Eisbären: Nach Heimniederlage Favoritenrolle an Lions abgegeben

Eisbären: Verspätete Auferstehung nicht ausgeschlossenEisbären: Verspätete Auferstehung nicht ausgeschlossen
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Mit 3:4 (1:0; 2:2; 0:1; 0:1) unterlagen die Berliner Eisbären in der Verlängerung im wieder einmal brechend vollen Wellblechpalast den Frankfurt Lions im dritten DEL-Finale am Ostermontag doch recht überraschend. Die Hauptstädter gaben so den Vorteil, eine Entscheidung in eigener Halle herbeiführen zu können, an die Mannen von Coach Rich Chernomaz ab. Nun ist es am Vorrunden-Fünften vom Main am kommenden Freitag in Spiel 4 nachzuweisen, dass man eine Serie auch in den eigenen vier Wänden beenden kann. Die Lions stehen nach diesem actionreichen Spiel vor dem größten Erfolg ihrer bisherigen Vereinsgeschichte.



Von Anfang an ging es hoch her auf dem Eis des Wellblechpalastes. Die Hohenschönhausener zeigten sich gut von der samstäglichen Niederlage am Bornheimer Hang erholt und setzten die Gäste schon früh unter Druck. Das Anrennen der Pagé-Schützlinge wurde durch eine Bankstrafe gegen die „Mainhattaner“ wegen zu vieler Spieler auf dem Eis zusätzlich unterstützt. Schiri Lichtnecker hatte bereits nach 44 Sekunden auf Wechselfehler der Gäste erkannt. In der Folge vergaben unter anderem Aldridge, Pederson, Corriveau gute Möglichkeiten zur Eisbären-Führung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Lions-Goalie Ian Gordon einen hervorragenden Tag erwischt hatte. Am Ende des Spiels hatte Gordon 43 Schüsse auf sein Tor pariert.

Nach einer heftigeren Rangelei vor dem Tor der Frankfurter verhängte der eher unsicher agierende Schiedsrichter Lichtnecker Strafen gegen beide Teams. Der routinierte Spielleiter machte im Spielverlauf leider häufiger den Eindruck, dass er insbesondere dem extrem hohen Tempo der Partie nicht gewachsen war. Mehrfach war er nicht auf der Höhe des Geschehens und verhängte die ein oder andere fragwürdige Strafzeit gegen beide Teams. Im Anschluss versuchte er durch Konzessionsentscheidungen seine Fehler wieder gut zu machen, was den Spielfluss der zwei hochkarätigen wie spielstarken Finalpartner immer wieder ins Stocken brachte.

Die weiter in Überzahl spielenden Berliner sahen sich plötzlich einem Konter der Gäste ausgesetzt, doch der Pass von Lebeau an Sturmpartner Norris kam zum Glück für die Berliner nicht an. Dann gab Lichtnecker wieder einmal den Hauptdarsteller, als er eine sicher unfaire Aktion (Kniecheck) von Michael Hackert an Kelly Fairchild mit einer 5 Minuten + Spieldauerstrafe gegen den Frankfurter zu drastisch ahndete. Im ersten Moment schien es auch gar nicht gut um die Gesundheit von Fairchild bestellt zu sein, doch beim nächsten Wechsel kam der Amerikaner im Eisbärentrikot wieder zum Einsatz. Keller, Felski und Beaufait prüften in der Folge Lions-Goalie Gordon. Nach der Spieldauerstrafe gegen Hackert wanderten noch dreimal Frankfurter auf das Sünderbänkchen, sechsmal öffnete sich die Tür zur Berliner Strafbank. Nichts desto Trotz gelang Steve Walker in der 8. Spielminute nach einem Schuss von Keith Aldridge von der blauen Linie bei eigener Überzahl die 1:0-Führung für die Berliner. Kurz danach war die erste ernsthafte Einschussmöglichkeit der Hessen durch Martin Reichel zu verzeichnen. Das Powerplay der Lions kam trotz reichlich vorhandener Übungszeit nur schwer in Gang. Bei Strafen für Bergen und Roberts visierten lediglich Magnusson und Ratchuk das von Oliver Jonas gehütete Eisbären-Gehäuse an und scheiterten am jungen Nationalkeeper. Die Frankfurter agierten hier mit Haken und Ösen. Lichtnecker allerdings nahm Vergehen wie Halten und Haken nicht wahr oder übersah diese geflissentlich. Zur ersten Pause blieb es bei der knappen Berliner Führung.

