Eisbären: Harte Lektion - Adler demütigen Vizemeister

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Es war der Abend der Erkenntnisse, vorzugsweise der bitteren und zwar für den Meisterschaftszweiten der Vorsaison. In einer imposanten Lehrstunde führte das Adler-Team die Berliner Eisbären vor 4600 Zuschauern im Wellblechpalast vor und verließ als verdienter 3:8-Sieger (2:2; 0:3; 1:3) das Hohenschönhausener Sportforum.


Dabei sah es nach fünf Spielminuten ganz anders aus, denn der EHC schien die Quadratestädter trotz ihrer NHL-Verstärkungen Christobal Huet, Sven Butenschön und Jochen Hecht förmlich überrollen zu wollen. Noch keine zwei Minuten waren vergangen, da netzte Ricard Persson nach Vorarbeit von Sven Felski und Mark Beaufait bereits zum 1:0 für die Gastgeber ein. Damit nicht genug, nur wenige Sekunden später bereiteten Rob Shearer und Denis Pederson maßgerecht das 2:0 durch Micki Dupont vor, der wieder einmal eine Kostprobe seiner vorzüglichen Schusstechnik ablieferte und dem verdutzten Huet keine Abwehrmöglichkeit ließ. Der „Welli“ tobte! - Jedoch nicht lange: Die Adler verdauten den Rückstand schnell und kamen durch den jungen Fabio Carciola in der 6. Spielminute zum 1:2-Anschluss (Assist: Aab). Schon bei diesem Treffer sah die Abwehr der Berliner nicht sonderlich gut aus, doch Gedanken machte sich zu diesem Zeitpunkt auf Seiten der Hauptstädter noch niemand.


Danach hatten die Eisbären mehrmals in Überzahl die Chance, den alten Abstand wieder herzustellen, doch einerseits präsentierte sich das Powerplay des EHC zu statisch und andererseits hatte Huet im Adlergehäuse den Schock der Anfangsphase überwunden und zeigte mehrfach sein Können. Aber auch EHC-Goalie Oliver Jonas, der dem Vernehmen nach im Laufe dieser Woche seinen Kontrakt mit den Berlinern vorzeitig um ein weiteres Jahr bis 2006 verlängerte, erhielt Gelegenheit sich einige Male auszuzeichnen. Die Mannheimer störten nun den Spielaufbau der Hohenschönhausener immer effektiver. So war auch ein abgefangener Pass der Ausgangspunkt zum 2:2-Ausgleich der Gäste in der 16. Spielminute, als Hecht sogleich Ullmann bediente und der den Puck hinter Jonas versenkte - der Anfang vom bitteren Ende. Kurz vor der Pause verstrickte sich der Mannheimer Hecht in ein Wortgefecht mit Schiedsrichter Gerhard Lichtnecker, was den veranlasste Hecht zusätzlich zur kleinen Strafe wegen Hohen Stocks auch noch mit einer zehnminütigen Disziplinarstrafe zu belegen.


Im Mittelabschnitt gesellten sich zum schlechten Abwehrverhalten der Berliner, hier vor allem der langsam gewordene Schwede Persson und der erneut mit zahlreichen Stockfehlern aufwartende Derrick Walser, auch noch eine eklatante Abschlussschwäche. Und auch Oliver Jonas offenbarte, jedoch auch häufig von seinen Verteidigern allein gelassen, einige Defizite. Zu oft prallte der Puck von ihm in Richtung der nur darauf wartenden Adler-Angreifer. In der 27. Spielminute zappelte der Puck dann auch hinter Jonas im Netz, doch Schiri Lichtnecker versagte dem Treffer wegen Hohen Stocks seine Anerkennung. Nur sechzig Sekunden später kippte das Spiel jedoch mit dem Führungstreffer der Adler durch Steve Kelly - 2:3 (Carciola). Und die Mannen von Coach Helmut de Raaf legten sogleich nach, nachdem Persson wegen Stockschlags auf der Strafbank schmorte: René Corbet traf nach Vorlage von Edgerton zum 2:4 (29.). Und weiter kreiselten die Adler durch das Eisbärendrittel: Wieder saß Persson eine Strafe ab, was diesmal der wegen mangelnder Fitness von Nürnberg nach Mannheim abgeschobene Thomas Greilinger zum 2:5 in Überzahl ausnutze (37.-Healey, Corbet). Kurz vor Schluss des Mittelabschnitts scheitert Rob Shearer für die Eisbären mit der Chance noch vor der Pause zu verkürzen.


