Eisbären: Kalt bis ins Herz

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Die mehr als 10.000 Zuschauer im altehrwürdigen Eisstadion

an der Brehmstaße beschlich nach der 0:2-Niederlage ihrer DEG gegen die

Eisbären wohl bereits vage die Gewissheit, dass dieses Spiel sehr wahrscheinlich

das letzte gewesen sein könnte, welches sie hier auf DEL-Niveau erleben

durften. Nach dieser Saison steht der Umzug in den ISS-Dome an. Diese seltsame Stimmungslage

führte dazu, dass man Augen- und Ohrenzeuge einer beispiellosen Atmosphäre

werden konnte, die so vermutlich kaum noch anderswo zu finden sein dürfte.

Gänsehautatmosphäre pur und alles andere als ein leiser Abschied von einem

Eisstadion, das wie kaum ein anderes der Bezeichnung „Eishockeytempel“ so sehr

gerecht wurde!

Auch wenn die von Düsseldofer Seite immer wiederkehrenden

Beteuerungen, ja noch die Chance auf ein weiteres Heimspiel zu haben, anderes

beschwören, es käme schon einem Wunder gleich, träfen sich Metro Stars und

Eisbären am kommenden Donnerstag in Düsseldorf doch noch zu Spiel 4. Zu

deutlich fiel in den ersten beiden Finalbegegnungen die Überlegenheit des

Titelverteidigers aus, und nur wenige sachliche Argumente lassen sich finden,

die die Hoffnungen der Rheinländer realistischer erscheinen lassen. Zumal,

glaubt man den Aussagen der Eisbären-Cracks, sich die Hauptstädter den Luxus zu

früher Freude nicht gönnen werden. So meinte Playoff-Topscorer Micki DuPont mit

Blick auf Spiel 2: „Wir dürfen nicht abheben und müssen konzentriert weiter

arbeiten!“ Gesagt - getan, weshalb sich der kanadische Verteidiger just an

seinem 26. Geburtstag über den zweiten Sieg in der Finalserie freuen durfte.

Auffällig an den Eisbären 2005/ 06 ist ohnehin, dass ihre

Verteidiger großen Anteil am Erfolg haben. Zum 6:1-Sieg am Donnerstag steuerte

die Defensivabteilung durch DuPont und zweimal Derrick Walser drei Treffer bei;

in Düsseldorf trugen sich Deron Quint und erneut Walser in die Torschützenliste

ein. Insgesamt verbuchten die Eisbären-Verteidiger in den diesjährigen Playoff

sage und schreibe 16 Treffer.

Einer, den die Konkurrenz schon als vermeintlichen

Schwachpunkt im Eisbären-Gefüge ausgemacht hatte, läuft aber ausgerechnet im

Finale zu ganz großer Form auf: EHC-Goalie Tomás Pöpperle. Torwarttrainer Josef

Dusek freuen die bisher souveränen Auftritte seines jungen Schützlings und

Landsmanns natürlich besonders: „Er hat sehr gut gespielt, und das war auch

wichtig!“, merkte er stolz an. In der Tat, denn in der hitzigen

Brehmstraßen-Atmosphäre hätte wohl manch anderer zitterige Hände und Knie

bekommen, Pöpperle versah seinen Job aber fehlerfrei und wurde nicht zufällig

mit seinem ersten Final-Shutout belohnt.

Erstaunlich unaufgeregt ginge es in der Kabine der Berliner zu, war aus dem unmittelbaren Mannschaftsumfeld zu hören. Gar

machten sich Spieler über Betreuer und Geschäftsstellenmitarbeiter lustig, die

ihre offenkundige Nervosität nicht in der Lage sind zu verbergen. Wie das Team

von Pierre Pagé in der stimmungsgeladenen Brehmstraße zu Werke ging, ließ schon

den Eindruck aufkommen, dass diese Truppe kalt bis ins Herz ist. Sah man aber

nach den Torerfolgen der Kollegen den Jubel auf der Eisbären-Bank, wurde klar,

dass man hier dennoch mit vielen Emotionen am Werk ist.

Am Montagnachmittag, so weiß in Berlin ein jeder, ist ein

Job zu erledigen, der trotz zweier Siege nicht einfacher geworden ist. Gerade

die Mannschaft, welche von der finalen Niederlage bedroht ist, bemüht die alte

Playoff-Floskel gern, die besagt, dass der letzte Sieg einer Serie der am

schwersten zu erringende sei. In Düsseldorf wird man sich nun darauf berufen.

Deshalb muss es dann, ganz Eisbären like, noch einmal heißen kompromisslos und

kalt bis ins Herz zu sein.

Matthias Eckart/ Oliver Koch


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