Auch im Mitteldrittel agierten die Eisbären druckvoll. Lohn war Kelly Fairchilds Treffer zum 2:0 nach 22. Minuten. David Roberts und Mark Beaufait hatten ihren Sturmkollegen sehenswert in Szene gesetzt. Die Freude, der ihr Team enthusiastisch anfeuernden EHC-Fans, währte allerdings nicht lange. Gosselin hatte für Harder aufgelegt, der zum die Scheibe Richtung Berliner Tor brachte. Dort störte Francois Bouchard Berlins Keeper erfolgreich, so dass der Puck letztendlich von Bouchards Wade über die Torlinie rutschte. Dieses Tor war der Weckruf für die Gäste, welche jetzt Morgenluft schnupperten. Als Lichtnecker Nationalstürmer Sven Felski wegen Hakens auf die Strafbank verbannt hatte, kamen die Gäste über die Stationen Bouchard und Norris durch Belanger gar zum 2:2-Ausgleich (29.). Die recht lautstarke Kolonie der Lions-Fans war der Extase nahe.

In der 34. Spielminute saß zur Abwechselung mit Jason Young mal wieder ein Frankfurter auf der Strafbank und wieder waren die Berliner in Überzahl erfolgreich. Florian Keller hämmerte den Puck von der für ihn ungewöhnlichen Position an der blauen Linie hinter Gordon zum 3:2 (35.) in die Maschen. Wieder ging es mit einer knappen Berliner Führung in die Pause.

Am Ende des Mitteldrittels hatte sich EHC-Verteidiger Aldridge noch eine mehr als fragwürdige Strafe wegen Behinderung eingefangen. Fragwürdig weil es Aldridge war, der von einem Frankfurter von hinten in die Bande gecheckt wurde. Weshalb Lichtnecker auf Behinderung gegen den Berliner Defender entschied, bleibt auch hier sein großes Geheimnis. Endlich war das Powerplay der Lions wirklich druckvoll und insbesondere Pat Lebeau wirbelte die Abwehrformation der Berliner mächtig durcheinander. Belanger, Gosselin, Harder und Bresagk fanden hier noch ihren Meister in Oliver Jonas. In der 49. Spielminute war es dann auch Bresagk bei gleicher Spieleranzahl, der mit einem fulminanten Schlagschuss Jonas zum erneuten Frankfurter Ausgleich bezwang - 3:3. Fairchild, Roberts und Pederson hätten noch in der regulären Spielzeit ihr Team wieder nach vorn bringen können, doch Gordon ließ keinen Treffer für die Berliner mehr zu.

Erstmals ging es somit in der Finalserie in die Overtime.

Beide Teams hatten Möglichkeiten dem Gegner den sudden death zuzufügen, doch es dauerte bis zur 70. Spielminute als Martin Reichel mit seinem Treffer zum 3:4 (Stanton) äußerst glücklich für den „plötzlichen Tod“ der Eisbären sorgte.

Lions-Coach Rich Chernomaz hatte allen Grund zur Zufriedenheit, warnte aber: „Es ist noch eine Menge Eishockey zu spielen. Die Eisbären sind ein starkes Team und können auch auswärts gewinnen.“ Er lobte zudem die gute Leistung seines Torstehers Ian Gordon.

Pierre Pagé war die Ernüchterung doch anzusehen, dennoch gab er als Parole aus: „Wir brauchen ein fünftes Spiel. Wir werden bereit sein, uns diese Chance am Freitag zu erarbeiten.“ Vor allem mit der Chancenauswertung seiner Truppe war der Frankokanadier nicht zufrieden. (mac/ ovk/ Radio Eiskalt)

EHC Eisbären Berlin - Frankfurt Lions 3:4 n.V. (1:0; 2:2; 0:1; 0:1)

Tore:

1:0 - 7:26 Walker - Aldridge PP1

2:0 - 21:31 Fairchild - Roberts/ Beaufait EQ

2:1 - 23:05 Harder - Gosselin EQ

2:2 - 28:47 Belanger - Norris/ Bouchard PP1

3:2 - 34:03 Keller PP1

3:3 - 48:04 Bresagk - Belanger EQ

3:4 - 69:31 Reichel - Stanton EQ

Zuschauer: 4695 (ausverkauft)