Eisbären mit souveränem Sieg über die Freezers

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Trotz bestem Wetter am frühen Nachmittag des Wahlsonntags fanden immerhin 4000 Zuschauer den Weg in den Wellblechpalast und wurden so Zeuge des 5:1 (0:0; 2:0; 3:1) -Heimerfolgs der Eisbären gegen die Hamburg Freezers.

Alle möglichen und unmöglichen Klischees wurden in Bezug auf Pierre Pagés junge Mannschaft in den letzten Wochen schon bemüht. Was jedoch Bestand hatte waren die Zweifel, ob sich der Deutsche Meister mit solch einem unerfahrenen Team gegen weit routiniertere DEL-Konkurrenz würde behaupten können. Fakt ist: Die Truppe mit einem am Sonntag tagesaktuellen Altersschnitt von 23, 62 Jahren fuhr gegen Hamburg den dritten Sieg in Folge ein und mischt derzeit in der Liga munter vorne mit. Nichts desto Trotz wird Meistercoach Pagé nicht müde zu mahnen: „Schlechte Publicity ist besser als keine und gute Publicity ist natürlich noch besser, aber gerade bei guter Presse müssen wir hart mit den Jungs arbeiten. Sie sind jung und müssen lernen, schnell und viel lernen“. Der Kanadier will unbedingt vermeiden, dass seine jungen Burschen den Bodenkontakt verlieren. Sein Kollege Mike Schmidt aus der Hansestadt ist nach nun wirklich verkorkstem Saisonstart mit ganz anderen Dingen beschäftigt als die Wogen einer „Neuen Deutschen Welle“ zu glätten - er hat immer lauter werdende Kritik einzudämmen.

Dabei konnte er nach dem ersten Abschnitt noch recht optimistisch den weiteren Spielverlauf abwarten, denn da hatten seine Cracks, wie etwa Plachta, Gratton, Van Impe und Peacock die besseren Möglichkeiten. Allerdings scheiterten diese mit all ihren Versuchen an einem 19 Jahre jungen und glänzend aufgelegten Daniar Dshunussow im Eisbären-Gehäuse. Gelegenheiten für die Eisbären ließen Walker, Pederson, Walser, Busch und Ustorf aus, so dass das erste Drittel torlos zu Ende ging.

Der Beginn des Mittelabschnitts zeigte jedoch schnell, in welche Richtung es im sonnendurchfluteten Wellblechpalast von nun an laufen sollte, da Denis Pederson keine dreißig Sekunden nach Wiederaufnahme des Spiels zur 1:0-Führung für die Hausherren einnetzte. Knapp zwei Minuten später zappelte der Puck erneut hinter Freezers-Goalie Boris Rousson in den Maschen, als Kelly Fairchild auf 2:0 für die Berliner erhöhen konnte. Frust machte sich nun nicht nur in der Kolonie der mit an die Spree gereisten Freezersfans breit, sondern auch bei deren Idolen auf dem Eis. Nach weiteren Möglichkeiten hüben wie drüben deutete sich für die Gäste nur wenige Sekunden vor der zweiten Pausensirene weiteres Ungemach an, denn Hauptschiedsrichter Willi Schimm schritt zum Videobeweis, konnte aber zu deren Glück nicht auf den dritten Eisbärentreffer erkennen, da der Puck die Torlinie wohl nicht vollständig überquert hatte.

Das stellte aber nur eine Verschiebung dann doch im Schlussabschnitt eintretender Ereignisse dar. Als Schimm kurz hintereinander die Hamburger Gratton und Martin Hinterstocker für zwei Minuten vom Eis gestellt hatte und die Eisbären bei 5 gegen 3-Überzahl agieren konnten, traf EHC-Verteidiger Derrick Walser mit trockenem Schuss zum 3:0 (43.). Immer noch im Powerplay und der selben Spielminute legte Nationalstürmer Sven Felski nach schöner Kombination über Florian Busch und Frank Hördler zum 4:0 nach - die Entscheidung.

Der Ehrentreffer für die Gäste von der Alster gelang Lingemann mit strammen Schuss, mit dem er Youri Ziffzer, der für die letzten zwanzig Minuten das Eisbärentor hütete, keine Abwehrchance ließ. Wer Sympathien für die Hamburger hegte und nun auf eine Aufholjagd hoffte, sah sich jäh enttäuscht. Nur die jungen Cracks im Freezers-Trikot mühten sich redlich um Ergebnisverbesserung, von den erfahrenen Spielern kam nicht viel, wie nach dem Spiel auch Coach Mike Schmidt sehr kritisch anmerkte. So blieb es den Eisbären vorbehalten den Schlusspunkt unter diese Begegnung der beiden Anschutz-Klubs zu setzen: André Rankel überwand Rousson auf der Fanghandseite zum umjubelten 5:1-Endstand für den Meister.

Mike Schmidt wollte dann auch gar nicht nach Ausreden suchen: „Wir hatten eine gute Vorbereitung. Dinge, die dort gut liefen funktionieren aktuell nicht. Dass uns Leute fehlten, wie heute Alex Barta, ist richtig aber sicher nicht der Grund dafür, dass meine Mannschaft im Moment nicht ihr wahres Gesicht zeigt. Ab Dienstag kann es nur für uns heißen im Training die Ärmel hochzukrempeln und für ein hoffentlich besseres Wochenende zu arbeiten!“

Pierre Pagé, wiederholt auf die überraschend guten Leistungen seiner Mannschaft angesprochen, antwortete mit einem Lächeln im Gesicht: „Wie es ausgeht weiß ich nicht, ich habe noch nie mit so einer jungen Mannschaft gearbeitet.“, und bleibt sich damit treu keine allzu große Euphorie im Sportforum aufkommen zu lassen.

Wie dem auch sei, es ist festzustellen, dass die Eisbärenfans nicht nur großes Vertrauen in diese Truppe haben, sondern zunehmend Spaß an deren Darbietungen haben. Fast ist man geneigt zu hoffen, dass Neuzugänge in Hohenschönhausen noch ein kleines Weilchen auf sich warten lassen. (mac/ ovk)

Eisbären Berlin – Hamburg Freezers 5:1 (0:0,2:0,3:1)

Tore:

1:0 Pederson 20:28 (Ustorf)

2:0 Fairchild 22:19 (Felski,Busch)

3:0 Walser 42:07 (DuPont,Pederson) 5-3

4:0 Felski 42:48 (Hördler,Busch) PP

4:1 Lingemann 44:09 (Forster,Oravec)

5:1 Rankel 56:01 (Felski,Walser)

Schiedsrichter: Willi Schimm

Strafminuten:

Berlin – 10 (2,6,2)

Hamburg – 16 (4,4,8)

Zuschauer: 4000

Foto: City-Press

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