Eisbären: Iserlohn beendet Heimserie des Vizemeisters

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Berlins Coach Pierre Pagé hatte noch am Donnerstag beim allwöchentlichen Pressegespräch deutlich vor dem kommenden Gegner gewarnt: „Die Iserlohner sind hungrig. Sie brauchen jeden Punkt, denn sie wollen mit allen Mitteln die Playdowns vermeiden!“ Eben aus diesem Grunde reisten die Sauerländer bereits am Donnerstag in der Hauptstadt an und absolvierten am Spieltag noch eine Trainingseinheit. Der Kanadier schätzte die Situation der Gäste völlig richtig ein, nur fand des Trainers Warnung offensichtlich nicht die Ohren seiner Spieler und es kam, wie in dieser Saison schon mehrfach gegen vermeintlich schwächere Gegner, die Roosters entführten mit einem verdienten 4:1-Auswärtssieg die volle Punktzahl aus dem Wellblechpalast - erst zum zweiten Mal während ihrer gesamten DEL-Zugehörigkeit. Die 4200 Zuschauer im Sportforum, unter ihnen der Welt größter Boxer (2,17 m) Nikolai Valuev, quittierten das Ende der sieben Siege andauernden Heimserie ihrer Eisbären mit gellenden Pfiffen. Die kleine Fanabordnung vom Seilersee dagegen feierte noch lange den unerwarteten Erfolg ihrer Mannschaft und tat gut daran, denn die Spieler von Coach Doug Mason hatten schwer geackert für diese drei Zähler.

Der Trainer der Roosters war sichtlich stolz auf seine Mannen, als er nach dem Spiel einschätzte: „Es war zu erwarten, dass wir gegen die Eisbären mit ihrer riesigen Offensivkraft einige hektische Situationen zu überstehen haben werden, aber wir haben defensiv super gearbeitet! Es macht wirklich Spaß in Berlin zu gewinnen!“ Und auch sein Kollege Pierre Pagé bekannte: „Ich war sehr beeindruckt vom intensiven Spiel der Iserlohner, sie haben stark gekämpft.“ Und genau hier lag an diesem Abend der Unterschied zwischen beiden Teams! Der Vizemeister auf der einen Seite recht pomadig daher kommend, manchmal sogar träge wirkend und einmal mehr mit seinen Chancen schlampig umgehend - auf der anderen Seite die zwar insgesamt in ihren spielerischen Mitteln sicherlich limitierten Underdogs vom Seilersee, die aber mit allen Mitteln, erlaubten und unerlaubten, fighteten was das Zeug hielt. So entwickelte sich ein Spiel, das ein Beobachter äußerst lakonisch, aus Berliner Sicht aber treffend so beschrieb: „Das war wie ein Verkehrsunfall, man konnte weder hin- noch wirklich wegschauen.“

Noch etwas überraschend gingen die Gäste in der 9. Spielminute durch einen recht kuriosen Treffer von Tobias Schwab mit 0:1 in Führung. Sein Schuss wurde im Gewühl zur Bogenlampe abgefälscht und senkte sich unglücklich hinter Youngster Youri Ziffzer, der diesmal für Oliver Jonas das Eisbären-Tor hütete, ins Netz. Die Hauptstädter hatten in der Folge zahlreiche Möglichkeiten auszugleichen und gar in Führung zu gehen, doch Dimitrij Kotschnew im Roosters-Gehäuse stand dem jedes Mal erfolgreich im Weg.

Was den Eisbären im Anfangsabschnitt nicht mehr gelang, klappte dann bei eigener Überzahl im zweiten Drittel als Gäste-Verteidiger Martin Knold auf der Strafbank schmorte: EHC-Defender Ricard Persson schoss noch vorbei, Rob Shearer nahm den Puck hinter dem Tor auf und leitete zu Mark Beaufait weiter und der ließ dem guten Kotschnew ausnahmsweise keine Abwehrmöglichkeit - 1:1 (35.). Wer nun dachte, dass sich die Pagé-Schützlinge auf ihre eigentlichen Qualitäten besinnen würden, sah sich getäuscht. Halbherzig bauten sie ihr Spiel auf, verzettelten sich in Zweikämpfen. Wurde dann doch mal ein gefährlicher Pass vor das Tor der Iserlohner gespielt, befand sich der Adressat überall nur nicht im Slot. In der Abwehr der Hohenschönhausener sah es nicht viel besser aus, vor allem in Unterzahl, wie der erneute Führungstreffer der Sauerländer bewies: Bryan Adams, eigentlich zwischen zwei Berlinern an deren blauen Linie eingeklemmt, erhielt einen blitzsauberen Pass von Martin Knold, drehte sich kurz und hatte plötzlich freie Bahn, um in Richtung Ziffzer davon zu ziehen, wieder etwas unglücklich trudelte die Hartgummischeibe zwischen den Schonern des jungen Keepers zum 1:2 hindurch (40.). Kurz vor der Sirene hatte Erik Cole ebenfalls im Alleingang die Chance noch vor der zweiten Pause den Ausgleich herzustellen, doch der gute Kotschnew hatte etwas dagegen. Doug Mason meinte dazu: „Das war in meinen Augen der Knackpunkt des Spiels. Hätten wir hier einen Treffer hinnehmen müssen, wären wir wohl moralisch eingeknickt. Dimitrij erhielt uns den Glauben hier gewinnen zu können.“

