Eisbären: Scorpions verhageln Kölzig das Heimdebüt

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Auch im Berliner Wellblechpalast ist die kurze DEL-Pause nun beendet - der Rest der aktuellen Spielzeit ist angebrochen. Und das quasi mit Pauken und Trompeten, denn der Heimdebüts gab es derer gleich vier! Stürmer Richard Mueller betrat, als Ersatz für den gesperrten Denis Pederson, gar erstmals DEL-Eis. Bereits mit einem Spiel Erfahrung in Deutschlands Eishockey-Eliteliga liefen Marcus Sommerfeld sowie NHL-Verteidiger Nathan Dempsey und Olaf Kölzig erstmals unter Wettbewerbsbedingungen im Hohenschönhauser Wellblechpalast auf.

Mit dem Tabellenletzten Hannover Scorpions gastierte ein Team in Berlin, das eigentlich einen Auftaktgegner nach Maß für die vier hätte darstellen können. Doch lassen es die Eisbären in dieser Saison ansonsten meist an Konstanz fehlen, so setzten sie ihre Negativserie gegen Gegner unterhalb des Play Off-Striches mit einer 3:5-Niederlage (2:1; 0:1; 1:3) „erfolgreich“ fort.

Für „Olie the Goalie“ sollte es kein geruhsamer Sonntagnachmittag werden, denn bereits nach 73 Sekunden erwischte ihn Scorpions-Stürmer Robert Hock eiskalt indem er die Gäste mit einem Schlenzer 1:0 in Führung brachte. Lange fanden die Eisbären darauf zunächst keine passende Antwort, wenn sie auch im Auftaktdrittel die Mehrzahl an Torschüssen verzeichneten. Die besten Chancen den Ausgleich zu erzielen hatten Walser (6. Spielminute) in Überzahl, sowie DuPont und Cole bei zwei Hochkarätern in der 10. Minute, alle drei verfehlten aber das vom Finnen Ilpo Kauhanen sicher gehütete Gäste-Gehäuse. Nach einer überstandenen Unterzahl-Situation war es jedoch soweit: Als Beaufait - direkt von der Strafbank kommend - zusammen mit Eisbären-Topscorer Steve Walker zum zehnten Saisontreffer für Kelly Fairchild auflegte - der von einer Hand-OP genesene US-Amerikaner erzielte den 1:1-Ausgleich (13.) Danach schien das Eis, zumindest in den Köpfen der Berliner, gebrochen zu sein, denn nur knapp fünf Minuten später legte Sven Felski nach und brachte die Gastgeber erstmals in Führung - 2:1.

Die H-Towner begannen den Mittelabschnitt druckvoll, als sie im Powerplay den deutschen Nationalgoalie Kölzig doch das ein oder andere Mal prüften. Das war es dann aber vorerst, denn die Eisbären kamen mit teilweise spektakulären Einlagen mehrfach gefährlich vor das Hannoveraner Tor, ein erfolgreicher Abschluss blieb ihnen bis dahin aber noch verwehrt. Fast schon wie „Kai aus der Kiste" folgte in der 28. Spielminute der Ausgleich der hart arbeitenden Niedersachsen, als Kölzig keine sonderlich gute Figur abgab und einen weniger gefährlich erscheinenden Schuss von Oldie Wayne Heins ins Tor trudeln ließ. Die mitgereisten und stimmgewaltig auftretenden Scorpions-Fans hat das aber sicher gefreut.

Etwas zerfahren wirkte die Partie danach, allerdings dennoch mit Chancen auf beiden Seiten. Aus Berliner Sicht sogar eine gute vom DEL-Newcomer Mueller, Kauhanen blieb aber Sieger gegen den jungen Kanadier.

Die Chance, kurz vor Drittelende in Überzahl den erneuten Führungstreffer zu erzielen, nahmen sich die Hauptstädter selbst, als sie sich beim Wechselprozedere nicht ganz einig waren und plötzlich sechs Feldspieler auf dem Eis standen. So blieb es bis zum Schlussabschnitt weiter beim ausgeglichenen Zwischenergebnis.

Wie schon zu Spielbeginn, gab es auch gleich nach 96 Sekunden im Schlussdrittel eine kalte Dusche für die Berliner, denn wiederum erwischte es die Hausherren als Frederik Öberg EHC-Goalie Kölzig zum 2:3 überwand. Damit nicht genug! Jonas Lanier zeigte sich gegenüber den nachlässig agierenden Hausherren ebenfalls unerbittlich und erhöhte nur knapp eine Minute später auf 2:4. Robert Hock legte in der 45. Spielminute noch einmal nach und schraubte den Spielstand sogar auf 2:5. Die Eisbären gaben aber nicht auf und versuchten das Spiel noch zu drehen, allerdings mit untauglichen Mitteln - das Scorpions-Tor blieb wie vernagelt. Pierre Pagé versuchte aber tief in die Trickkiste zu greifen und ließ schon sechs Minuten vor Spielende Torhüter Kölzig zugunsten eines sechsten Feldspielers auf der Bank Platz nehmen. Vermutlich erfüllte diese Maßnahme aber eher den Zweck das eigene Team aufzuwecken, auf einen Punktgewinn oder gar Sieg wagte da wohl kaum noch jemand im Wellblechpalast zu hoffen. Lediglich den 3:5-Anschlusstreffer konnten die Berliner in der 58. Spielminute durch Mark Beaufait noch erzielen, weitere Bemühungen wurden aber nicht belohnt. Viel zu spät wollten die Eisbären noch die kämpferische Karte ausspielen - zu spät! So entführte einmal mehr ein vermeintlicher Underdog die volle Punktzahl aus dem Wellblechpalast, deren Herz, im Gegensatz zu den Eisbären-Cracks, offensichtlich viel mehr am richtigen Fleck sitzt. Und so fasste Gäste-Coach Kevin Gaudet nach Ende des Spiels völlig korrekt zusammen: „Nur wenige Leute gaben uns hier und heute bei einem der besten Teams der Liga eine reelle Chance, aber wir haben bis zum Ende gekämpft. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft!“ (ovk / mac – Foto: City-Press)

EHC Eisbären Berlin - Hannover Scorpions 3:5 ( 2:1; 0:1; 1:3)

Tore:

0:1 (01:13) Hock - Lambert/ Augusta

1:1 (12:09) Fairchild - Walker/ Baufait

2:1 (17:03) Felski - Walser

2:2 (27:55) Hynes - Reiss/ Öberg

2:3 (41:36) Öberg - Frylén/ Soccio

2:4 (43:12) Lanier - Reiss

2:5 (44:09) Hock - Morczinietz/ Teljukin

3:5 (57:14) Beaufait - Walker/ Walser

Schiedsrichter: Hascher - Schröter/ Dierberg

Strafen: 18/ 22 + 10 Disziplinar (Morczinietz)

Zuschauer: 4695 (ausverkauft)