Eisbären: Großes Comeback im ersten Finalspiel - 5:3 gegen Mannheim

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Das war ein

Finalauftakt nach Maß! Die 4695 Zuschauer im ausverkauften Wellblechpalast

wurden Augenzeuge eines rassigen ersten Endspiels, in dem die Eisbären nach frühem

0:2 Rückstand am Ende aber durchaus verdient mit 5:3 (1:2; 2:0; 2:1) die

Oberhand behielten und damit in der Serie in Führung gingen.

Dabei sah es bereits nach acht Minuten so aus, als wenn die Hausherren mit all

dem Druck nicht klar kämen. Übernervös agierten die Mannen von EHC-Coach

Pierre Pagé und sorgten mit zahlreichen Fehlern selbst dafür, dass der erste

Spielabschnitt weitestgehend von den Adlern beherrscht wurde. Christoph Ullmann

(7. Spielminute) und René Corbet (8.) ließen sich nicht lange bitten und

schossen ihr Team mit 0:2 in Führung. Die erste erwähnenswerte Gelegenheit für

die Eisbären hatte Richard Müller sage und schreibe erst nach zwölf Minuten,

doch der starke Huet im Adler-Gehäuse parierte. Die Eisbären mühten sich

weiter, benötigten aber ein Powerplay (Bakos saß für die Gäste auf der

Strafbank), um in der 19. Spielminute durch Mark Beaufait den

1:2-Anschlusstreffer zu erzielen. Der wieder einmal bärenstarke Erik Cole hatte

zuvor vorbei geschossen, der Puck prallte von der Bande zurück und Huets

Desorientierung nutzte der US-Amerikaner im EHC-Trikot und markierte sein

siebtes Playoff-Tor. Erst dieser Treffer ließ die Hauptstädter so richtig ins

Spiel kommen. Stefan Ustorf traf noch vor der Pausensirene den Pfosten und auch

Ricard Persson scheiterte aus aussichtsreicher Position.

Die Eisbären knüpften nach Wiederbeginn dort an, wo sie in der Schlussminute

des Auftaktdrittels aufgehört hatten und machten fortan tüchtig Druck. Florian

Busch, Erik Cole und Shawn Heins vergaben erste gute Möglichkeiten. Erneut war

es in der 33. Spielminute eine Überzahlsituation, welche den Hauptstädtern den

viel umjubelten Ausgleich bescherte. Als Devin Edgerton auf der Strafbank saß,

bediente Derrick Walser Denis Pederson mustergültig und der hatte wenig Mühe

zum 2:2 einzuschieben. Angetrieben von ihren heißblütigen Fans, die in ihrer

Anfeuerung kaum nachließen, bestürmten die Eisbären weiter das Tor von

Cristobal Huet. Und wieder schlug das hervorragende Powerplay des

Vorrundenzweiten gnadenlos zu: Markus Kink war auf Seiten der Adler diesmal der

Sünder, Torschütze der 3:2-Führung für die Berliner zum zweiten Mal an

diesem Abend Denis Pederson (37.). Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die

Eisbärenfans ihr Team in die zweite Pause. Ein schon sensationell zu nennendes

Schussverhältnis von 30:3 für die Hohenschönhauser allein im Mittelabschnitt

belegt wohl ausreichend, mit welch Vehemenz die Pagé-Schützlinge hier zu Werke

gingen.

Im Schlussdrittel wurde es noch turbulenter! Nachdem Sven Felski und Mark

Beaufait gleich wieder das Mannheimer Tor unter Beschuss genommen hatten,

leistete sich Adler Christoph Ullmann einen Stockstich gegen einen Berliner, der

Hauptschiedsrichter Roland Aumüller nicht verborgen blieb und diesen mit einer

5 + Spieldauerstrafe ahndete. Damit ist der Mannheimer für Spiel 2 automatisch

gesperrt. Und als sei das nicht genug, schob Michael Bakos gleich eine weitere

Undiszipliniertheit nach und musste für zwei Minuten auf der Strafbank Platz

nehmen. Wen mochte es jetzt noch wundern, dass das kreuzgefährliche Powerplay

der Berliner auch bei einem Kräfteverhältnis von 5 gegen 3 erfolgreich war?