Das Schlussdrittel wurde für die Gastgeber zum Fiasko. Zwar bemüht das Ergebnis zu drehen, scheiterte man aber immer wieder entweder an Kotschnew oder aber an sich selbst. So zum Beispiel erneut Erik Cole, der zwar fast wie gewohnt rackerte, aber nicht nur bei seinem Versuch in der 47. Spielminute glücklos blieb, als sein Direktschuss an die Maske des Iserlohner Goalies knallte. Für die Entscheidung sorgte in der 54. Spielminute Eisbär Sven Felski, der Rooster-Center Brett Lysak von hinten in die Bande checkte, welcher dann gegen selbige prallte und sich dabei ein Platzwunde zuzog, die in der Kabine genäht werden musste. Hauptschiedsrichter Deubert schöpfte, nachdem er sich über den Hergang erkundigt hatte, das volle Strafmaß aus und schickte Felski mit einer 5 Minuten plus Spieldauerstrafe vorzeitig unter die Dusche. Da bereits zuvor Denis Pederson wegen Haltens für zwei Minuten Richtung Strafbank marschieren musste, ging es bei 5 gegen 3 Überzahl der Gäste weiter. Die Kabinentür hatte sich gerade wenige Sekunden hinter Felski geschlossen, da markierte auch schon Iserlohns Neuzugang John-Michael Liles das 1:3 und zugleich seinen ersten DEL-Treffer (54.).

Dann dauerte es wiederum nur ein paar Sekunden bis Schiri Deubert die unsägliche Spielverzögerungsregel gegen die Berliner in Anwendung bringen musste, weil Rob Shearers Befreiungsschlag den Weg über die Spielfeldbegrenzung fand. Die Sauerländer nutzten ihr Powerplay zum dritten Mal, diesmal durch Bryan Adams und noch immer in der 54. Spielminute - 1:4. Für etwas Ergebniskosmetik hätte Stefan Ustorf drei Minuten später sorgen können, doch wie vorher schon die seiner Kollegen zog auch sein Schuss am gegnerischen Tor vorbei. Enttäuscht verließen die ersten Eisbärenfans bereits jetzt den Wellblechpalast, wohingegen im Gästeblock die Siegesparty begann.

Pierre Pagé haderte nach dem Spiel vor allem mit der mangelnden Disziplin einiger seiner Spieler: „Es gab wieder dumme Strafen zur falschen Zeit, wie die von Leask, Walser und vor allem Felski. Daran haben wir zu arbeiten.“ Auf die Frage, wie es möglich ist nach dem Sieg und toller Leistung gegen Nürnberg so einzubrechen, sagte der EHC-Coach: „Nach einem Sieg wie dem 4:3 gegen die Ice Tigers ist man nicht so gut wie man glaubt, aber auch nicht so schlecht wie man es nach einer 1:4-Niederlage annimmt.“ Den Beweis dafür haben die Eisbären-Cracks am Sonntag im Match beim Aufsteiger Wolfsburg allerdings erst noch zu erbringen, klappt das nicht, stellte Pagé bereits in Aussicht: „Meine Spieler hatten am Wochenende zwei Tage frei. Das wird für lange Zeit das letzte Mal gewesen sein!“ Man darf in der Tat gespannt sein, ob der EHC nun endlich beginnt, die vermeintlich „Kleinen“ der Liga ernst zu nehmen! (mac/ ovk)

EHC Eisbären Berlin - Iserlohn Roosters 1:4 (0:1; 1:1; 0:2)

Tore:

0:1 (08:50) Schwab EQ

1:1 (34:11) Beaufait - Shearer/ Persson PP1

1:2 (39:19) Adams - York/ Mitchel PP1

1:3 (53:33) Liles - Gordon/ Mitchel PP2

1:4 (53.58) Adams - Gordon/ Mitchel PP2

Zuschauer: 4200

Schiedsrichter: Deubert - Giera/ Westrich

Strafminuten:

Berlin – 10 (4,6,9) + Spieldauerdisziplinarstrafe (Felski)

Iserlohn – 10 (4,6,0) + 10-Minuten-Disziplinarstrafe (Liles)

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