Eisbären: Müde und ohne Biss - Nullnummer gegen Nürnberg

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Selbstbewusst, mit einer Siegesserie von immerhin vier Erfolgen am Stück, traten die Eisbären am frühen Sonntagnachmittag gegen die Gäste aus Franken an. In der letzten Saison hatten die Eisbären keine einzige von vier Partien für sich entscheiden können - immer verließen die Poss-Schützlinge als Sieger das Eis. Dieser Bock sollte nun endlich umgestoßen werden, so die Hoffnung der EHC-Fans unter den 4110 Zuschauern im Wellblechpalast. Doch daraus wurde nichts! Denn auch diesmal stürmten die jungen und extrem ehrgeizig zu Werke gehenden Ice Tigers von Beginn an munter auf das von Oliver Jonas gehütete Eisbären-Tor zu und entführten mit einem ungefährdeten 0:2-Sieg (0:2; 0:0; 0:0) alle drei Zähler aus dem Sportforum.

Die ersten besseren Möglichkeiten hatten jedoch die Berliner nach schnellem Umschalten von Abwehr auf Angriff durch Felski und Pederson. Dann aber übernahmen die Gäste das Kommando in Überzahl: Schüsse von Trepanier von der blauen Linie und Leeb aus der Nahdistanz brachten in der 8. Spielminute allerdings noch nichts Zählbares. Als eine Strafe gegen Ustorf gerade abgelaufen war, konnte aber doch Vasiljevs für die Gäste zur 0:1-Führung einnetzen (10. Spielminute- Assist: Bannister/ Fical). Aber auch die Eisbären kamen in den Genuss einer Überzahlgelegenheit. Diese dauerte allerdings nur siebenundfünfzig Sekunden, dann bildete sich ein Spielerknäuel vor dem Tigers-Tor, das Adam Svoboda hütete. Die Hauptverdächtigen wurden von Schiedsrichter Stefan Vogl schnell gestellt und es hagelte Strafen für beide Teams. Während Ustorf und Heins auf Berliner Seite als die Bösewichte galten, waren es auf Nürnberger Seite Tapper und Petermann. Von da an war reichlich Pfeffer in der Partie und Hauptschiedsrichter Vogl wirkte oftmals unsicher bei seiner Regelauslegung. Dazu schlichen sich beim Gespann in schwarz-weiß noch Fehler bei Abseits- und Icing-Entscheidungen ein, viele Regelwidrigkeiten wurden einerseits übersehen, bei anderen übertrieben kleinlich entschieden. Das führte dazu, dass das Spiel fortan fast nur noch in Über- oder Unterzahl geführt wurde. Der zweite Treffer der Nürnberger durch Schauer (20.- Vasiljevs) fiel dann auch eher überraschend als beide Teams dann doch mal mit gleicher Mannschaftsstärke auf dem Eis agierten. Wie aus heiterem Himmel schlug der Puck hinter Jonas zum vorentscheidenden 0:2 ein, der gab dabei keine allzu gute Figur ab.

Im zweiten Drittel dasselbe Bild. Die Nürnberger erspielten sich in der emotionsgeladenen Partie weiter ein Chancenübergewicht. Nur hin und wieder kam beim Berliner Publikum Hoffnung auf, dass ihre Eisbären nun aufwachen würden. Die mühten sich zwar wie schon im Anfangsabschnitt, wirkten aber weiter wie schaumgebremst. Selbst in einer Zweimann-Überzahl in der 30. Spielminute brachten die Mannen von Pierre Pagé nichts Gescheites zusammen. Lediglich EHC-Defender Shawn Heins gab hier wieder einmal eines seiner Alibi-Schüsschen ab. Was noch in Hannover und auch Hamburg Mitgarant zum Sieg war, mutierte nun mitunter zur Farce - mit einem druckvollen Powerplay hatte das jedenfalls nichts zu tun, was die Beaufaits, Fairchilds & Co. da boten. Die Nürnberger fuhren dem Vizemeister mit aggressivem Forchecking konsequent in die Parade und nach vorn blieben die Gäste zudem durch Konter stets gefährlich. Ein Schussverhältnis von 5:11 im Mittelabschnitt mag die Kräfteverhältnisse hinreichend belegen.

Zum Beginn des Schlussdrittels war ein leichtes Aufbäumen des Gastgebers zu erkennen, so richtig glaubte aber niemand mehr an eine Wende zugunsten der Eisbären. Walker, Barta , Rankel, Fairchild und Pederson boten sich unter anderem hier noch gute Möglichkeiten, doch blieben ihre Versuche entweder in den Schlittschuhen der meist gut postierten Nürnberger hängen oder der bis dahin eher unterbeschäftigte Svoboda konnte sich endlich einmal beweisen. Der kam so recht billig, aber durchaus verdient zu seinem ersten Shutout in der neuen Spielzeit. Zwei Minuten vor Ende der Partie brachte sich Schiri Vogl wieder ins Gespräch und zog sich den Unmut von Ice Tigers-Coach Greg Poss zu, als er dessen Spieler Sean Tallaire wegen Hakens auf die Strafbank verdammte. Was jedoch das gesamte Spiel über schon nicht klappte war auch jetzt aus Berliner Sicht ein fruchtloses Unterfangen, natürlich verstrich auch diese Überzahlmöglichkeit der Berliner ungenutzt. Zu Recht feierte die kleine Kolonie Nürnberger Fans ihr Team für die gezeigte Leistung nach der Schlusssirene.

Eisbären-Coach Pierre Pagé schob eine Teilschuld für die Heimniederlage dem harten Reiseprogramm und engen Spielplan zu, der die Berliner binnen fünf Tagen dreimal (davon zweimal auswärts) antreten ließ: „Meiner Mannschaft hat heute die Energie gefehlt. Zweimal waren wir erst gegen 3.00 Uhr morgens von Auswärtsspielen zurück. Der Reiseplan war nicht gut, darüber müssen wir nachdenken.“ Darüber hinaus stellte Pagé aber auch fest: „Wir haben heute nicht unser System gespielt, jeder Spieler hatte sein eigenes. Nürnberg hat als Team einfach besser funktioniert.“ Ice Tigers- und Nationalcoach Greg Poss lobte vor allem das gute Defensivspiel seiner jungen Mannschaft und deren bedingungslosen Einsatz bis zum Schluss.

Die Berliner müssen in der kommenden Woche schon wieder zweimal auf Piste, die VW-Konzerntour ruft: Am Dienstag geht es zum Pokalduell zu den Panthern in die Audi-Stadt Ingolstadt und am Freitag zum Punktspiel zu Aufsteiger Wolfsburg. Vor allem beim Zweitligameister könnte das Pagé-Zitat von den Reisestrapazen Begehrlichkeiten auf unerwartete Punkte wecken. (mac/ ovk)

EHC Eisbären Berlin - Nürnberg Ice Tigers 0:2 (0:2; 0:0; 0:0)

Tore:

0:1 Vasiljevs (Bannister, Fical) 09:09 EQ / 0:2 - Schauer (Vasiljevs) 19:13 EQ

Schiedsrichter: Vogl

Strafen: 22 + 10 Disziplinar A. Barta/ 26

Zuschauer: 4110

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