Eisbären: Nationalspieler Sven Felski im Interview

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Berichten Journalisten über Sven Felski, kommen sie nur selten um ein bestimmtes Klischee herum: Felski, das Eisbären-„Urgestein“. Dem inzwischen fast 30-jährigen Stürmer entlockt dieses allzu oft verwandte Attribut nur noch ein verlegenes Lächeln. Aber wie anders soll man einen möglichst treffend umschreiben, der nie bei einem anderen Klub unter Vertrag stand? In der Tat ist „Felle“ wirklich der dienstälteste EHC-Crack; Felski sah Dutzende Spieler und Trainer kommen und auch wieder gehen. Selbst die Schwemme ausländischer Spieler nach dem Bosman-Urteil „überlebte“ Felski - verpassten ihm die damaligen Verantwortlichen doch schon in jungen Jahren die Rolle als Identifikationsfigur zwischen all den Legionären. An der Seite von DEL-Stars wie Jiri Dopita, Richard Zemlicka oder Marc Fortier reifte das Talent dann allerdings auch zum Nationalspieler und zu dem Leistungsträger im Team der Eisbären, der er heute ist. Nur einmal, Anfang der 90er Jahre, bestand für kurze Zeit die ernsthafte Gefahr, dass Felski dem EHC verloren gehen könnte. Ausgerechnet der inzwischen dahin geschiedene Lokalrivale der Hohenschönhausener, der BSC Preussen, die späteren Berlin Capitals, bemühten sich massiv um den damals schon wieselflinken Flügelstürmer. Auf Grund einer horrenden Ablöseforderung der Eisbären scheiterte dieser Deal – zum Glück, wie man heute sagen muss. Unter den Fans genießt „Felle“ seit vielen Jahren höchste Anerkennung. Vor allem wegen seiner normalen Art, die fernab jeder Starallüren ist. Skandieren die EHC-Fans seinen Namen, überkommt einem schon das Gefühl, dass Felski bei solch überschwänglichen Huldigungen gar nicht so wohl zumute ist. Bei aller Bescheidenheit – Sven Felski ist einer der größten Sympathieträger der Eisbären. Kurz vor Beginn der Saisonvorbereitung des letztjährigen Vizemeisters sprach Hockeyweb mit Sven Felski:

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Hockeyweb: Gut über den Sommer gekommen, Sven?

Wie hast du dich bisher fit gehalten?

Sven Felski: Erst einmal hab ich viel Zeit mit der Familie verbracht, da ich die letzten beiden Sommer nur in der Reha war. Die Grundlagen für die neue Saison habe bzw. hole ich mir mit Ergometer fahren, Konditions-

und Krafttraining.


Ihr habt erneut eine insgesamt erfolgreiche Saison gespielt, leider reichte es aber auch wieder nicht zum ganz großen Wurf. Spukt die verpasste Meisterschaft noch im Kopf herum? 

Es ist zwar nicht so einfach, nach so einer großen Chance, dies zu verarbeiten, aber man muss doch wieder nach vorne schauen und wenn überhaupt dann doch mehr die vielen positiven Sachen aus der Saison mitnehmen.


Habt ihr eine ausgiebige Fehleranalyse betrieben, was war das Ergebnis, welche Dinge verhinderten den Titelgewinn?

Eigentlich noch nicht. Es sind ja ein paar Spieler gleich zur Nationalmannschaft gefahren und ich glaube auch nicht, dass es kurz nach dem Ende der Saison was gebracht hätte. Wir werden aber mit Sicherheit noch einige Meetings haben, in denen wir unsere Fehler der Vorsaison herausarbeiten, um Sie dann abzustellen.


Lass uns nach vorne blicken, Sven. In wenigen Tagen beginnt die Saisonvorbereitung. Mit welchen Erwartungen steigst du in die neue Saison ein?

Ich hoffe natürlich, dass wir auch dieses Jahr erfolgreiches attraktives Eishockey zeigen können. Ich denke die Liga wird wieder sehr ausgeglichen sein und denke, dass jeder jeden schlagen kann.


Einige langjährige Mannschaftskollegen haben die Eisbären nach der letzten Saison verlassen, neue Spieler stoßen dazu. Wie empfindet man als Spieler diesen alljährlichen Wechsel? Bist du auf einen der Neuzugänge besonders gespannt?

Es ist immer ein komisches Gefühl wenn man weiß, dass einige Freunde nächste Saison nicht mehr da sind! Aber,

erstens lernt man neue kennen und zweitens hat man mit denjenigen weiterhin Kontakt.


Unter den Neuankömmlingen befindet sich auch dein Nationalmannschaftskollege Stefan Ustorf. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Ustorf einen schweren Stand bei den Eisbärenfans haben wird. Was für ein Typ ist Stefan Ustorf, wie ist euer Verhältnis zueinander und was dürfen die Fans aus deiner Sicht von ihm erwarten?

Also, ich kenne Stefan schon seit 10 Jahren. Damals haben wir zusammen in einer Reihe bei der

U-20 gespielt haben. Er ist ein lockerer Typ, der auch aufgrund seiner Erfahrung ein wichtiger Teil der Mannschaft werden wird. Er ist ja auch nicht umsonst der Kapitän der Auswahl - wo er sich der Verantwortung stellt. Ich weiß, dass er immer alles gibt und das kann ja nur gut für uns sein.. 


Thema Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaft in Prag lief wahrscheinlich nicht so nach deinen Vorstellungen. Mit Greg Poss übernimmt ab Oktober ein neuer, verhältnismäßig junger Trainer das Amt des Nationaltrainers. Es war vor einigen Wochen zu lesen, dass Sven Felski für ihn ein ernsthafter Kandidat für Team Germany bleibt. Welche Chancen rechnest du dir aus, deine Nationalmannschaftskarriere weiter zu führen?

Was in den Zeitungen steht ist für mich nicht ausschlaggebend. Natürlich wäre es für mich eine große Sache wieder für Deutschland zu spielen. Auf jeden Fall werde ich versuchen mit meinen Leistungen bei den Eisbären, mich für das Nationalteam zu empfehlen. 


Sven, am 21. August soll im Wellblechpalast eine Gala-Veranstaltung, anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Eishockeystandortes Berlin-Hohenschönhausen, stattfinden. Die Initiative hierfür ging vordergründig von den Fans aus. Viele verdiente Spieler vergangener Jahre werden mit dabei sein. Was hältst du von dieser Geschichte und freust du dich besonders auf ein Wiedersehen mit einem bestimmten Spieler?

Das wird bestimmt eine Riesennummer und ich freu` mich schon drauf. Ich hab erst letzte Woche die Gästeliste gesehen und da sind so viele alte bekannte Namen dabei, sodass ich mich einfach nur auf den Abend/die Nacht freue. .


Hockeyweb wünscht dir und den Eisbären eine erfolgreiche Spielzeit 2004/ 05! 

Vielen Dank


Vielen Dank für das Interview! 

Matthias Eckart/ Oliver Koch