Zum Erstaunen vieler Anwesender warf EHC-Coach Pierre Pagé mit Beginn der letzten zwanzig Minuten den zwar sicher talentierten, aber mit seinen 18 Jahren eben auch recht unerfahrenen Youri Ziffzer für Jonas in die verlorene Schlacht. Der Weckruf an die dahinschlummernde Eisbären-Defensivabteilung verhallte allerdings ungehört. Offensiv schien zunächst aber wieder etwas für die Berliner möglich zu sein: Als Sven Felski glaubte zum 3:5 getroffen zu haben, schritt wieder Lichtnecker ein und entschied erneut auf hohen Stock, weshalb der Treffer nicht zählte. In der 48. Minute erhielt die Hoffnung der Eisbärenfans aber neue Nahrung, denn Kapitän Steve Walker traf zum 3:5 (Heins, Pederson). Die währte aber nicht lange, weil wieder ein Eisbär den Puck im eigenen Drittel vertändelte - Aab bestrafte das mit dem 3:6 (Carciola) in der 50. Spielminute. Die Tore von Healey zum 3:7 (54.-Kelly, Delmore) und von Corbet zum 3:8 (59.-Joseph, Bakos) rundeten die Schmach für den Vizemeister dann nur noch ab. Zumal der letzte Treffer der Mannheimer auch noch in Unterzahl erzielt wurde.


Nach dem Spiel zeigte sich Helmut de Raaf verständlicherweise mit der Leistung seiner Mannschaft mehr als zufrieden: „Am Anfang sah es ja gar nicht so gut aus für uns, aber mein Team hat den frühen Rückstand gut weggesteckt. Dann versuchten wir Fehler beim Gegner zu provozieren, welche den Eisbären dann auch unterliefen und wir hatten das notwendige Glück die daraus entstehenden Möglichkeiten zu nutzen.“ Der sichtlich betroffene Pagé resümierte ernüchtert: „Wenn man sich gegen einen Gegner wie Mannheim 36 Chancen erarbeit, dann ist man keine schlechte Mannschaft und hat auch nicht schlecht gespielt. Wir hatten einfach keine Defensive! Ich wollte offensive Spieler, ich habe offensive Spieler bekommen. Meine Aufgabe ist es, dass sie vernünftig defensiv spielen.“ Pagé wollte dann auch nichts von Verstärkungen aus der NHL wissen: „Es spielt keine Rolle ob wir ein oder zwei Spieler hinzu bekommen. Die, die hier sind, sind gut genug und müssen einfach besser spielen!“ Auf den EHC-Coach wartet noch eine Menge Arbeit, denn zu viele Ungereimtheiten gibt es derzeit noch in seiner Mannschaft. Was bedenklich stimmen muss, ist der Fakt, dass Pagé glaubt auch eine gewisse Arroganz bei seinen Spielern ausgemacht zu haben. Grund zur Arroganz haben die Perssons, Kellers, Walsers oder Duponts nach dieser desolaten Leistung nun allerdings bei weitem nicht! Am Sonntag in Krefeld können sie schon einmal Wiedergutmachung betreiben, nur wird es sich mit einem Sieg dort nicht bewendet haben. Kontinuität ist gefragt und beständig harte Arbeit und sichtbar besserer Einsatz! (mac/ ovk)


Eisbären Berlin – Adler Mannheim 3:8 (2:2,0:3,1:3)


Tore:

1:0 Persson 1:41 (Beaufait, Felski)

2:0 DuPont 2:04 (Shearer,Pederson)

2:1 Carciola 5:06 (Aab)

2:2 Ullmann 14:51 (Hecht)

2:3 Kelly 27:25 (Carciola)

2:4 Edgerton 28:33 (Corbet)

2:5 Greilinger 36:41 (Healey,Corbet) PP

3:5 Walker 47:29 (Heins,Pederson)

3:6 Aab 49:17 (Carciola)

3:7 Healey 53:29 (Kelly,Delmore) 6-4

3:8 Corbet 58:24 (Corbet,Bakos) SH


Schiedsrichter: Gerhard Lichtnecker

Strafminuten: Berlin – 12 (4,6,2) - Mannheim – 18 (10,2,6) + 10-Minuten-Disziplinarstrafe (Hecht)

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