Eisbären mit Glück zum zweiten Sieg über Krefeld

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Am Sonntagnachmittag war der Eishockeygott auf jeden Fall

Berliner! Denn beim äußerst knappen 5:4-Heimsieg der Hauptstädter über erneut

tapfere Pinguine spielte der Faktor Glück eine Hauptrolle. „Vierzig Minuten

machten wir wieder ein sehr gutes Spiel gegen die Eisbären, die im letzten

Drittel das Tempo deutlich anzogen, was bei uns vermehrt zu Fehlern führte.“,

schätzte Gäste-Coach Teal Fowler danach treffend ein. Der scheidende Krefelder-Coach

lobte sein Team und blickte schon wieder nach vorn: „Wir bieten gegen einen

starken Gegner als Underdog doch sehr viel an. Wir müssen das Positive

mitnehmen und das Negative schnell verdauen, dann kann noch viel passieren.“

Das Positive aus Sichte der Pinguine war, dass sie die

deutliche 1:6-Niederlage vom Freitag vor eigener Kulisse offensichtlich sehr

gut verarbeitet hatten. Folge war, dass sich Spiel 3 der Viertelfinalserie

nahezu zu einer Kopie der ersten Begegnung entwickelte. Entschlossener, zielstrebiger

agierte der Vorrundenachte, während sich die Hausherren erneut selbst im Wege

standen. Wie schon am Mittwoch waren die Pinguine durch einen schnellen Konter

frühzeitig in Führung gegangen. Herberts Vasiljevs ließ Tomas Pöpperle im

Eisbärentor bei seinem Direktschuss zum 1:0 keine Abwehrgelegenheit. Allerdings

ließ die Antwort der Berliner diesmal nicht ganz so lange auf sich warten. Sven

Felski schloss einen Alleingang nach schönem Pass von Mark Beaufait zum 1:1 ab

(10.) In die erste Pause ging es dann für den EHC aber mit einem Rückstand,

denn Mike Pudlick netzte zum 2:1 für die Rheinländer ein (16.). Einen drauf

setzte noch Rob Guillet, als mit Frank Hördler und Deron Quint gleich zwei

Eisbären Strafen abbrummen mussten -1:3 (18.). Der Jubel im proppevoll

besetzten Gästeblock kannte keine Grenzen mehr. Lange noch gaben die KEV-Fans

den Ton im ausverkauften Wellblechpalast an und unterstützten ihr Team

stimmgewaltig.

Mitte der zweiten Abschnitts hatten dann endlich wieder die

Eisbärenfans Grund zum Torjubel, in Überzahl - Ivo Jan hatte auf dem

Sünderbänkchen Platz genommen – markierte Mark Beaufait den Anschluss zum 2:3

(31.). Der Stimmungspegel sackte auf Berliner Seite nur wenige Sekunden später

jedoch wieder in den Keller, da KEV-Kapitän Chris Herperger den alten

Zweitore-Abstand wieder herstellte. Einmal mehr präsentierte sich die

Eisbären-Defensive als offenes Scheunentor, durch das die Krefelder nur

hindurch zu gehen brauchten. „Das war wieder so ein Spiel, mit dem der

Offensiv-Trainer in mir sehr zufrieden, der Defensiv-Trainer aber ziemlich

sauer ist.“, ließ Pierre Pagé hernach in sein Seelenleben blicken.

Vermutlich hatte Pagé in der zweiten Pause deutliche Worte

gefunden, denn die Gastgeber kamen mit zuvor ungekanntem Schwung aus der Kabine.

Und wieder war es ein Doppelschlag innerhalb weniger Sekunden, der die bis

dahin kompakt aufspielenden Pinguine auf die Verliererstraße brachte. Steve

Walker verkürzte zunächst auf 3:4 und nur zweiundzwanzig Sekunden später

überwand Denis Pederson Robert Müller im KEV-Gehäuse zum 4:4 (44.). Nun brannte

endgültig die Luft, die Eisbärenfans sorgten endlich für die gefürchtete

Wellblechpalast-Atmosphäre. Die erstmalige Führung der Berliner durch Micki

DuPont in der 48. Spielminute setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Fast aber

wäre dem Berliner Anhang der Jubel im Halse stecken geblieben, als Herberts

Vasiljevs in der 53. Spielminute den Pfosten des Berliner Tores traf. Banges

Hoffen setzte auf den Rängen ein, als nur dreißig Sekunden vor Schluss der Videobeweis

nach einem Krefelder Treffer herangezogen werden musste, doch erkannte das

Schiri-Gespann um Roland Aumüller auf Torraumabseits. Der Rest erstickte im

Sieges-Uffta der Eisbärenfans, deren Team nun mit 2:1 in der Serie führt.

Krefelds Coach Teal Fowler analysierte nach der

Schlusssirene: „Im letzten Drittel waren die Eisbären einfach sehr aggressiv,

sehr hungrig und sehr bereit, das Siel nun für sich zu entscheiden. Bei uns

dagegen häuften sich die Fehler, was auch vermehrt Strafen zur Folge hatte. Mein

Team hat aber den richtigen Charakter und wird auch das wegstecken.“

„Die älteren Spieler müssen unkomplizierter spielten und als

Leistungsträger dominanter auftreten!“, mahnte ein vom gerade erlebten

Nervenspiel gezeichneter Eisbären-Coach mit Blick auf Spiel 4 an. „Wir haben

das nächste Level noch nicht erreicht, was uns von den Krefeldern abheben

würde. Das aber ist notwendig, weil gerade die ersten Spiele in den Play off

sehr gefährlich sind.“

Gar nicht gut gelaunt war Sven Felski (Foto City-Press) nach dem Spiel. Vor allem der zum

Glück der Eisbären nicht gegebene Ausgleichstreffer der Pinguine kurz vor

Schuss machte ihm noch schwer zu schaffen: „Es kann nicht sein, dass uns so

etwas passiert, da hatten wir reichlich Glück! Mit dem Glück müssen wir aber

sparsam umgehen. Wir machen eindeutig zu viele Fehler und geben Krefeld im

Moment zu viel Zeit, sich Chancen zu erarbeiten! Ich hoffe, dass wir darüber

auch mal sprechen und nicht nur immer über das System. Es gibt einfach nichts

schön zu reden!“

Anmerkung:

Trauriges Ereignis abseits des Eises: Ein 67-jähriger Zuschauer erlag,

trotz längeren Wiederbelebungsversuchen, im ersten Drittel des Spieles einer

Herzattacke.

 (Matthias Eckart/Oliver Koch)


EHC Eisbären Berlin – Krefeld Pinguine 5:4 (1:3; 1:1; 3:0)

Tore:

0:1 (07:38)

Vasiljevs – Guillet/ Hedlund

1:1 (09:56)

Felski – Beaufait/ Quint

1:2 (15:38) Pudlick

– Guillet/ Vasiljevs

1:3 (17:23)

Guillet – Vasiljevs/ Pudlick – PP2

2:3 (30:26)

Beaufait – Fairchild/ Felski – PP1

2:4 (31:16)

Herperger – Vasiljevs/ Guillet

3:4 (42:52)

Walker – Beaufait/ Felski

4:4 (43:14)

Pederson – Leask

5:4 (47:23) DuPont – Beaufait/ Felski

Schiedsrichter: Aumüller

Strafen: 20/ 22 (+ 10 Disziplinar Guillet; Herperger)

Zuschauer: 4695 (ausverkauft)


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