird der Mannschaft gut tun.“

Mit seinem Assist zu Heins` Fabeltor stellte Rob Leask den Rekord von Ex-Eisbär Rob Cowie ein und ist nunmehr mit 181 Scorerpunkten punktbester Eisbären-Verteidiger. Zudem wurde am Rande bekannt, dass sich EHC-Stürmer Kelly Fairchild in der kommenden Woche leider einer Operation unterziehen muss, woraufhin er voraussichtlich drei Wochen ausfallen wird. Wirklich schade für den US-Amerikaner, fand er doch zuletzt zu alter Form zurück und punktete in den zurückliegenden Begegnungen beständig. Beim Auswärtsspiel am Sonntag in Hannover wird Fairchild allerdings noch dabei sein. (mac/ ovk)

EHC Eisbären - Augsburger Panther 5:1 (1:0; 0:1; 4:0)

Tore:

1:0 Fairchild (06:25) - Beaufait/ Heins PP1

1:1 Pudlick (39:00) - Miner/ Methot PP1

2:1 Beaufait (40:33) - Cole/ Persson EQ

3 :1 Heins (43 :08) - Leask/ Ustorf EQ

4 :1 Shearer (50 :05) - Felski/ Barta EQ

5 :1 Beaufait (51 :31) - Fairchild/ Heins EQ

Schiedsrichter : Rademaker - Zantop/ Kühnel

Strafen: 10/ 10

Zuschauer 4500

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