Eisbären: Kollektives Aufatmen nach Freilassung

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Man hatte sich in den zurückliegenden Wochen bei den Berliner Eisbären an so einiges gewöhnt. Doch beim heutigen Vormittagstraining im Hohenschönhauser Wellblechpalast lag eine merkwürdige Betriebsamkeit in der Luft. Manager Peter John Lee war mit einem Ohr immer wieder am Handy, Pressesprecher Moritz Hillebrand war kaum da und schon wieder weg und die anwesenden Journalisten "tigerten" aufgeregt zwischen Eisfläche und Kabinengang hin und her. Lediglich Mannschaft und Trainer ließen sich von der Hektik neben dem Eis nicht anstecken. Die morgendliche Arbeit verlief konzentriert wie eh und je, als gegen 11 Uhr die frohe Kunde aus Schweden eintraf: Bradley Bergen und Yvon Corriveau wurden vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Die schwedische Staatsanwältin Pernilla Aström selbst beantragte die Einstellung des Verfahrens. Dabei war gerade sie es, die von Anfang an von der Schuld der beiden nun freigelassenen Eishockeyprofis überzeugt war, noch vor wenigen Tagen ankündigte, eine Verlängerung der U-Haft um weiter 14 Tage zu beantragen. "Der Mannschaft fiel ein Stein vom Herzen", sagte Trainer Pierre Pagé nach dem Training. Alle Beteiligten seien froh, dass die Vorwürfe sich als falsch erwiesen haben. Das Team, so Pagé weiter, stand in den letzten Wochen unter einem großen psychischen Druck. "In erster Linie freue ich mich aber für die Familien von Brad und Ike." Vor allem wird es aber auch Pagé freuen, dass nun endlich die Normalität in den Eisbären-Alltag zurückkehren wird.

Genaue Details, wie es zur urplötzlichen Kehrtwende kam, liegen derzeit noch nicht vor. Fest steht lediglich, dass sämtliche Vorwürfe gegen die beiden seit dem 23. August in Schweden inhaftierten Bergen und Corriveau fallengelassen worden sind. Wie es jetzt mit den beiden Eisbärenspieler weiter geht, darüber ist man sich in Berlin ebenfalls noch nicht im Klaren. "Erst einmal müssen wir die Rückkehr der Zwei organisieren", sagt ein sichtlich erleichterter EHC-Manager Lee nach den Telefonaten mit den schwedischen Anwälten. "Dann sollen sie sich in erster Linie um ihre Familien kümmern, dass ist momentan das Wichtigste. Erst danach werden wir uns zusammensetzen, die offenen Fragen klären und über ihre Zukunft bei den Eisbären reden. Es kommt auch darauf an, was die Spieler wollen. "Kein Wort wurde bisher verloren, ob die Suspendierung von Bergen und Corriveau mit der Freilassung aufgehoben sei. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch gemutmaßt, dass auf Druck der Sponsoren ein Comeback der beiden ausgeschlossen sei. Denn trotz der nun erwiesenen Unschuld hat das Eishockey in Deutschland, speziell bei den Eisbären Berlin, einen gehörigen Imageschaden genommen. Näheres wird sich sicher aber erst in den kommenden Tage zeigen.

Bei all den positiven Nachrichten um Bergen und Corriveau rückte das erste Eistraining von Denis Pederson etwas in den Hintergrund. Der heute 28 Jahre alt werdende Ex-NHL-Profi stieß erst am Dienstag zu den Eisbären. "Ich fühle mich noch ein wenig down nach den Reisestrapazen", gab der Defensivstürmer nach den ersten schweißtreibenden 70 Minuten auf dem Hohenschönhauser Eis zu. Nach zuletzt sieben Jahren in der nordamerikanischen Profiliga wagt Pederson nun den Schritt in die DEL. "Es war zum Schluss recht schwer für mich in Nashville. Meistens bekam ich nicht mehr als fünf Minuten Eiszeit." Das Hockey in der DEL sei seiner Meinung nach recht gut, zwar eben nicht so wie in der NHL, aber halt besser als in den verschiedensten nordamerikanischen Minorleagues. Trainer Pagé freut sich über seinen bisher letzten Neuzugang: "Er ist ein großer und kräftiger Spieler, solch einen Typ benötigt unser Team." Auch scheint die Aufgabenverteilung für Pederson schon klar verteilt. "Als Junior und in der AHL war mein Spielstil offensiv ausgerichtet, in der NHL wurde ich zum Defensivstürmer, der meistens in der Checking-Line eingesetzt wurde", sagt der Stürmer über sich. Auch wenn Pederson selbst noch skeptisch ist, was sein Debüt am Freitag gegen die Augsburger Panther anbetrifft, so geht Coach Pierre Pagé davon aus, dass der Center zwischen Fairchild und Shearer zum Einsatz kommen wird.

Unterdessen gibt es keine guten Neuigkeiten von Dave Roberts. Der Stürmer, der am letzten Freitag mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgeschieden ist, wird den Eisbären für einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung stehen. Zwar bestätigte sich der Kreuzbandriss Gott sei Dank nicht, doch aufgrund einer schmerzhaften Knochenprellung wird der Angreifer für wenigstens vier Wochen ausfallen. Dagegen nahm Sturmkollege Mark Beaufait heute wieder am Mannschaftstraining teil. (ml/sab)