Derrick Walser hatte abgezogen und Kapitän Steve Walker netzte im Nachschuss

zum 4:2 ein (45.). Nun schalteten die Gastgeber einen Gang zurück, was

Mannheims Topscorer Jochen Hecht nach einem Bully im Drittel der Eisbären auch

sogleich mit dem 4:3-Anschlusstreffer  bestrafte

(52.). Der eigentlich nun zu erwartende Sturmlauf der Quadratestädter blieb

jedoch erstaunlicher Weise aus. Dafür band Steve Walker nach Vorarbeit von

Stefan Ustorf per Sololauf mit seinem zweiten Treffer des Abends den Sack zu -

5:3 (58.). Der Eisbären-Kapitän führt nunmehr die ewige Playoff-Torschützenliste

der Berliner an. Den Mannheimern verhalf auch das Herausnehmen ihres Torhüters

zugunsten eines sechsten Feldspielers nicht mehr zu einer Ergebnisverbesserung.

Ausgestattet mit einem Willen, der ihrem Wappentier zur Ehre gereicht, drehten

die Eisbären das Spiel, welches manch einer wohl schon verloren glaubte.

Dass die Stimmung Wellblechpalast nahezu überkochte, muss wohl nicht sonderlich

betont werden. Dennoch war dieser Sieg nur ein erster Schritt zur Verwirklichung

des Berliner Titeltraumes - am Sonntag gilt es im altehrwürdigen Friedrichspark

in Spiel 2 eine ähnliche Leistung abzurufen! Young Gun Florian Busch wird dann

allerdings fehlen. Eine ungeahndete Attacke führte beim jungen EHC-Stürmer zu

einer Schulterverletzung, die einen weiteren Einsatz in der Finalserie wohl unmöglich

machen wird.

(mac/ ovk - Foto: City-Press)

Stimmen zum Spiel:

Stephane

Richer (Coach Adler Mannheim):

„Im ersten Drittel hatten wir neben unseren beiden Toren noch viele Chancen,

aber das Gegentor brachte uns aus dem Konzept. Wenn wir eine Chance haben wollen

gegen Berlin zu gewinnen, dann müssen wir versuchen mehr Fünf gegen Fünf zu

spielen. Die Beste Unterzahl ist keine Strafen zu bekommen!“

Pierre Pagé (Coach Eisbären Berlin): „Es

ist erst ein Spiel. Wir müssen besser Fünf gegen Fünf spielen. Wir können

noch nicht glücklich sein, sind aber auch nicht negativ. Wir müssen versuchen

in den ersten 10 Minuten noch besser zu werden.

Denis Pederson: „Diesmal sind wir

schon im ersten Spiel aufgewacht, und nicht wie gegen Ingolstadt im zweiten.

Mannheim ist verdammt stark! Sie spielen ein gutes Forechecking und sind in

jeder Situation gefährlich. Ich glaube die Serie geht über alle fünf

Spiele.“

Steve Walker: „Wir müssen von

Anfang an wach sein. Diesmal waren wir in den ersten Minuten zu nervös, daher

vielleicht auch die beiden Tore. Wir müssen versuchen in den nächsten Spielen

Christobal Huet noch mehr unter Druck zu setzen. Er ist verdammt stark, aber

bezwingbar.“

EHC

Eisbären - Adler Mannheim 5:3 (1:2; 2:0; 2:1)

Torfolge:


0:1

- Ullmann (06:58) Carciola/ Healey EQ

0:2 - Corbet

(07:37) Hecht EQ

1:2 - Beaufait (18:46) Shearer PP1

2:2

- Pederson (32:07) Walser/ Walker PP1

3:2 - Pederson

(36:54) PP1

4:2 - Walker (44:51) Beaufait/ Keller PP2

4:3

- Hecht (51:24) Tremblay/ Edgerton EQ

5:3 - Walker

(57:31) Ustorf EQ

Schiedsrichter:

Aumüller - Brodnicki/ Gemeinhardt

Strafen:

6/ 19 + Spieldauer (Ullmann)

Zuschauer:

4695 (ausverkauft)

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