Eisbären in der Selbstkritik

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Stefan Ustorf ist ein Mann der klaren,

aber bedachten Worte. So ist es natürlich nicht verwunderlich, dass

die Presseabteilung der Eisbären Berlin den Stürmer meist immer

dann zu den Medienvertretern schickt, wenn sie in Erklärungsnot

scheinen. So diktierte er am Samstag den Durchhalte-Willen seiner

Mannschaft in die Notizblöcke der Journalisten – zwei Tage später

lebte er ihn in Augsburg vor - , am gestrigen Mittwoch, nach dem

Ausscheiden aus dem Play-off Viertelfinale gegen die Augsburger

Panther, war es dann eine kurze Analyse.

Erst eine knappe Stunde nach Spielende

erschien Ustorf, bereits geduscht und im weißen Hemd mit

Sponsor-Aufdruck am Kragen vor den Berliner Pressevertretern. Fünfzig

Minuten zuvor verabschiedete er sich mit einem Gesicht zwischen Wut

und Enttäuschung von den Berliner Fans. Ein Abschied für immer war

es aber nicht: „Ich brauche keine Bedenkzeit. In der nächsten

Saison spiele ich hier wieder Eishockey!“. Wie im übrigen auch

Berlins Urgestein Sven Felski, der, nach eigenen Worten, mit einem

Aus im Viertelfinale seine Karriere nicht beenden möchte.

Einer der definitiv aber nicht mehr

nach Berlin zurückkehren wird, ist Denis Pederson. Der 34-Jährige

gab ja bekanntlich schon vor den Play-offs sein Karriere-Ende nach

dem Showdown bekannt. Ein Fakt, den auch Ustorf nicht kalt lässt:

"Bei mir im Vordergrund steht der Abschied von Denis Pederson.

Das ist eine Situation die tut mir Leid und so hätte es nicht kommen

sollen. Keiner von uns hat geplant das er so seine Karriere beenden

muss. Das tut weh im Augenblick!"


Und die gemischten Gefühle gingen, auf

die Saison zurückblickend, weiter: "Sicherlich haben wir eine

sehr gute Saison gespielt und können auch stolz darauf sein, was wir

in der regulären Saison gemacht haben. Aber die Play-offs haben nun

einmal ihre eigenen Gesetze. Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden

und wie gesagt, Augsburg hat hervorragend gespielt. Man hat uns auch

nicht die Möglichkeit gegeben, so zu spielen wie wir uns das

vorgestellt haben."

Natürlich ist Ustorf, ob der in den

Play-offs gebrachten Leistungen, sehr selbstkritisch und geht mit

sich und der Mannschaft hart ins Gericht: "Ich glaube nicht, das

irgendeiner von uns die Leistung gebracht hat, die er bringen hätte

können und die er auch wärend der regulären Saison gebracht hat.

Da siehst du wie eng die Liga beieinander ist." Ebenfalls sah er

das Momentum, in dem die Serie verloren wurde, am gestrigen Tag: „Wir

haben heute im zweiten Drittel Chancen, Chancen, Chancen gehabt und

haben die Tore nicht gemacht."

Dafür scheint die Zukunft aber

gesichert zu sein: „Diese Mannschaft ist auf einem guten Weg. Das

zeigt natürlich das Gewinnen nicht einfach ist und wir haben sehr

oft gewonnen hier in den letzten paar Jahren und vielleicht hat man

sich bisschen dran gewöhnt und hat gedacht, es geht von selber und

es geht halt nun mal nicht Einfach. Meister zu werden ist sehr sehr

schwer, dazu muss sehr hart gearbeitet werden. Aber diese Mannschaft

ist auf einem hervorragenden Weg. Wir haben Spieler wie TJ Mulock,

Dani und Alexander Weiß, Florian Busch. Das sind alles junge Leute.

Die Mannschaft ist eindeutig auf dem aufsteigenden Ast."

Und denen gibt Stefan Ustorf gleich

noch eine Aufgabe mit: „Wir diesen Sommer alle um so härter

arbeiten werden, damit wir nächstes Jahr auch wieder ganz vorn

mitspielen.". Vorher gilt es aber, noch einmal in eine innerer

Inventur zu gehen. Der Anfang wurde zumindest gestern schon gemacht,

glaubt man dem Eisbären-Routinier, wie er die Stimmung, eine Stunde

und zehn Minuten nach dem Spiel beschrieb: „In der Kabine ist die

Stimmung sehr schlecht. Die Mannschaft ist geknickt. Die Jungs sind

natürlich nicht gut drauf und machen sich Vorwürfe. Das ist ganz

klar."

Klare Worte von Stefan Ustorf!

Oliver Koch / Daniel Flister – Fotos

by City-Press


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